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Thyssenkrupp Erfolg mit Hindernissen

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Tausende wollen gegen Hiesingers Pläne demonstrieren

Hörbar werden die Probleme der geplanten Fusion voraussichtlich diesen Freitag in Bochum. Tausende Stahlkocher wollen dort gegen Hiesingers Pläne demonstrieren. Die Befürchtungen der Arbeitnehmer scheinen sich in der Grundsatzvereinbarung der Konzerne zu bestätigen: Der Wegfall von insgesamt 4000 Arbeitsplätzen, die Hälfte davon bei Thyssenkrupp, ist eine Kampfansage an die ohnehin streitbaren Stahlkocher.

Dieter Lieske, Chef der IG Metall Duisburg-Dinslaken, stellt sich nach wie vor gegen die Fusion: „Wie soll sich unsere Haltung ändern, wenn wir keine Fakten präsentiert bekommen. Herr Hiesinger soll sich endlich über die Sicherheit der Standorte und Mitarbeiter äußern“, sagte Lieske gegenüber der WirtschaftsWoche. Zudem betonte Lieske, dass die Fusion noch keineswegs ausgemacht sei. „Bisher gibt es nur eine Absichtserklärung, aber keine Zustimmung der Gremien.“

Angewiesen ist Hiesinger auf die Zustimmung der Arbeiterseitnehmerseite nicht. So könnte Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner von seinem Doppelstimmrecht Gebrauch machen. Doch das wäre ein einmaliger Bruch in der Unternehmenskultur. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), der in seiner Zeit als Wirtschaftsminister stets Nähe zu den Stahlkochern demonstrierte, mahnte zu einer Einbindung der Arbeitnehmerseite: „Gegen die Arbeitnehmer ist keine Lösung denkbar.“ Lieske bezeichnet eine mögliche Überstimmung durch den Aufsichtsratsboss als „Kampfansage“.

Unklar ist auch, wie die beiden Stahlriesen die angepeilten Synergien von bis zu 600 Millionen Euro pro Jahr konkret verwirklichen wollen. Analyst Chrisian Obst von der Baader Bank zeigte sich schon vor der Verlautbarung der Grundsatzvereinbarung skeptisch: „Die Synergien müssen erst herausgearbeitet werden. Vor 2021 wird eine Fusion sicher nicht gelingen.“ Zudem müssen auch die Wettbewerbshüter der Fusion erst zustimmen.

Denn mit dem Zusammenschluss entstünde nach ArcelorMittal das zweitgrößte Stahlunternehmen Europas. Commerzbank-Analyst Ingo Schachel sieht diese Hürde jedoch als überwindbar an: „ArcelorMittal produziert doppelt so viel Stahl wie Thyssen und Tata zusammen. Insofern sehe ich keinen Grund, warum die Kartellbehörden den Zusammenschluss untersagen würden.“

Ob Hiesinger sich am Erfolg der Grundsatzvereinbarung lange weiden kann, wird sich schon an diesem Samstag zeigen, wenn der Konzernaufsichtsrat von Thyssenkrupp tagt. Für Hiesinger und die Stahlkocher von Thyssenkrupp steht weiter alles auf dem Spiel.

Thyssenkrupp

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