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Unternehmensfinanzierung Die heimlichen Gewinner der Schuldenkrise

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit avancieren deutsche Konzerne zu Profiteuren der EU-Schuldenkrise. Das zeigt eine Untersuchung exklusiv für die WirtschaftsWoche. Die ersparten Zinsen helfen den Unternehmen, Dividenden auszuschütten, zu investieren oder Wettbewerber zu schlucken.

Welche Dax-Konzerne die höchsten Pensionslasten tragen
Platz 10 - Volkswagen Mit 550.000 Mitarbeiter ist der Autobauer aus Wolfsburg zu den größte Arbeitgeber Deutschlands. Über die Jahre haben sich in den Büchern allerdings Pensionsverpflichtungen von 31,18 Milliarden Euro angesammelt, rund 40,3 Prozent des Börsenwerts des Unternehmens. Quelle: dpa
Platz 9 - Siemens Allein in Deutschland beschäftigt der Konzern 116.000 Mitarbeiter. Die Lasten für Betriebspensionen wachsen seit Jahren und summieren sich mittlerweile auf 33,5 Milliarden Euro angesammelt, rund 46,3 Prozent des Börsenwerts des Unternehmens. Quelle: dpa
Platz 8 - HeidelbergCement Erst 2010 stiegen die Heidelberger in den Dax auf. Dabei kann der viertgrößte Zementhersteller der Welt auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Pensionsverpflichtungen des Baustoffriese 3,99 Milliarden Euro absolut zwar relativ gering aus, gemessen am Börsenwert des Unternehmens beträgt die Relation aber satte 46,5 Prozent. Quelle: dpa
Platz 7 - Deutsche BankDas Personal beim größten deutschen Kreditinstitut kann sich über ein hohes Durchschnittsgehalt voll und entsprechend üppig fällt auch die Altersversorgung aus. Die Pensionsverpflichtungen betragen zusammen 14,83 Milliarden Euro, gemessen am Börsenwert sind das 48,4 Prozent. Quelle: dpa
Platz 6 - DaimlerDer jahrelange Branchenprimus muss sich nun mit den Konkurrenten BMW und Audi messen. In diesem Rennen um die Rendite belasten auch hohe Pensionsverpflichtungen von 23,93 Milliarden Euro die Bilanz, immerhin 54,3 Prozent des Börsenwerts. Quelle: dpa
Platz 5 - EonWie die meisten Dax-Konzerne hat auch Eon die Pensionen in einen externen Fonds ausgelagert. Dort stehen mittlerweile Pensionsverpflichtungen von 16,78 Milliarden Euro in den Büchern, was rund 59,5 Prozent des Börsenwerts ausmacht. Quelle: dpa
Platz 4 - CommerzbankDie Commerzbank kommt auch unter staatlicher Aufsicht nicht zur Ruhe und könnte sogar aus dem Dax fliegen. Auch Pensionsverpflichtungen gehören zu den höchten im Dax 7,27 Milliarden Euro sind etwa 87 Prozent des Börsenwerts. Quelle: dpa

Er gilt als Inkarnation der Solidität. Vom württembergischen Maschinenbauer Trumpf über einen kleinen schwäbischen Werkzeugmaschinenspezialisten zum Stuttgarter Lackieranlagenbauer Dürr – das waren die Stationen, die Hans Dieter Pötsch absolvierte, bevor er 2003 Finanzvorstand von Volkswagen wurde. Während Konzernchef Martin Winterkorn auf den Autoshows glänzt, müht sich Pötsch im Stillen nur um eines: um Zahlen.

Wer hätte gedacht, dass so jemand einmal zur heimlichen Gewinnmaschine des größten europäischen Autobauers avancierte? Von seinem Büro im 13. Stock der Konzernzentrale in Wolfsburg beschert der 62-jährige Österreicher Volkswagen seit 2012 jedes Jahr einen zusätzlichen Gewinn von 267 Millionen Euro. Und das, ohne ein einziges Auto mehr zu verkaufen. Wenn Pötsch ganz viel Glück hat, steigert er den Geldregen im Extremfall auf bis zu 1,2 Milliarden Euro im Jahr.


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Windfall nennen die Angelsachsen unverhofftes Glück. Und Windfall-Profits sind Gewinne, die nicht durch Managementkunst, sondern durch eine allgemeine Änderung der Marktlage entstehen. In diesem Sinn ist Pötsch der Mister Windfall der deutschen Industrie.

Heruntergeschleuste Zinsen nutzen

Den Titel verdankt der Finanzjongleur der Schuldenkrise seit 2011. Geschickt nutzte Pötsch die politisch heruntergeschleusten Zinsen, die Verunsicherung der Anleger und die Superbonität von VW, um in großem Stil günstig umzuschulden. Dazu begab er 2012 Anleihen über 15,1 Milliarden Euro, für die er in den kommenden Jahren gestaffelt bis 2022 durchschnittlich nur noch 3,11 Prozent Zinsen bezahlen muss – gegenüber 4,88 Prozent im Jahr 2007 vor der Finanzkrise.

Was VW möglicherweise durch die Schuldenkrise spart

Gelänge es Pötsch, alle Anleihen in den Konzernbüchern schrittweise auf das 2012er-Niveau zu drücken, würde er VW über längere Zeit Zinszahlungen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr ersparen. Mit dem Geld kann Konzernchef Winterkorn die bis 2015 geplanten Investitionen von 50 Milliarden Euro finanzieren. Oder er beglückt die Aktionäre, allen voran Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, dessen Angehörige rund um Wolfgang Porsche sowie das Land Niedersachsen.

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