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Thyssenkrupp Heinrich Hiesingers zweite Bewährungsprobe

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Stabilisation des Konzerns

Unbestritten im Konzern wie bei Anlegern sind Hiesingers Sanierungserfolge der vergangenen fünf Jahre. Als er im Herbst 2010 als Vize-Chef startete und bald darauf die Führung übernahm, stand die Existenz von ThyssenKrupp auf dem Spiel. Hauptgrund waren zwölf Milliarden Euro schwere Fehlinvestitionen in neue Stahlwerke in Brasilien und den USA. Hiesinger stabilisierte den Konzern, krempelte ihn um und verkaufte nach Umsatz rund 25 Prozent des Geschäfts. Mit dem konjunkturabhängigen Stahl, dem Ur- und Stammgeschäft, macht ThyssenKrupp heute weniger als 30 Prozent des Umsatzes. Das Materialgeschäft ist mit gut einem Drittel größter Umsatzbringer, Aufzüge, Industrielösungen und Komponenten kommen auf je rund 15 Prozent.

Trotz Hiesingers Aufräumarbeiten schlummern in der Bilanz noch Altlasten. Das Eigenkapital betrug zum Halbjahr nur 2,9 Milliarden Euro, eine gefährlich niedrige Quote von 7,5 Prozent. 2007/08 lag die Quote noch bei gut 27 Prozent. Siemens etwa schafft heute rund 30 Prozent. Die Nettoverschuldung, die von 6,5 Milliarden Euro Anfang 2011 im vorangegangenen Geschäftsjahr schon auf 3,5 Milliarden Euro gesunken war, stieg von Oktober 2014 bis März 2015 wieder auf 4,6 Milliarden Euro, auch wegen des weiterhin negativen Cash-Flows.

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    ThyssenKrupp in Zahlen

    Die Folge: Zwar gehören zu Hiesingers „strategischer Offensive“ auch Käufe, viel Geld hat er dafür aber nicht in der Kasse. Allenfalls kleinere Zukäufe wären möglich, für größere müssten die Essener sich zusätzlich verschulden, was die Eigenkapitalquote vollends in den Keller drücken würde.

    Auch im Tagesgeschäft hat Hiesinger noch nicht alle Baustellen abgearbeitet. Das Stahlwerk in den USA wurde 2014 verkauft; die Anlage in Brasilien hat die Verlustzone verlassen und schreibt operativ schwarze Zahlen. Gleichwohl verdient sie ihre Kapitalkosten nicht, ein Käufer wird weiter gesucht.

    Ebenso wenig ist Hiesinger alle Sorgen in der Edelstahlsparte los, die unter weltweiten Überkapazitäten leidet. Die deutsche Tochter VDM und die italienische AST glaubte Hiesinger schon an den finnischen Konzern Outokumpo losgeworden zu sein, musste beide aber wegen wettbewerbsrechtlicher Auflagen der EU-Kommission zurücknehmen. VDM konnte er im April an den Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel verkaufen, AST muss Hiesinger noch sanieren, um einen akzeptablen Preis zu erzielen.

    Industrie



    Kommt der ThyssenKrupp-Vormann bei seinen Zielen ohne Zeitangaben nicht einigermaßen zügig voran, dürfte der Druck des Finanzinvestors Cevian wachsen, der gut 15 Prozent der Aktien hält und dessen Vertreter Jens Tischendorf seit Januar im Aufsichtsrat sitzt. Die Schweden sind auch am angeschlagenen Baudienstleister Bilfinger beteiligt und verfechten dort wie anderswo die Strategie der Konzentration auf Kernbereiche.

    Ein finanzschwacher ThyssenKrupp-Konzern mit knappen Mitteln für Investitionen und Wachstum ist auf Dauer sicher nicht nach ihrem Geschmack. Die Finanzprofis aus Schweden, heißt es in ihrem Umfeld, würden nicht einmal vor einem Verkauf der traditionsreichen Stahlsparte zurückschrecken.

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