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Thyssenkrupp Alte Sünden und neue Probleme für Hiesinger

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger tritt auf der Stelle. Den Stahl wird er nicht los. Und auch der Korruptionssumpf ist längst noch nicht ausgetrocknet. Neue Bestechungsvorwürfe, diesmal bei einem U-Boot-Geschäft mit Israel, werden bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2015/2016 am Donnerstag in Essen wieder einmal im Fokus stehen.

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Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Quelle: dpa Picture-Alliance

Solche Schübe gibt es selten für Stahlaktien. Nur, weil der designierte US-Präsident Donald Trump Anfang dieser Woche ankündigte, er werde die Stahlerzeugung in den USA vorantreiben, witterte die Börse schon einen neuen Stahlboom. Die US-amerikanischen Konzerne U.S. Steel und Olympic Steel schossen um 16 Prozent nach oben. Auch europäische Stahlwerte beeinflusste Trumps frohe Botschaft: Die Aktien von Thyssenkrupp legten am Mittwoch um 1,7 Prozent zu – nicht üppig, aber immerhin.

Aus dem Schlamassel wird Trump der Stahlbranche aber kaum helfen können. Es gibt sowieso schon viel zu viel Stahl auf der Welt. Global sind es derzeit 660 Millionen Tonnen Stahl, die zu viel produziert werden. Fast zwei Drittel der Überkapazitäten fallen auf China. Helfen würde es der Stahlbranche, wenn die Chinesen weniger Stahl auf den Weltmarkt werfen würden. Ob Trumps starker Arm so weit reicht, ist zu bezweifeln.

Für westliche Konzerne bleibt Stahl ein Krisengeschäft – auch für Thyssenkrupp. Die Billigexporte aus China, die Überkapazitäten und damit fallenden Stahlpreise sowie steigende Rohstoffkosten, vor allem für den wichtigen Rohstoff Kokskohle, machen dem deutschen Riesen weiter zu schaffen. Hiesinger strebt eine Fusion mit dem indischen Stahlkonzern Tata Steel an. Doch ob die beiden Konzerne tatsächlich ihre europäischen Stahlgeschäfte zusammenlegen werden, ist mehr als ungewiss.

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt. Quelle: PR
Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden. Quelle: PR
Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010. Quelle: PR
Für die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen. Quelle: PR
ThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal. Quelle: PR
Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“. Quelle: PR
Großwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen. Quelle: PR

Der geplante EU-Austritt von Großbritannien und Krach an der Spitze bei Tata haben die Gespräche jedenfalls nicht vorangetrieben.

Schon im Frühjahr hatte Thyssenkrupp-Chef Hiesinger nach Einbrüchen im Werkstoffgeschäft die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2015/2016 (per Ende September 2016) auf 1,4 Milliarden Euro gekappt. Ursprünglich hatte er einen operativen Gewinn von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro angepeilt.

Korruptionssumpf bei Thyssenkrupp noch nicht trockengelegt

Bei der Präsentation der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr am Donnerstag in Essen wird sich Hiesinger aber nicht nur wieder ausführlich dem ungeliebten Thema Stahl widmen müssen. Erklären muss der 56-jährige Top-Manager auch, wieso er es einfach nicht schafft, den Korruptionssumpf bei Thyssenkrupp trockenzulegen. In den vergangenen Jahren war Thyssenkrupp in eine Vielzahl von Bestechungs- und Kartell-Fällen verwickelt. Es ging um Preisabsprachen im Schienenverkehr, Bestechungsgelder für Waffengeschäfte und im Schiffsbau.

Welche Kennzahlen ThyssenKrupp-Chef Hiesinger verbessern will

So musste der Essener Konzern etwa wegen der Absprachen im Schienengeschäft ein Bußgeld in Höhe von 200 Millionen Euro zahlen.

Hiesinger, der viele Jahre für den deutschen Industriekonzern Siemens in aller Welt tätig war, trat 2011 bei Thyssenkrupp an, um der Korruption den Garaus zu machen. Doch die alten Sünden brechen wieder los. Zuletzt ausgerechnet von einem Top-Manager, dem Hiesinger volles Vertrauen schenkte, und den er von Siemens nach Essen holte.

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