WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Thyssenkrupp Heinrich Hiesingers zweite Bewährungsprobe

Seite 2/3

Unkalkulierbare Einnahmen

Um die Gewinne zu verbessern, hat Hiesinger ein 60-köpfiges Innovationsteam aufgestellt, das ihm direkt berichtet und über die Geschäftsbereiche hinweg die Entwicklungsarbeit verzahnen soll. Stolz verweist er auf zwei große Würfe, die mit Beteiligung des neuen Teams bereits gelungen seien: InCarPlus, ein Paket aus 40 Komponenten wie Motor- oder Karosserieteile für die Automobilindustrie, sowie ein Aufzugsystem ohne Seile.

Beide wurden von Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen gemeinsam entwickelt – in dem lange von Animositäten zwischen den Sparten geprägten Konzern ein Fortschritt. Für Hiesinger sind dies „erfolgreiche Beispiele“ für die Kraft eines „diversifizierten und integrierten Konzerns“, den er als solchen zusammenhalten will.

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt. Quelle: PR
Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden. Quelle: PR
Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010. Quelle: PR
Für die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen. Quelle: PR
ThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal. Quelle: PR
Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“. Quelle: PR
Großwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen. Quelle: PR

Doch wann ThyssenKrupp damit Geld verdient, ist nicht absehbar. Zwar schwärmt Ingenieur Hiesinger über die 40 neuen Autoteile – von Motorhauben und Seitenwänden über Dachteile und Achsträger –, sie seien leichter, günstiger und doch leistungsfähiger als die Vorgängermodelle.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In der Autobranche werden die Teile mit Interesse, jedoch weit weniger Euphorie aufgenommen. Ulrich Hackenberg, Technikvorstand bei Audi und verantwortlich für die Entwicklungssteuerung im VW-Konzern, bezeichnet InCarPlus als „sinnvoll“. Einige der Neuerungen seien allerdings „zeitintensiv“. Denn in den überarbeiteten Komponenten nutzt ThyssenKrupp auch neue Stahlsorten – auf solche stellen die Autobauer aber erst nach aufwendigen Tests um. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann äußert sich ähnlich: „InCarPlus ist High Tech“, sagt er, „da sind interessante Teile dabei, die wir sehr genau anschauen werden.“ Ein Pluspunkt für Hiesinger: Die Teile sind fertig entwickelt und werden den Autokonzernen gerade präsentiert.

    Aktien-Info ThyssenKrupp

    So weit sind die Essener mit dem Aufzug ohne Seil noch lange nicht. Das neuartige Gefährt mit Namen Multi bewegt sich mithilfe von Magnetfeldern. Vorbild ist die Magnetschwebebahn Transrapid, die ThyssenKrupp einst mit Siemens entwickelt hat. Weil mit der Magnetschwebetechnik mehrere Kabinen unabhängig voneinander in einem Schacht fahren können, werden weniger Schächte benötigt, Hochhausarchitekten sparen Platz. ThyssenKrupp testet den Multi ab 2016 unter realen Bedingungen: Dann wird der 246 Meter hohe Testturm in Betrieb gehen, den der Konzern im baden-württembergischen Rottweil baut.

    Immens anspruchsvolle Technik

    Bei Konkurrenten wie Otis, Schindler oder Kone herrscht Gelassenheit. „Wir sind neugierig, aber skeptisch“, sagt ein Aufzugsmanager. „Die Technik ist immens anspruchsvoll“, meint der Vertreter eines anderen Herstellers. In Europa sehe er dafür keinen Markt, höchstens in Fernost. Marktführer Otis habe ein ähnliches Projekt verfolgt, sagt ein Branchenkenner, davon aber Abstand genommen, weil man an der Wirtschaftlichkeit zweifelte. Die ThyssenKrupp-Ingenieure glauben daran, dass ihnen der Trend zu immer höheren Hochhäusern in die Hände spielt.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%