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Tipps gegen Plastikmüll So kann die Plastikflut gestoppt werden

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Warum kompostierbares Bio-Plastik keine gute Idee ist

6. Finger weg von Bioplastik

Kompostierbares Plastik? Klingt nach einer guten Idee. Statt die Umwelt zu verschmutzen, zersetzt sich Bioplastik einfach.

Das Problem ist nur: Bei diesem Versprechen handelt es sich um eine Werbelüge. „Viele denken, man könnte Bioplastik eben auch einfach in die Umwelt werfen, oder auf den eigenen Komposthaufen. Aber das Gegenteil ist der Fall“, sagt Verbraucherschützerin Salzmann. „Das ist Irreführung der Verbraucher.“

Eine DIN-Norm legt fest, wann ein Kunststoff als kompostierbar gilt: wenn er sich nach zwölf Wochen zu mindestens 90 Prozent aufgelöst hat. Die meisten deutschen Kompostieranlagen haben jedoch gar nicht erst so lange Rottezeiten. Nach acht Wochen wird das Kompostmaterial bereits ausgetauscht.

Das stürzt die Kompostieranlagen in ein Dilemma. Äußerlich lassen sich Tüten aus zersetzbaren und regulären Kunststoffen nicht unterscheiden. Deshalb müssen sie die Tüten aussortieren. Kompostmüllbeutel aus Biokunststoffen sind für sie eine schiere Plage.
Auch im gelben Sack sorgt Bioplastik nur für Probleme: Weil er sich im Gegensatz zu normalen Kunststoffen schneller zersetzt, kann Bioplastik die Qualität von Granulaten beeinträchtigen.
Tatsächlich gibt es heute nur einen Weg, Bioplastik zu entsorgen: die Restmülltonne.

7. Auf den Einsatz von Recyclaten achten

Stattdessen ergibt es mehr Sinn, den Plastikkreislauf selbst zu stärken. Bis heute haben Recycler das Problem, dass wenige Verpackungshersteller ihre Granulate verwenden wollen. Sie fürchten, dass durch die Altkunststoff-Granulate die Qualität ihrer Verpackung leidet. Oder aber, dass das Material gar nicht in der benötigten Menge zur Verfügung stehe, um davon massenhaft Verpackungen herzustellen. Und je nachdem wie der Ölpreis steht, ist neues Plastik sogar kostengünstiger als die Granulate aus Altkunststoffen.

Deshalb landen Altkunststoffe heute selten wieder im Regal. Sie werden vor allem von der Baubranche oder von Autoherstellern eingesetzt.

Nur wenige Marken produzieren ihre Verpackungen zum Großteil aus Recyclaten. Wenn, werben sie offensiv damit. Die Marke Frosch zum Beispiel verkauft Spül- und Waschmittel in Flaschen, die zum Großteil aus Recyclaten bestehen.

Doch es könne eigentlich nicht sein, dass sich Verbraucher bei einer Kaufentscheidung nun auch noch mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen, sagt Verbraucherschützerin Salzmann. „Die Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass eine Verpackung möglichst umweltfreundlich ist“, so Salzmann. „Da sind die Hersteller und die Gesetzgeber gefordert. Um eine Trendwende in die Wege zu leiten, bräuchte es ganz andere rechtliche Rahmenbedingungen.“

Die Probleme entstehen, schon lange bevor die Verpackungen überhaupt im Regal stehen, sagt Wissenschaftler Wilts. Hersteller achten auf viele Faktoren, wenn sie über die richtige Verpackung entscheiden: auf die Haltbarkeit und den Schutz ihrer Waren, auf den Werbeeffekt, auf eine möglichst einfache Handhabung und auf die Kosten. Doch nur selten achten sie darauf, ob die von ihnen eingesetzten Materialien einfach zu verwerten sind.

Wilts fordert deshalb: „Schon beim Design der Verpackungen müssten sich Unternehmer mehr Gedanken darum machen, wie gut diese recycelbar sind.“ Dadurch, sagt er, ließe sich der Kreis vielleicht tatsächlich schließen.

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