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Thyssenkrupp Tata Steel-Chef So tickt der Chef des neuen Stahlriesen

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Kostensenker Goss

Goss, gebürtig aus Regensburg in der Oberpfalz, Lehre bei Siemens, Betriebswirtschaftsstudium in seiner Heimatstadt und im britischen Birmingham, danach Karriere bei Siemens in den USA, Deutschland und in Großbritannien, ist seit 2014 Stahlchef bei Thyssenkrupp. Dort hat sich der zweifache Familienvater vor allem Manager mit Rotstift profiliert. Die Stahlsparte des Essener Industriekonzerns sanierte er mit einem Sparprogramm nach dem anderen. Er mutete seinen Stahlkochern Lohnverzicht und reduzierte Stunden zu. In den vergangenen Jahren hat er bei Thyssenkrupp im Stahl die Kosten um fast eine Milliarde Euro gesenkt. Und in den kommenden zwei Jahren sollen noch einmal 500 Millionen Euro gespart werden.

Kritik, die kann der Mann aushalten. Vor knallharten Entscheidungen scheut er auch dann nicht zurück, wenn ihn die Gewerkschaft IG-Metall schon mal auf Plakaten als Totengräber des traditionsreichen Stahlgeschäftes zeigt. Kosten senken, produktiver werden, wettbewerbsfähig bleiben, das ist auch künftig beim neuen Stahlriesen angesagt. Goss wird sich also weiter als Sanierer beweisen müssen – und das vor allem bei Tata. Denn während das Geschäft bei den deutschen Stahlkochern zuletzt sehr viel besser lief, war das Gegenteil bei Tata der Fall. Die von Ex-Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger so verschmähte Stahlsparte erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (30. September) einen operativen Gewinn von 687 Millionen Euro. Sie war damit nach der Aufzugssparte, die 866 Millionen Euro einfuhr, der zweitgrößte Gewinnbringer für den Essener Industriekonzern.

Bei Tata stehen die Problemhütten in Großbritannien. Das Tata-Stahlwerk in Port Talbot, das größte im Vereinigten Königreich, gilt als Sanierungsfall. Schon jetzt ist klar, dass Thyssen und Tata in ihren eigenen Reihen jeweils bis zu 2000 Jobs streichen werden. In Deutschland ist Goss immer mit den Gewerkschaften einig geworden. Aber wie wird das in UK sein, wenn der Deutsche kommt und Stellen streichen will? Der indische Tatakonzern hat sich bisher bei Stellenstreichungen in Großbritannien eher zurückgehalten. Die Stahlkocher dort kämpfen um ihre Jobs wie um ihr Leben. Schwierig wird das auf der Insel zusätzlich, weil noch nicht klar ist, welche Folgen der Austritt von Großbritannien aus der EU noch bringen wird. Protestierende Stahlkocher wird die britische Premierministerin Theresa May um alles in der Welt vermeiden wollen. Immerhin hat der deutsche Top-Manager Goss viele Jahre auf der Insel gelebt. Er soll dort noch immer gut vernetzt sein und die Mentalität der Engländer nicht nur kennen, sondern auch schätzen. Das sollte ihm helfen.

Aber es geht nicht nur um den richtigen Dialog mit den Gewerkschaften und um knallharte Sparprogramme. Goss wird in seiner neuen Spitzenposition auch als Stratege gefragt sein. Denn klar ist, Thyssenkrupp Tata Steel braucht einen neuen Plan. Wie also wird Goss den neuen Stahlriesen künftig aufstellen? Welche Stahlprodukte werden wann und wo zu welchen Mengen in welchen Werken produziert? Goss hat immer wieder betont, wie gut die Stahlgeschäfte beider Unternehmen zusammenpassten. „Wir sind in unterschiedlichen, sich ergänzenden Produktbereichen stark“, so Goss. Doch ganz so einfach wird es nicht sein. Klar ist, dass die EU-Wettbewerbsbehörden der Fusion nicht ohne Auflagen zustimmen werden. Die EU-Kommission hat eine vertiefte Untersuchung eingeleitet, zusätzliche Unterlagen von Thyssenkrupp erbeten.

Insbesondere bei Stahlzulieferungen an die Automobilindustrie könne es mit der Stahlfusion zu weniger Wettbewerb in diesem Markt kommen, ähnliches droht auch beim Verpackungsstahl und anderen speziellen technischen Produkten. Je nachdem wie einschneidend die Auflagen sind, wird Goss Teilbereiche verkaufen müssen.

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