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Thyssenkrupp wird aufgespalten Das Undenkbare soll passieren

Thyssenkrupp-Hauptquartier in Essen Quelle: imago images

Seit Monaten drängen Aktionäre auf eine Zerschlagung von Thyssenkrupp. Jetzt will sich das Unternehmen in zwei börsennotierte Unternehmen aufteilen. In das eine kommt die Zukunft, in das andere die Vergangenheit.

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Vor fast vier Monaten warf Heinrich Hiesinger bei Thyssenkrupp die Brocken hin und gab seinen Chefposten bei dem Essener Industriekonzern auf. Als keine zwei Wochen später auch noch sein Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Lehner entnervt aufgab, war das Chaos in dem Dax-Konzern perfekt. Ohne Chef, ohne Aufsichtsratsvorsitzenden, tief zerstritten mit den wichtigsten Aktionären Cevian und einem Vertrauensschock gegenüber dem Anker-Aktionär, der Krupp-Stiftung, – so desolat war die Lage bei dem Traditionskonzern aus dem Ruhrgebiet schon lange nicht mehr. Monatelang hatten Investoren wie Cevian und Elliott auf einen tiefgreifenden Umbau des Konzerns gedrängt. Hiesinger habe alle seine Ziele für den Konzern verfehlt, kritisierten sie. Wirtschaftlich könnte der Konzern viel besser dastehen, wenn der Vorstand endlich zu einer Neuausrichtung des Unternehmens bereit wäre, Teile abspalte, an die Börse brächte oder verkaufte.

Investor Cevian begrüßt die Aufspaltung

Jetzt haben die Investoren erreicht, was sie wollten. Das bisher Undenkbare soll geschehen: Der Essener Traditionskonzern soll in zwei Teile aufgespalten werden. Der Plan muss noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Aber Cevian signalisierte schon sein okay: „Cevian Capital unterstützt die Entscheidung von Thyssenkrupp voll und ganz, den Konzern in zwei unabhängige Unternehmen aufzuteilen.“ Das werde die Komplexität reduzieren und den Geschäften ermöglichen, durch mehr unternehmerische Freiheit und Flexibilität ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Die Entscheidung sei ein wichtiger Schritt, um der langjährigen Underperformance entgegenzuwirken, ließ Cevian unmittelbar wissen.

Auch von den Arbeitnehmervertretern von Thyssenkrupp kam Rückendeckung für Interims-Chef Guido Kerkhoff. „Die Arbeitnehmervertreter stehen hinter den Plänen des Vorstands“, sagte IG-Metall-Sekretär Markus Grolms, der den Aufsichtsrat des Unternehmens stellvertretend leitet. Aber er fügte gleich schon warnend hinzu: „Einen Ausverkauf von Geschäften wird es nicht geben.“

Dieser Warnhinweis ist durchaus berechtigt. Denn kommt die Aufspaltung so wie jetzt geplant, dann wird es ganz klar zwei Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp geben, die beide sehr unterschiedliche Wachstums- und Zukunftschancen haben.

Das erste neue börsennotierte Unternehmen soll Thyssenkrupp Industrials heißen. In diesem Geschäft spaltet der Konzern das Geschäft mit Aufzügen, Autoteilen und den Kernanlagenbau ab. Nach den derzeitigen Zahlen ein Geschäft mit 16 Milliarden Euro Umsatz und 90.000 Mitarbeitern. Die Aufzüge gelten als die Perle des Unternehmens, das Geschäft mit Automobiltechnik als Zukunftsgeschäft mit großem Wachstums- und Ertragspotenzial.

Das zweite Unternehmen, Thyssenkrupp Materials, käme mit 40.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 18 Milliarden Euro. Hier wäre der 50-Prozent-Anteil an dem neuen Stahl-Jointventure Thyssenkrupp Tata Steel drin, das Marinegeschäft und der Wertstoffhandel. Welches Wachstumspotenzial diese Geschäfte haben, ist nicht so klar. Auch gemeinsam mit dem indischen Stahlkonglomerat wird das Stahlgeschäft schwierig bleiben. Wie es mit dem schwierigen Marinegeschäft weitergeht, ist ebenso unklar wie die Zukunft des Wertstoffhandels.

Eine gemeinsame Holding beider Unternehmen soll es nicht geben. Beide sollen eigenständig wirtschaften, und also auch eigene Vorstände haben. Die Hauptversammlung soll in zwölf bis 18 Monaten dem Plan zustimmen.

Genaue Finanzierung beider Unternehmen noch unklar

Wie aber genau die Teilung aussehen soll, das müsse noch ausgearbeitet werden. Also wie sieht genau die Transaktionsstruktur und die Finanzierung der beiden Unternehmen aus. Und wer soll die beiden Gesellschaften führen? Vorstandschef Kerkhoff sagte, er sei bereit, länger Vorstand zu bleiben. Von welcher der beiden zukünftigen Gesellschaften sagte er nicht.

An der Börse kamen die Pläne des Managements gut an. Die Thyssenkrupp-Aktie legte um rund zehn Prozent auf 22,06 Euro zu. "Die Anleger spielen jetzt die Zerschlagung durch. Schließlich sitzen bei Thyssen viele aktivistische Aktionäre mit am Tisch, die das schon lange fordern", sagte ein Händler.

Ein Aktionär hat die Zerschlagung auch schon durchgespielt. Aus Kreisen der Krupp-Stiftung hieß es, man sehe die Pläne des Thyssenkrupp-Vorstands positiv. Die Krupp-Stiftung würde an beiden Unternehmen 21 Prozent der Anteile halten.

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