ThyssenKrupp Die Stunde der Wahrheit für den Stahlriesen

Wenn ThyssenKrupp am Donnerstag seine Quartalszahlen vorstellt, geht es um mehr als nur ein Dreimonatsergebnis. Damit der Konzern die Ziele für das laufende Geschäftsjahr erreichen kann, müssen die Zahlen nach einem mittelprächtigen ersten Halbjahr jetzt nach oben gehen.

Blick auf die Konzernzentrale von ThyssenKrupp in Essen Quelle: REUTERS

Quartalszahlen sind nicht jedermanns Sache – Kritiker monieren, die Dreimonatsberichte führten zu „Kurzsichtigkeit“ statt Langfristdenken. Bei den Zwischenresultaten, die ThyssenKrupp am Donnerstag vorlegen wird, liegt die Sache allerdings anders: An den Zahlen wird sich nicht bloß die Entwicklung im dritten Quartal ablesen lassen, sondern auch zeigen, ob Vorstandschef Heinrich Hiesinger und seine Mannschaft ihre Ziele für das komplette Geschäftsjahr erreichen können.

Dieses beginnt beim Stahl- und Technologiekonzern immer am 1. Oktober und endet am 30. September. Nach einem mittelprächtigen ersten Halbjahr von Oktober 2014 bis März 2015 müssen die Zahlen jetzt nach oben gehen. Sollten sie das nicht, stünden die Aussichten für 2014/15 nach Ablauf von drei Vierteln des Geschäftsjahres recht bescheiden. Die Essener müssen liefern, schließlich hat Hiesinger im Januar auf der Hauptversammlung eine Verbesserung auf breiter Front als Ziel ausgegeben.

Welche Kennzahlen ThyssenKrupp-Chef Hiesinger verbessern will

Anzeichen für negative Überraschungen gibt es bislang nicht. Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im Mai sagte Finanzvorstand Guido Kerkhoff: „Das dritte Quartal wird sich positiv entwickeln“ – eine Einschätzung, die ThyssenKrupp bislang ebensowenig revidiert hat wie die Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Die Aussichten hier hatte der Vorstand bei Vorlage der Halbjahreszahlen leicht angehoben, von 1,5 auf 1,6 - 1,7 Milliarden Euro.

Nachholbedarf beim Nettoergebnis

Grund für die Anhebung: Das bereinigte Ebit entwickelte sich schon im ersten Halbjahr prächtig, es stieg gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um satte 31 Prozent auf 722 Millionen Euro. Eine konkrete Prognose für das aussagekräftigere Nettoergebnis hat ThyssenKrupp allerdings nicht abgegeben. Und hier hat der Ruhrkonzern noch reichlich Nachholbedarf. Bei der Hauptversammlung im Januar sagte Hiesinger, er erwarte für 2014/15 einen „deutlich positiven Jahresüberschuss“. Im Vorjahr hatte dieser bei lediglich 210 Millionen Euro gelegen, eine Nettorendite von kargen 0,5 Prozent auf den Umsatz (41,3 Milliarden Euro). Doch im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres fiel der Nettogewinn sogar.

Nach 204 Millionen Euro im Vorjahreshalbjahr schafften die Essener in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres nur 98 Millionen Euro. Die Börsianer versprechen sich offenbar nicht allzu viel von den Zahlen morgen: Am Mittwoch fiel die Aktie von ThyssenKrupp auf 22,595 Euro (Stand: 13 Uhr) und war am Vormittag mit minus viereinhalb Prozent zweitgrößter Verlierer im Dax. Seit 1. Oktober 2014, dem Beginn des laufenden Geschäftsjahres, hat die Aktie 11,7 Prozent zugelegt, sie bleibt damit sechs Prozentpunkte hinter dem Dax zurück, der im gleichen Zeitraum um 17,7 Prozent gestiegen ist.

Ebenfalls ungelöst ist das Dauer-Problem von ThyssenKrupp mit dem Cashflow, also dem Saldo aus dem Zu- und Abfluss liquider Mittel. Seit mittlerweile mehr als acht Jahren gibt ThyssenKrupp mehr Geld aus, als das Unternehmen einnimmt. Im Geschäftsjahr 2005/06 konnte der Konzern im laufenden Geschäft, also ohne Einnahmen aus dem Verkauf von Unternehmensteilen (Desinvestitionen), letztmalig einen positiven Cashflow verbuchen. Im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres verbesserte sich ThyssenKrupp hier immerhin um 154 Millionen Euro, der Cashflow blieb aber mit -706 Millionen Euro immer noch deutlich negativ.

Gelingt die Trendwende beim Cashflow?

Wie der Cashflow im dritten Quartal ausfällt, ist einer der spannendsten Aspekte des anstehenden Zwischenberichts. Auch hier hat ThyssenKrupp Aufholbedarf – allerdings auch realistische Aussichten, eine Trendwende zu schaffen. Denn der Großteil des negativen Halbjahresresultats entfällt auf das erste Quartal. Das zweite Quartal isoliert brachte beim Cashflow eine Verbesserung zum Vorjahresquartal um rund 600 Millionen Euro, hier erreichte ThyssenKrupp mit nur noch -55 Millionen Euro schon fast die schwarze null.

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