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Übernahmepoker um Alstom Deutsch-japanische Charme-Offensive

Siemens-Chef Joe Kaeser gibt sich im Alstom-Poker als Retter: Gemeinsam mit Mitsubishi umgarnt er Frankreichs Öffentlichkeit. Doch Frankreich sind Gebote für Alstom nicht gut genug.

Nach der Vorlage eines eigenen Angebots für Alstom können die Chefs von Siemens und Mitsubishi jetzt offen für ihren Vorschlag werben. Sie geben sich als Retter. Quelle: AP

Joe Kaeser ist schlau. Wer dem Siemens-Chef in Paris zuhört, könnte leicht den Eindruck gewinnen, das gemeinsam mit den Japanern von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) vorgelegte Angebot für den verschuldeten französischen Alstom-Konzern diene vor allem dessen Wohlbefinden.

"Wir wollen, dass Sie so stolz auf Alstom sind, wie wir es auf Siemens und MHI sind", streichelt Kaeser die französische Volksseele. Ein "Glanzstück" nennt er den Konkurrenten ein ums andere Mal. Eine Zerschlagung sei keinesfalls geplant. Im Gegenteil: "Wenn jemand Alstom zerschlagen will, muss er ein anderes Angebot annehmen", sagt er in unverkennbarer Anspielung an das Konkurrenz-Gebot des US-Konzerns General Electric (GE).

Seit Montag werben Kaeser, Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und MHI-Chef Shunichi Miyanaga in Paris intensiv für ihre Alstom-Offerte. Zuerst bei den Entscheidern im Unternehmen selbst. Am Dienstag folgten dann ein Treffen mit den Gewerkschaften, eines mit dem Staatschef und den zuständigen Ministern im Elysée-Präsidentenpalast, eine Pressekonferenz und am Spätnachmittag schließlich eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss des französischen Parlaments.

Sorge um Ausverkauf

Wenn Kaeser in den vergangenen Wochen eines ganz klar für sich und Siemens zu nutzen verstanden hat, dann ist es die Sorge der französischen Regierung um einen drohenden Ausverkauf von Alstom. Der Konzern, der wie Siemens im Energie- und Bahngeschäft tätig ist, mag hoch verschuldet sein und mit dem zunehmenden Wettbewerb vor allem aus Asien kämpfen.

Das Tauziehen um Alstom

Er bleibt in der Empfindung der Franzosen dennoch ein Kronjuwel, das es zu schützen gilt. Wie bereits vor exakt zehn Jahren, als der damalige konservative Wirtschaftsminister und spätere Staatschef Nicolas Sarkozy Alstom mit einer Staatsbeteiligung vor der Pleite rettete.

Sein sozialistischer Nachfolger François Hollande, ohnehin auf dem Tiefpunkt der Beliebtheitsskala, weil er den Franzosen hohe Steuern und Sparmaßnahmen aufbürdet, während gleichzeitig die Arbeitslosigkeit steigt, kann sich eine Preisgabe Alstoms schlicht nicht erlauben. Per Dekret könnte der Staat sogar jeden Deal mit Alstom verhindern.

Der eine selbstbewusst, der andere scheu

Das weiß Kaeser und hat nicht zuletzt deshalb seinen "guten Freund Shunichi Miyanaga", wie er ihn in Paris nennt, mit ins Boot geholt. Neben dem selbstbewussten Kaeser wirkte der MHI-Chef in Paris zwar scheu und sprach ein wenig verdruckst. Doch die Rolle von MHI wird ausschlaggebend dafür sein, ob das Geschäft Erfolg haben wird.

Der Überraschungscoup bringt GE jedenfalls in Zugzwang. Denn die Gemeinschaftsofferte hat den Charme, dass Alstom nicht nur als Rumpfunternehmen - wie bei einem Verkauf der Energiesparte an GE -, sondern als wichtiger Player erhalten bliebe und trotzdem sieben Milliarden Euro zur Schuldentilgung in die Kasse bekäme.

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