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Thyssenkrupp Stahlkocher kämpfen für Investitionen

 Beim größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp sollen 2000 Arbeitsplätze wegfallen, einzelne Werke stehen auf der Kippe. Quelle: dpa

Die Betriebsräte beim angeschlagenen Industriekonzern Thyssenkrupp beurteilen die vom Vorstand vorgelegte Strategie für das Stahlgeschäft skeptisch. Noch seien die wichtigsten Fragen nicht beantwortet.

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Monatelang brüteten die Stahl-Manager von Thyssenkrupp über ein neues Konzept für die Sparte. Herausgekommen ist ein Pamphlet, dick wie eine Bibel: 150 Folien legte der Vorstand den Arbeitnehmervertretern Anfang dieser Woche vor. Die sehen das Konzept skeptisch. „Es gibt Licht, aber auch ganz viel Schatten“, sagte Stahl-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tekin Nasikkol.

Die gute Botschaft sei, dass der Stahlvorstand endlich die Notwendigkeit hoher Investitionen in die Werke erkannt habe und die Produktionsmenge von 11,5 Millionen Jahrestonnen Stahl nicht kürzen wolle. Die schlechte Nachricht sei, dass das Geld für diese Investitionen noch nicht vom Konzern-Vorstand und Aufsichtsrat freigegeben sei.

Die neue Konzernchefin Martina Merz hatte angekündigt, die einzelnen Unternehmenssparten stünden künftig „miteinander im Wettbewerb um Investitionen“. Und schon gehe der Kampf ums Geld los. Der Stahl brauche zu viel Geld, beschwerten sich andere Konzernbereiche, sagte Nasikkol. Für den Betriebsratsvorsitzenden der Stahlsparte ist deshalb klar: „Wir können noch keine Entwarnung geben.“ Für die Stahlbeschäftigten gebe es noch keine langfristigen Sicherheiten. Beim größten deutschen Stahlhersteller sollen 2000 Arbeitsplätze wegfallen, einzelne Werke stehen auf der Kippe. Details zum Personalabbau seien aber dem Betriebsrat noch nicht bekannt.

Die Arbeitnehmervertreter werden das Konzept, das über die zukünftige Strategie für das Stahlgeschäft und über das Wohl und Wehe von tausenden Stahlkochern entscheidet, Seite für Seite kritisch unter die Lupe nehmen. Zeit haben sie dafür wohl mehrere Wochen. Denn erst im März nächsten Jahres soll final über das Stahl-Konzept entschieden werden, wenn auch klar ist, was genau mit der Aufzugssparte von Thyssenkrupp passieren wird. Die soll ganz oder teilweise an einen Konkurrenten oder an Finanzinvestoren verkauft werden. Auch ein Börsengang des Aufzugsgeschäfts ist noch nicht vom Tisch beim Vorstand in Essen. Das Geld aus Verkauf oder Börsengang soll zum großen Teil in das alte, neue Kerngeschäft, den Stahl, fließen.

Beim Stahlkonzept kritisierte Nasikkol die Konzentration auf den Automobilsektor als Stahlabnehmer. Es sei „ein Fehler“, wenngleich die Automobilbranche weiter wichtig für die Stahlsparte bleiben werde. Schon heute liefert Thyssenkrupp mehr als 50 Prozent seines Stahls an die Autoindustrie. Zukünftig müsse Thyssenkrupp schneller und besser auf die Transformation der Autobranche reagieren. Diese benötige für ihre Elektroautos andere Stahlqualitäten als bisher.

Widerstand der Beschäftigten kündigte der Betriebsratsvorsitzende gegen eine Schließung des Werks für Grobblech in Duisburg an. Thyssenkrupp prüft für die Anlage mit rund 800 Beschäftigten die Optionen Verkauf, Sanierung oder Stilllegung. Ein Verbleib im Konzern sei aber eher unrealistisch, heißt es in einer Information des Vorstands für die Mitarbeiter. Auch die Zukunft anderer Werke ist offen. „Wir sind in einer Abwärtsspirale“, hatte der Stahlvorstand in der Mitteilung betont.

Nach dem strategischen Zick-Zack-Kurs der vergangenen Jahre will sich Thyssenkrupp auf seine Wurzeln besinnen und das Stahlgeschäft zur Stütze des Konzerns umbauen. „Wir wollen über die kommenden Jahre hinweg unser durchschnittliches Ebit (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) um bis zu 600 Millionen Euro verbessern“, hieß es in dieser Woche in einem Brief an die Mitarbeiter von Thyssenkrupp Steel Europe. „Wir müssen die strukturellen Herausforderungen der Stahlbranche jetzt ohne den Partner Tata Steel angehen. Dafür brauchen wir tiefgreifende Maßnahmen“, sagte Konzernvorstand Oliver Burkhardt.

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