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Thyssenkrupp und Bilfinger Wie sich Cevian in Deutschland verpokert hat

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Rechtlich problematische Rolle

Während aktivistische Investoren in den USA weit verbreitet sind, ist Cevian in Europa Pionier. „Das ist ein Lackmustest“, sagt ein Banker. Dabei kann Cevians Rolle juristisch problematisch werden. „Vertreter von Investoren im Aufsichtsrat müssen im Interesse des Unternehmens handeln, sonst drohen Haftungsrisiken“, sagt Thomas Meurer von der Kanzlei Hengeler Mueller in Düsseldorf. Das Interesse des Unternehmens besteht nicht nur in der Wertsteigerung, Belange von Arbeitnehmern und Kunden zählen ebenso dazu. Zudem müssen sich Aufsichtsräte an Verschwiegenheitspflichten und Insiderregeln halten. In diesem engen Korsett muss Cevian in Deutschland die Wende schaffen.

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt. Quelle: PR
Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden. Quelle: PR
Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010. Quelle: PR
Für die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen. Quelle: PR
ThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal. Quelle: PR
Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“. Quelle: PR
Großwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen. Quelle: PR

International dagegen löst Cevian sein Versprechen ein. Investoren durften sich 2015 über die Nachricht freuen, dass das Gesamtportfolio seit 2006 eine Rendite von 160 Prozent erreicht hat. Gut fuhr Cevian mit seiner Zerschlagungsstrategie etwa bei dem britischen Mischkonzern Cookson, der sich nach dem Einstieg von Cevian ab 2011 in die zwei Teile Vesuvius und Alent aufspaltete. Lag der Aktienkurs vor der Aufspaltung bei 300 Pence, hat sich Alent mit rund 500 Pence stark verbessert. Cevian hat sein Alent-Paket von knapp 22 Prozent an Platform Specialty aus den USA veräußert und für sein Investment eine Prämie von 30 bis 40 Prozent eingestrichen. An Vesuvius hält Cevian weiter rund 20 Prozent.

Erstaunlich langer Atem

Auch bei weiteren britischen Beteiligungen wie dem Versicherer Old Mutual und dem Baumaterialhersteller Wolesley gelang Cevian die angestrebte Verdopplung des Investments. Beim angeschlagenen Versicherer RSA stieg Cevian 2014 ein und ist mit rund 13 Prozent größter Einzelaktionär. Nach einer Kapitalerhöhung, strengem Sparkurs und Verkäufen hat RSA 2015 wieder Gewinne erwirtschaftet.

Daimler im Energiegeschäft

Mit etwas Glück hätte RSA sich wie Demag Cranes als Goldgrube für Cevian erweisen können: Im Herbst 2015 erwog der Schweizer Versicherer Zurich eine Übernahme. Hohe eigene Verluste im Chinageschäft veranlassten die Zurich schließlich zum Rückzug – Pech für den schwedischen Investor.

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    In Deutschland ist es weniger solches Pech als eigenes Unvermögen, das Cevian derzeit Unannehmlichkeiten bereitet. Die Beispiele aus dem Ausland zeigen aber auch, dass Cevian mitunter erstaunlich langen Atem hat. So sind die Schweden 2005 beim finnischen Maschinenbauer Metso eingestiegen. Neun Jahre passierte wenig, dann spaltete der Konzern die Sparte Papiertechnologie ab – ganz, wie Cevian es von Beginn an gefordert hatte. Eine Marathon-Leistung, die man besonders bei Thyssenkrupp in Essen im Sinn behalten sollte.

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