Thyssenkrupp in der Stahlkrise Hiesinger treibt den Konzernumbau voran

Schwache Stahlpreise bremsen Thyssenkrupp auf seinem Erholungskurs aus. Der Umsatz schmolz um 8 Prozent. Unter dem Strich verdiente der Konzern vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Blick auf die Konzernzentrale von Thyssenkrupp Quelle: dpa

Thyssenkrupp -Chef Heinrich Hiesinger will nach Gewinneinbußen durch die Stahlsparte den Umbau des Konzerns vorantreiben. "Die großen Schwankungen auf den Werkstoffmärkten zeigen, dass wir die Transformation zu einem starken Industriekonzern fortsetzen müssen", sagte der Manager am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende September).

Das schwächelnde Stahlgeschäft, aber auch Einbußen im Anlagenbau führten dazu, dass der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um zwölf Prozent auf 1,47 Milliarden Euro schrumpfte. Im neuen Jahr soll er auf 1,7 Milliarden Euro klettern. Hier hatten Analysten dem Konzern bislang mehr zugetraut. Das galt auch für die Dividende, die für das vergangene Jahr unverändert bei 15 Cent je Aktie liegen soll.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einer Ausschüttung von 18 Cent je Anteilsschein gerechnet und den operativen Gewinn im neuen Jahr auf fast 1,9 Milliarden Euro taxiert. Hiesinger bekräftigte, dass er auf Dauer sogar zwei Milliarden Euro anpeilt, nannte dafür aber erneut keinen Zeitraum.

Der 56-Jährige hatte Anfang 2011 das Ruder bei dem Traditionskonzern übernommen. Der ehemalige Siemens -Manager richtet Thyssenkrupp seitdem weniger auf das Stahlgeschäft aus, sondern auf die Technologiegeschäfte mit Aufzügen, Autoteilen, Anlagen oder U-Boote.

Welche Kennzahlen ThyssenKrupp-Chef Hiesinger verbessern will

"Wir wollen den Anteil der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte ausbauen und profitabel wachsen", kündigte Hiesinger nun an. Vor allem die Aufzugsparte konnte ihr operatives Ergebnis erneut steigern und stellt mit 860 Millionen Euro mehr als die Hälfte des gesamten Konzerngewinns. Der Anlagenbau musste ebenso Einbußen hinnehmen wie das europäische Stahlgeschäft. Der Gewinn von Steel Europe fiel um gut ein Drittel auf 315 Millionen Euro. Der Schwerindustrie um Weltmarktführer ArcelorMittal machen seit Jahren Billigimporte aus China, Preisdruck, Überkapazitäten und immer schärfere Klimaschutzauflagen zu schaffen. Thyssenkrupp lotet deswegen seit Monaten eine Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel aus - bislang ohne Ergebnis.

Unter dem Strich verdiente Thyssenkrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr nach Anteilen Dritter 296 Millionen Euro. Das waren 13 Millionen weniger als vor Jahresfrist. Analysten hatten auch hier mehr erwartet.

Alte Sünden, neue Probleme bei Thyssenkrupp

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