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ThyssenKrupp Beitz tritt nicht zurück, sondern nach

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Der bestgehasste Mann im Ruhrgebiet

Das sind die wunden Punkte von ThyssenKrupp
Ein Stahlarbeiter im ThyssenKrupp-Werk in Bochum steht vor einem glühenden Stahlcoil Quelle: dpa
Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp Quelle: dpa
Unter Cromme als Vorsitzendem des Prüfungsausschusses im Siemens-Aufsichtsrat bis 2007 fließen in dem Konzern Schmiergelder von 1,3 Milliarden Euro an Auftragsnehmer. Quelle: dpa
Berthold Beitz (99), Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, lauscht in der Villa Hügel der Rede von Ministerpräsident Sellering (SPD). Quelle: dpa
Der Ex-Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz, rechts, und der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme Quelle: AP
Zuege stehen vor dem Hauptbahnhof in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Der Formel-1 Fahrer Sebastian Vettel fährt am 17.04.2010 in Shanghai während eines Formel-1 Rennens an einer Zuschauertribüne vorbei. Quelle: dpa

Im Nachhinein und vom Hügel aus, in einem Gespräch mit Joachim Käppner, ereilt den Juristen und früheren ThyssenKrupp-Vorstandschef mit ganzer Härte diese Schuldzuweisung. Cromme ist nicht irgendwer. Seit 1985 in Krupp-Diensten rettete er Krupp, indem er die Last der Schließung des Krupp-Stahlwerks Rheinhausen bei Duisburg auf sich nahm. Cromme war der bestgehasste Mann im Ruhrgebiet. Er schien es schweigend hinzunehmen, um Krupp zu retten. Das Unternehmen stand nicht sehr weit weg vom Ruin. Diese Rettung war nicht genug. Cromme bereitete seinen nächsten Coup vor. Der erste feindliche Take-over in Deutschland, die Übernahme von Hoesch. Danach kam die erzwungene Fusion von Krupp mit Thyssen. Die Thyssen-Manager wehrten sich mit Händen und Füßen. Aber es nützte nichts. Cromme hatte gelernt, eine Übernahme oder eine Fusion mit Hilfe der Banken und Investoren auch gegen den Willen der betroffenen Vorstände einzufädeln. Die Krupp-Fraktionen beherrschten den fusionierten Konzern ThyssenKrupp und mit ihnen die Krupp-Stiftung, die 25,3 Prozent hält und Berthold Beitz.

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Niemand kann Beitz kontrollieren

Das Fehlinvestment in Übersee, die Milliarden, die in die Sümpfe von Brasilien und Alabama (USA) für zwei Stahlwerke versenkt wurden und bis heute hohe, bedrohliche Verluste auftürmen, brachten Cromme in den Augen von Beitz nun auf die schiefe Bahn. Cromme war sicher, dass er immer richtig informiert hatte, "Cromme bleibt", sagte Beitz noch im Dezember. Cromme blieb nicht, zehn Wochen später war er von Beitz gefeuert.

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Beitz ist klar im Kopf, aber eines hat er wohl vergessen: Gegen den Willen der übrigen Aktionäre nahm der Chef der Krupp-Stiftung in seiner Funktion als Ehrenaufsichtsratsvorsitzender an den Aufsichtsratssitzungen von ThyssenKrupp teil. Er war der einzige Vertreter eines Großaktionärs, der jeden Lagevortrag des Vorstandes vor dem Aufsichtsrat kannte. Im obersten Kontrollgremium referierten auch die Chefs des Strategieausschusses und des Investitionsausschusses, auch der des Prüfungsausschusses. Wenn Beitz an den Sitzungen teilgenommen hat, dann müsste er genauso im Film gewesen sein wie seinerzeit Cromme.

Wann hat Beitz an welcher Aufsichtsratssitzung teilgenommen? Was wusste Beitz? Diese Frage würde stellen, der Beitz kontrolliert. Aber es gibt niemanden, der das kann. Denn das Stiftungsrecht sieht keine Aufsicht über die Kontrolle eines Unternehmen vor, das von einer Stiftung gehalten wird. Nur die ordnungsgemäße Verteilung des Vermögens in gemeinnützige Projekte, so wie das Krupp-Krankenhaus in Essen, unterliegt der staatlichen Aufsicht. Und da hat Beitz keinen Fehler begangen.

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