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ThyssenKrupp Cromme forscht bei Siemens

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Neuer Schwung für den Wirtschaftsstandort Deutschland

ThyssenKrupp Essen Quelle: dapd

Der Elektroingenieur und Softwarespezialist Reinhold Achatz ist ein Mann, der weit über Siemens hinaus seine forschungspolitischen Kreise zog. So war er in seinem Element, als er Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Philipp Rösler auf dem IT-Gipfel in München kürzlich Futuristisches vorführte, einen „intermodal“ reisenden Geschäftsmann, der wegen eines Verkehrsstaus vom Auto auf den Zug und einen Elektroroller umgeleitet und schließlich zu Fuß bis zum Ziel navigiert wird – alles via Smartphone. Solche und andere Ideen haben dem Forschungskoordinator von Siemens (das Wort „Forschungschef“ hört er nicht gern) den Ruf eines Querdenkers beschert.

Bündelung aller Forschungskräfte

Doch Achatz ist schon immer unternehmensübergreifender Forschungsmanager gewesen, der weit über Firmengrenzen hinausdenkt. Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) leitet er seit Mitte 2010 einen Arbeitskreis namens „Wertschöpfungsorientierte Innovationsstrategien“. In dem 15-köpfigen Projektteam sitzen Vertreter von Volkswagen, RWE, Bayer, EADS und BASF. Es heißt bei Brancheninsidern, der Zirkel wolle einen „grundlegenden Kurswechsel“ im mächtigsten Unternehmensverband herbeiführen – das könnte eine engere Zusammenarbeit deutscher Konzerne bei der Urbarmachung von Forschungsressourcen, bei der Definition von Forschungszielen und der gemeinsamen Realisierung derselben bedeuten – eine Bündelung aller Forschungskräfte für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Forschungsmuffel ThyssenKrupp

Doch die Aufgaben, die Achatz ab 1. April in der Konzernzentrale von ThyssenKrupp am Essener Kruppgürtel zunächst wahrnimmt, sind etwas bodenständiger. ThyssenKrupp ist ein Forschungsmuffel. Achatz muss den sehr bescheidenen Forschungs- und Entwicklungsanteil von ThyssenKrupp von derzeit einem Prozent vom Umsatz in die Höhe treiben, um ThyssenKrupp noch wettbewerbsfähiger – auf den Weltmärkten - zu machen. Bei Siemens beträgt der Anteil am Umsatz 5,3 Prozent. Da ist noch viel zu tun, und dafür braucht Achatz Geld – und genau an dieser Ressource fehlt es seinen neuem Chef, dem Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger. Einen Verlust in Höhe von 1,8 Milliarden Euro fuhr ThyssenKrupp im vergangenen Geschäftsjahr ein, und auch das erste Quartal verlief überaus verlustreich.

In Arbeit
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Tolle Perspektiven? Bei ThyssenKrupp geht schon der in diesen Tagen etwas missmutig klingende Satz um, der designierte Forschungsmann brauche ja „den Radreifen nicht noch einmal zu erfinden“. Drei Radreifen sind es, die - in sich verschlungen - das Krupp-Logo bilden. Der nahtlos geschmiedete Radreifen für das im 19. Jahrhundert aufkommende Eisenbahnwesen in Deutschland war es, der die 1811 entstandene Firma auf technologische und wirtschaftliche Höhen hob. Das Drei-Reifen-Zeichen steht allerdings mittlerweile auch für die verschlungenen Wege, die ThyssenKrupp derzeit sucht, um sein Überleben zu sichern.

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