ThyssenKrupp Die Unberührbaren von Essen

Ein entschlossenes Duo, bestehend aus Konzernchef Heinrich Hiesinger und Finanzchef Guido Kerkhoff, krempelt ThyssenKrupp nach fünf Milliarden Euro Verlust im Geschäftsjahr 2011/2012 jetzt um. Die alten Seilschaften sollen gekappt werden, das ist eher Wunschdenken.

Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzende der ThyssenKrupp AG, und Finanzvorstand Guido Kerkhoff Quelle: dapd

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger strahlt an diesem Morgen in die Kameras von ntv gerade so, als ob er nicht gerade vor der Bilanzpressekonferenz von ThyssenKrupp in Essen einen Verlust von 5 Milliarden Euro bekannt gegeben hat, sondern als ob er im Lotto gewonnen hätte: Der harte Schnitte, die Wertberichtigungen seien aufgrund von Fehlinvestitionen nötig gewesen, jetzt gelte es den Blick nach vorn zu richten: Im Unternehmen sollte man sich künftig „an die Fakten halten“ und das Wort „Fakten“ knallt Hiesinger wie einen Peitschenhieb ins Mikrophon. So ernst ist es ihm damit offenbar.

Aus der ThyssenKrupp-Bilanz 2011/2012

Vorher hatte Hiesinger vom Krankheitssymptom bei ThyssenKrupp gesprochen, dem Konzern, dem er erst zwei Jahre vorsteht: „Seilschaften“ seien es gewesen, die eine falsch verstandene Loyalität eingefordert hätten, ohne Ansehen der Fakten offenbar. Diese Seilschaften seien nun gekappt. Stimmt das wirklich? Kommen die Seilschaften nicht auch von ganz oben, der Stiftung? Es war typisch, dass am selben Tag ein Stiftungsvorstand zum neuen Aufsichtsratsmitglied benannt wurde, als Nachfolger von Peer Steinbrück, der ausscheidet, weil er Kanzlerkandidat geworden ist und sich im Wahlkampf verausgaben muss.

Unseliger Einfluss

In der Stiftung steckt der Wurm, sie ist mit 25,3 Prozent größter Aktionär von ThyssenKrupp und übt einen unseligen Einfluss auf den Konzern aus. Immerhin verzichtet sie auf Ausschüttung einer Dividende in diesem Jahr, das wirkt nur selbstverständlich angesichts eines Verlustes von 5 Milliarden Euro. Bisher hat die Stiftung stets eine Dividende eingefordert, auch wenn der Konzern in die roten Zahlen gerutscht ist.

Die Stiftung unter Führung von Berthold Beitz, 99, ist allein auf die Bewahrung des Krupp-Erbes ausgerichtet. Andere dynamische Impulse hegt sie nicht. Das Erbe wurde vom letzten Krupp, dem 1967 verstorbenen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, in die Stiftung eingegeben, die seitdem von Berthold Beitz, erst als Testamentsvollstrecker, dann als undefinierbarer Verwalter des letzten Willens von Alfried Krupp, mit harter Hand geleitet wird.

Außer Gerhard Cromme, dem früheren Krupp-Chef, dann Vollender der Fusion von Krupp und Thyssen und schließlich dessen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden, gehört kein Manager von Rang dem Kuratorium der Stiftung an. Einziges prominentes Mitglied des Gremiums ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die von Unternehmensführung keine Ahnung hat, aber sozusagen das politische Gewissen in der Stiftung vertritt. Die Stiftung soll Gutes tun für Nordrhein-Westfalen und sie soll das Krupp-Erbe zusammenhalten.

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