Übernahme-Poker mit GE Siemens erleidet Rückschlag im Kampf um Alstom

Siemens' US-Rivale General Electric hat ein hohes Gebot für die Energietechnik-Sparte von Alstom abgegeben: mehr als 12 Milliarden Euro will GE zahlen. Ist das schon die Entscheidung im Übernahme-Poker?

Was alles einmal zu Siemens gehörte
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Kaffee tropft aus einem Kaffee-Vollautomaten in eine Tasse Quelle: dapd
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Stopp-Schild vor einem Gebäude mit dem Benq-Logo Quelle: AP
Schild Nokia Siemens Networks Quelle: dpa
Infineon-Fabrik Quelle: REUTERS

Bei dem Übernahmepoker um Alstom zeichnet sich eine Niederlage für Siemens ab: Der französische Industriekonzern hat vom US-Konkurrenten General Electric (GE) ein Übernahmeangebot über 12,35 Milliarden Euro für seine Energietechniksparte erhalten. Die Bahntechnik-Sparte wäre davon nicht betroffen. Das Angebot werde bis Ende Mai von unabhängigen Mitgliedern des Verwaltungsrates geprüft, hieß es vonseiten Alstoms am Mittwochmorgen. Allerdings empfahl der Alstom-Verwaltungsrat den Aktionären bereits die GE-Offerte.

Die strategischen und industriellen Vorzüge des GE-Angebotes seien vom Verwaltungsrat einstimmig anerkannt worden, teilte Alstom mit. Vorstandschef Patrick Kron kommentierte: „Die Kombination der sich in hohem Maße ergänzenden Energie-Geschäfte von Alstom und GE würde eine wettbewerbsfähigere Einheit schaffen, die Kundenbedürfnisse besser bedienen kann.“

Das Tauziehen um Alstom

Zuvor hatte es bereits Insider-Berichte gegeben, dass Alstom das Kaufangebot von General Electric für seine Energiesparte akzeptiert habe. Die französische Tageszeitung "Le Figaro" berichtete etwa, dass es ein einstimmiges Votum für das GE-Angebot gegeben habe. Das Blatt bezifferte den Kaufpreis für Alstoms Energietechniksparte deutlich niedriger auf etwa zehn Milliarden Euro. Auch das "Wall Street Journal" berichtete über die Zuneigung Alstoms zur GE-Offerte. Das Blatt beziffert das Angebot von General Electric noch geringer auf etwa 8,7 Milliarden Euro.

Der deutsche Rivale Siemens soll noch die Gelegenheit bekommen, ebenfalls ein konkretes Angebot abzugeben, teilte Alstom am Mittwochmorgen in Paris nach einer Sitzung des Verwaltungsrates mit lediglich drei Sätzen am Rande mit. Siemens werde einen fairen Zugang zu Informationen bekommen, hieß es. Siemens bewertete die Energietechniksparte zuletzt mit 10,5 bis 11 Milliarden Euro. Der Elektrokonzern will sich zu dem Übernahmeangebot des US-Rivalen bislang nicht äußern, verlautete am Mittwoch von dem Unternehmen in München.

Ist Siemens' Angebot zu kompliziert?

Um noch zum Schuss zu kommen, muss Siemens wohl jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Denn das Angebot des deutschen Konzerns, seine komplette Transportsparte inklusive des ICE- und Metro-Baus an Alstom abzugeben, um im Gegenzug die Energiesparte kaufen zu können, ist den Franzosen laut „Figaro“ "zu kompliziert". Vor allem, weil es zu viele Überschneidungen in den Produktpaletten der Konzerne gibt. Siemens hatte am Dienstag ein eigenes Übernahmeangebot angekündigt, dies aber an die Bedingung geknüpft, vier Wochen lang Zugang zu Daten des französischen Unternehmens zu bekommen. Zudem müssten Managementinterviews geführt werden können, hieß es.

Die Finanzmarktaufsicht AMF hatte verlangt, dass sich Alstom am Mittwoch offiziell zum Übernahmepoker äußert. Die Pariser Börsenaufsicht hatte Alstom öffentlich aufgefordert, alle Optionen "in objektiver und professioneller Weise und auf der Basis klarer Kriterien" zu prüfen. Paris hatte die Behörde eingeschaltet, um eine Chancengleichheit der Angebote von Siemens und GE zu gewährleisten. Die Alstom-Aktie konnte am Mittwoch wieder gehandelt werden. Am 25. April waren die Aktien vom Handel ausgesetzt worden, nachdem sie nach Bekanntwerden erster Gerüchte über eine GE-Übernahme einen Kurssprung hingelegt hatten. Der Kurs der Alstom-Papiere legte am Vormittag um mehr als neun Prozent zu.

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