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Thyssenkrupps gescheiterte Stahlfusion „Drei Jahre Stahlfusion sind verlorene Jahre“

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„Der Umbau von Thyssenkrupp ist leider unvermeidbar“

Kerkhoff hatte bereits am Freitag deutlich gemacht, dass er den Aufsichtsrat, in dem die Krupp-Stiftung und der schwedische Investor Cevian die größten Aktienpakete vertreten, auf seiner Seite sieht. Cevian-Co-Chef Lars Förberg forderte, es sei eine fundamentale Neuausrichtung notwendig.

Die Arbeitnehmervertreter stärkten Kerkhoff am Wochenende ebenfalls den Rücken. „Der Umbau von Thyssenkrupp ist leider unvermeidbar“, betonte Grolms. „Mit der Grundlagenvereinbarung sind jetzt aber Mindeststandards für den fairen Umgang mit den Beschäftigten festgelegt.“ Beim möglichen Börsengang der Aufzugssparte habe sich Thyssenkrupp verpflichtet, eine in Deutschland gelistete Aktiengesellschaft zu gründen. Im Geschäft mit Autoteilen werde eine Führungsgesellschaft mit einem Aufsichtsrat gebildet. Damit sei die Mitbestimmung in allen Bereichen abgesichert. „Wenn in Zukunft Unternehmen verkauft oder verselbständigt werden sollen, muss in jedem Fall zunächst eine Fair-Owner Vereinbarung mit der IG Metall getroffen werden.“

In die Diskussionen um die Zukunft des Traditionskonzerns mit rund 160.000 Beschäftigten schaltete sich auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ein. Er pocht darauf, dass beim Umbau von Thyssenkrupp erzielte Einnahmen in den Konzern fließen. „Erlöse eines Börsengangs oder aus möglichen Veräußerungen müssen in die Zukunftsfähigkeit von Thyssenkrupp insgesamt investiert werden, damit der überwiegende Teil der Arbeitsplätze gesichert werden kann“, sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen mit Kerkhoff und Grolms in Essen.

Thyssen hatte Freitag die Notbremse gezogen, legte sowohl die bei der EU-Kommission auf Widerstand gestoßenen Pläne für ein Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel zu den Akten als auch die von ihm vorangetriebene Konzernaufspaltung. Stattdessen will Kerkhoff andere Schritte einleiten.

Die Reaktion an der Börse war zum Wochenende eindeutig: Anleger von ThyssenKrupp feierten die Abkehr des Managements von den bisherigen Aufspaltungsplänen. Die Aktien schossen um 28,2 Prozent nach oben und verzeichneten ihren größten Tagesgewinn. Vor allem der mögliche Börsengang der lukrativen Aufzugssparte weckte die Fantasie der Anleger. „Hier werden mit der Transrapid-Schwebetechnik vertikal und auch horizontal fahrende Aufzüge auf Weltklasseniveau gebaut. Das findet die Börse spannend“, sagte Stanzl. Zudem mussten Händlern zufolge sich einige Investoren, die auf fallende Aktienkurse gesetzt hatten, mit den Titeln eindecken.

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