Übernahmehunger Fresenius schlägt wieder zu

Der geplante Zusammenschluss der Klinikketten Fresenius und Rhön-Klinikum dürfte auf der Hauptversammlung des Medizinkonzerns Fresenius für reichlich Diskussionsstoff sorgen.

Ein Schatten fällt auf eine Wand mit dem Logo des Gesundheitskonzerns Fresenius Quelle: dpa

Fresenius gilt als der unauffälligste deutsche Dax-Konzern. Der Medizinkonzern aus Bad Homburg investiert in Dialysekliniken, Infusionslösungen und Krankenhäuser – alles nicht besonders aufregend, aber sehr rentabel.

So schloss Fresenius das Jahr 2011 ab

Nur durch größere Zukäufe fällt das übernahmehungrige Unternehmen ab und an auf. Für den amerikanischen Generika-Hersteller APP zahlte Fresenius vor vier Jahren 4,6 Milliarden Dollar. Jetzt hat Fresenius-Chef Ulf Schneider einen weiteren Coup angekündigt: Er will seinen hauseigenen Krankenhaus-Betreiber Helios mit dem Konkurrenten Rhön-Klinikum, einer weiteren privaten Klinikkette, zusammenführen.

Dadurch würde ein riesiger Krankenhausverbund mit einem Umsatz von sechs Milliarden Euro entstehen. Das finanzielle Angebot von Fresenius liegt bei 3,1 Milliarden Euro – über das Für und Wider werden die Aktionäre auf der Hauptversammlung diskutieren.

Die Rhön-Klinikum AG

 „Es ist nicht auszuschließen, dass sich da eine Gruppe formiert, die den Deal blockieren will“, sagt Commerzbank-Analyst Volker Braun der Nachrichtenagentur Reuters. Stefan Mühlbauer von Silvia Quandt Research meint hingegen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Übernahme funktioniert, liegt meiner Einschätzung nach bei 80 bis 90 Prozent.“ 

Fürchten muss Fresenius unter anderem, dass einige Kleinaktionäre auf die Briefe ihrer Bank nicht reagieren und es sozusagen verschlafen, ihre Aktien anzudienen. Finanzkreisen zufolge halten Privatanleger 15 Prozent an Rhön-Klinikum. Auch Index-Fonds, die den MDax abbilden und rund drei Prozent an Rhön halten, dürften auf die Offerte nicht reagieren, so lange der Klinikbetreiber in dem Nebenwerteindex notiert ist.

Spiel mit vielen Unbekannten

Der zweitgrößte Rhön-Aktionär, der schwedische Pensionsfonds Alecta, hält sich ebenfalls bedeckt. „Wir prüfen das Angebot und können derzeit noch nicht sagen, was wir tun werden“, sagte ein Sprecher des Fonds, der knapp zehn Prozent an Rhön hält. Das macht die Übernahme für Fresenius-Chef Schneider zu einem Spiel mit vielen Unbekannten.

Die meisten Beteiligten gehen davon aus, dass er nur dann genügend Rhön-Papiere einsammeln kann, wenn der Vorstand des fränkischen Konzerns den Aktionären ausdrücklich empfiehlt, die Offerte anzunehmen. „Ohne die Unterstützung des Rhön-Managements sind die 90 Prozent nicht zu schaffen“, sagt ein Beteiligter.

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