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Umsatzeinbruch bei Pfizer Die Stunde der Vampire

Pfizer schrumpft. Die Zahlen zum ersten Quartal belegen, warum der US-Pharmariese so aggressiv nach einer Bluttransfusion durch Astra-Zeneca aus Großbritannien verlangt. Doch dort regt sich der Widerstand.

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Pfizer muss seine Umsatzverluste ausgleichen. Quelle: dpa

New York Für jeden Vampir kommt die Stunde, in der er frisches Blut zur Kräftigung braucht. Der US-Pharmariese Pfizer ist an dem Punkt angelangt. Das Unternehmen mit bereits drei Mega-Übernahmen seit 2001 legte am Montag für das erste Quartal 2014 enttäuschende Zahlen vor. Der Gewinn brach um 15 Prozent auf 2,33 Milliarden Dollar ein und der Umsatz verlor neun Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar. Als bestimmende Faktoren für die Schwäche macht Geschäftsführer Ian Read zunehmende Konkurrenz durch Generika-Medikamente aus und das Auflaufen einiger Kooperationen mit anderen Herstellern.

Generika kommen auf den Markt, wenn Patente auf bis dahin Medikamente auslaufen. Das ist ein normaler und sich wiederholender Prozess im Leben einer Pharmafirma, und Unternehmen wie Pfizer müssen sich dann auf prall gefüllte Pipelines mit Nachfolge-Medikamente verlassen können. Diese Pipelines seien in der Tat gut gefüllt, verspricht Read seinen Aktionären. Unter anderem mit einem Medikament gegen Brustkrebs. Neue Produkte müssen alleine in diesem Jahr Umsatzausfälle in Milliardenhöhe wettmachen.

Insbesondere, weil nur schon mit dem enorm erfolgreichen Cholesterol-Mittel Lipitor ohne Patentschutz Milliarden wegbrechen. Die Sparte GEP, Global Established Pharmaceutical, in der ältere Medikamente ohne Patentschutz zusammengefasst sind, sackte gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf sechs Milliarden Dollar ab.

Da kann man schon mal nachhelfen, wenn die eigene Forschung nicht ausgereicht hat. Read will für 106 Milliarden Dollar den Konkurrenten Astra-Zeneca in sein Haus holen. Damit kämen mit einem Schlag pro Quartal rund 6,4 Milliarden Dollar zum Umsatz dazu. CEO Read bezeichnet den Vorstoß im Analystengespräch als „Beschleunigung einer ohnehin erfolgreichen Strategie.“ Das Problem: Er kauft gleichzeitig einen riesigen Kostenblock ein, viele Bereiche bei Astra-Zeneca könnten, da doppelt, überflüssig werden.

Deshalb fürchtet das Übernahmeziel, ihm werde als Opfer schlicht als Blut ausgesaugt. Die Hülle, zum Beispiel weitere Fertigungskapazitäten, Marketing, Vertrieb, Overhead-Funktionen, braucht Pfizer langfristig nicht wirklich. Astra-Zeneca hat die Offerte bereits als zu „viel zu gering“ zurückgewiesen. Vor allem mit Verweis auf das Potenzial der in Entwicklung befindlichen Medikamente sei dies „keine Verhandlungsbasis“. In der öffentlichen Diskussion auf der Insel kommt die Angst des Ausverkaufs einer Zukunftsbranche an die USA dazu. Jetzt muss Read entscheiden, ob er aufgibt, mehr bietet oder einen Übernahmekrieg anzettelt und direkt an die Aktionäre herantritt.

Lässt man die Gewinne für die Aktionäre einmal beiseite, hätte Großbritanniens Premier David Cameron in der Tat Grund besorgt zu sein, wenn er sich um Arbeitsplätze in Großbritannien sorgt. Der Branchendienst Fierce-Pharma hat akribisch die Zahlen seit der großen Übernahme von Wyeth durch Pfizer in 2009 zusammengetragen. Pfizer CEO Read hat ein begnadetes Händchen, was den Abbau von Arbeitsplätzen angeht, hat Analyst Tracy Staton herausgefunden. Vor der Fusion von Ende 2008 hatten beide Unternehmen zusammengenommen 129.226 Angestellte. Ende 2013 lag nach diversen Entlassungsrunden und Spartenverkäufen die Gesamtzahl bei Pfizer bei nur noch bei 77.700. Eine Differenz von 51.000 Arbeitsplätzen. Astra-Zeneca war, das muss gesagt werden, auch nicht untätig. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Arbeitsplätze hier um 13.500 auf 51.000.


„Ziemlich schwache“ Zusagen

Im offenen Brief an Englands Premierminister David Cameron hatte Pfizers Read am Freitag zugesagt, mindestens 20 Prozent der weltweiten kombinierten Forschungsaktivitäten in Großbritannien zu konzentrieren und „substanzielle“ Produktionskapazitäten. Allerdings lediglich für „mindestens fünf Jahre“. Unterstellt man, dass Pfizer lediglich an den Patenten und Forschungsergebnissen interessiert ist und eine angekündigte Verlagerung des offiziellen Firmensitzes  nach Großbritannien nur steuerliche Gründe hat, ist klar, wohin langfristig die Reise geht.

Für den Steueraspekt spricht, dass laut Pfizer die tatsächlichen Management-Arbeitsplätze in den USA bleiben werden. Ed Miliband, Führer der oppositionellen Labour Partei, jedenfalls bezeichnet die Zusagen des Viagra-Produzenten als „ziemlich schwach“ und mit „einer Menge Kleingedrucktem“ versehen, das es genauestens zu prüfen gelte.

Pfizer verzichtete bei der Vorlage der Quartalszahlen auf eine Überarbeitung seiner Jahresprognose für den Gewinn pro Aktie. Dies sei nach britischem Übernahmerecht derzeit nicht erlaubt, so das Unternehmen. Der bisherige Wert liegt bei 2,20 bis 2,30 Dollar für 2014. Der Gewinn pro Aktie wird nicht nur durch das erwirtschaftete Ergebnis beeinflusst, sondern auch durch die Zahl der Aktien. Rund 1,7 Milliarden eigene Aktien hat Pfizer im abgelaufenen Quartal zurückgekauft. Sie werden aus der Berechnung eliminiert, so dass nur bei konstantem Ergebnis der Gewinn pro Aktie in Zukunft steigt. Die übrigen Komponenten der Jahresschätzung wurden unverändert bestätigt.

Die geplante Übernahme wird nach Meinung von Marktbeobachtern nicht nur am Aktienmarkt stark umkämpft sein. Auch die Wettbewerbsbehörden werden sich den Deal genau anschauen. Pfizer ist nach Umsatz der weltgrößte Pharmakonzern und Astra-Zeneca in einzelnen Märkten wie China extrem stark. Hier sind Pfizer und Astra-Zeneca auf Platz eins und zwei, was Probleme aufwerfen könnte. Julian Huppert, Mitglied des Parlaments in Cambridge, erklärte gegenüber Reuters: „Ich weiß, dass man in China sehr besorgt ist. Aus chinesischer Sicht sind das zwei große Player. Und vor dem Hintergrund von GlaxoSmithKline gibt es einige Nervosität.“ Im vergangenen Jahr war ein Bestechungsskandal aufgeflogen, in den GlaxoSmithKline verwickelt war. In Cambridge betreibt AstraZeneca ein Forschungszentrum.

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