Unkrautvernichter Bayer-Mittel Dicamba verliert vorerst US-Zulassung

Dicamba ist schon länger im Einsatz und wurde von dem mittlerweile von Bayer geschluckten US-Saatgutkonzern Monsanto vertrieben. Quelle: dpa

Um den Bayer-Unkrautvernichter Dicamba, den auch BASF vertreibt, tobt ein millionenschwerer Rechtsstreit. Nun dürfen US-Landwirte Dicamba nicht mehr verwenden.

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Rückschlag für Bayer und BASF: Ein US-Gericht hat eine 2018 erteilte Zulassung des Unkrautvernichters Dicamba aufgehoben. Die US-Umweltbehörde EPA habe die Risiken des Produkts falsch eingeschätzt, hieß es in der Begründung des Gerichts vom Mittwoch (Ortszeit) in San Francisco. Unter Abwägung der Fehler der EPA bei der Zulassung einerseits und der Folgen einer Aufhebung andererseits werde dem Mittel die Registrierung entzogen.

Die Entscheidung betrifft damit neben dem auf Dicamba basierten Unkrautvernichter XtendiMax von Bayer auch Engenia von BASF sowie FeXapan des US-Konzerns Corteva. Bayer sei mit dem Urteil nicht einverstanden und prüfe die nächsten Schritte, sagte ein Konzernsprecher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Von BASF war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Abhängig von den Maßnahmen der EPA und davon, ob das Urteil erfolgreich angefochten werde, gehe es nun darum, die Auswirkungen auf die Kunden in den USA in dieser Saison so gering wie möglich zu halten, betonte der Bayer-Sprecher weiter. Über finanzielle Auswirkungen lasse sich derzeit noch nichts sagen.

Wegen des Unkrautvernichters Dicamba wurden Bayer und BASF zu einer 265-Millionen-Dollar-Strafe verurteilt. Es war das erste Dicamba-Urteil in den USA, mindestens 140 solcher Fälle werden folgen. Was das für Bayer heißt.
von Julian Heißler

Landwirte dürfen die Herbizide nicht länger verwenden, wenngleich sie womöglich bereits viel Geld für Saatgut ausgegeben haben, das dagegen resistent ist. Agrarkonzerne verdienen neben dem Verkauf der Unkrautvernichter auch Geld etwa mit Soja-, Baumwoll- und Maissaat, die gegen die Herbizide resistent sind, also etwa auf mit Dicamba oder auch Glyphosat behandelten Feldern ausgebracht werden können.

So hatte die EPA die Zulassung für die betreffenden Dicamba-Produkte erst gegen Ende 2018 kurz vor dem Auslaufen der alten Genehmigung mit Einschränkungen verlängert. Dicamba sorgte damals insbesondere für negative Schlagzeilen, weil der Wind das Mittel auf Felder wehte, auf denen nicht-immune Pflanzen angebaut wurden. Wegen der Schäden auf Nachbarfeldern fordern zahlreiche Bauern Schadenersatz.

Erst im Februar 2020 hatte eine US-Jury Bayer und BASF in einem solchen Rechtsstreit zu millionenschwerem Schadenersatz verurteilt. Insgesamt sollten die beiden Unternehmen einem Pfirsichbauern aus Missouri 265 Millionen US-Dollar zahlen. Er beschuldigt die Konzerne, dass er durch den Einsatz von Dicamba auf benachbarten Feldern Ernteverluste erlitten habe, da Teile des Unkrautvernichters auf seine Plantagen geweht worden sein sollen. Sowohl Bayer als auch BASF kündigten Rechtsmittel gegen das Urteil an. Damals hatte Alexandra Lahav, Sammelklagen-Expertin der University of Connecticut School of Law, gegenüber der WirtschaftsWoche gesagt: „Die Signalwirkung ist allerdings nicht zu unterschätzen. Es zeigt, dass Klagen gegen das Produkt erfolgreich sein können.“

Dicamba ist schon länger im Einsatz und wurde von dem mittlerweile von Bayer geschluckten US-Saatgutkonzern Monsanto vertrieben, auch da der Verkaufsschlager Glyphosat bei der Bekämpfung bestimmter Unkräuter wegen entstandener Resistenzen teils weniger wirksam wurde. Die Zulassung der nun vom Verbot betroffenen Dicamba-Variante endet derweil ohnehin im Dezember 2020. Aktuell läuft ein Zulassungsverfahren für die folgenden Jahre. Bayer hofft auf eine Zulassungsentscheidung im Herbst.

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