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Thyssenkrupp Mit diesen Problemen hat der Stahl-Riese zu kämpfen

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Schweden machen Druck auf das Management

Der erst im Herbst 2015 eingesetzte neue Spartenchef Jens Michael Wegmann startete bereits ein Sanierungsprogramm. Doch das kann der frühere Siemens-Manager nicht zu Ende bringen. In der vergangenen Woche nahm er seinen Hut. Zuvor hatte er die Annahme eines Geschenks von einem Geschäftspartner eingeräumt. Thyssenkrupp ist nach zahlreichen Kartell- und Korruptionsfällen in der Vergangenheit ein gebranntes Kind. Deshalb galt der aktuelle Fall als Lackmus-Test für die ausgerufene Nulltoleranz-Politik des Vorstands.

Wenig Verständnis für derartige Schwierigkeiten dürfte unterdessen der schwedische Großaktionär Cevian haben, der seinen Anteil an dem Essener Konzern mittlerweile nach eigenen Angaben auf „knapp unter 20 Prozent“ aufgestockt hat. Damit ist der als unbequem geltende Investor, der gern aktiv in die Strategie bei seinen Beteiligungen eingreift, bereits nahe an die Krupp-Stiftung, den traditionsreichsten Hauptaktionär, herangerückt.

Die Stiftung gilt als Stabilitätsgarant bei Thyssenkrupp, Cevian steht für das Gegenteil. Und die Schweden machen mächtig Druck auf das Management, endlich auch nachhaltig bessere Ergebnisse zu erzielen. „Es ist für jeden klar, dass es noch ordentlich Mühe und Gestaltungswillen kosten wird, ehe das Unternehmen wirklich wettbewerbsfähig ist und erfolgreich dasteht“, sagte Cevian-Mitbegründer Lars Förberg im Sommer dem „Manager Magazin“. Immerhin bescheinigte er Hiesinger, „dass sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen“.

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt. Quelle: PR
Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden. Quelle: PR
Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010. Quelle: PR
Für die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen. Quelle: PR
ThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal. Quelle: PR
Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“. Quelle: PR
Großwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen. Quelle: PR

Seit seinem Amtsantritt im Januar 2011 hat der Thyssenkrupp-Chef den Konzern aus der tiefsten Krise seiner Geschichte geholt. Vor allem Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee noch vor seiner Amtszeit hatten zu milliardenschweren Verlusten geführt. Zwischenzeitlich stand das Unternehmen nahe am Abgrund. Davon hat es sich inzwischen auch dank harter Einsparungen und einer Kapitalerhöhung etwas entfernt.

Doch zuletzt wurden die Fortschritte kleiner. So hat der 56 Jahre alte Hiesinger bislang noch keinen Käufer für sein brasilianisches Krisenstahlwerk gefunden. Und auch die Eigenkapitalausstattung ist weiter dünn. Bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr hatte der Thyssenkrupp-Chef selbst eingeräumt, mit seinem Umbau noch längst nicht zu Ende zu sein. „Wir sind von unserem Mindestanspruch und unseren Zielen noch ein gutes Stück entfernt“, sagte der Manager damals. Ganz ähnlich dürfte seine Bilanz in diesem Jahr ausfallen.

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