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Urteil in San Francisco Bayer soll 290 Millionen Dollar zahlen - wegen Monsanto und Glyphosat

Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Quelle: dpa

Der Unkrautvernichter Glyphosat soll für die Krebserkrankung eines Mannes aus Kalifornien verantwortlich sein. Monsanto wurde zu einer Zahlung von 290 Millionen Dollar verurteilt – der Anfang einer Klagewelle.

Die phänomenale Summe von 290 Millionen Dollar soll die Bayer-Tochter Monsanto an einen krebskranken Hausmeister zahlen, der den Monsanto-Unkrautvernichter Glyphosat für seine Krebserkrankung verantwortlich macht. Und das ist erst der Anfang. Hunderte weiterer Klagen sind bereits zugelassen.

Nach dem Urteil fiel der krebskranke Hausmeister Dewayne "Lee" Johnson seinen Anwälten um den Hals. Das Geschworenengericht in San Francisco hat das hohe Schmerzensgeld damit begründet, dass Monsanto nicht angemessen vor dem möglichen Krebsrisiko von Glyphosat gewarnt habe.

In den vergangenen Tagen hatte Johnson vor dem Supreme Court in San Francisco, wenige Häuserblocks vom Union Square entfernt, ausführlich sein Leid geschildert. Johnson, 46 Jahre alt, Vater von zwei Söhnen, hat vermutlich nur noch wenige Monate zu leben. Bei ihm wurde Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert, den er auf den Gebrauch von Glyphosat zurückführt. Vor Gericht schilderte Johnson, ehemals Hausmeister an einer Schule in Kalifornien, wie seine Rasenspritze zweimal nicht richtig funktionierte, seine Kleidung mit dem Mittel durchtränkt wurde und seine Haut in Kontakt mit Glyphosat geriet.

Als Folge der Chemotherapien leidet Johnson unter anderem an Gedächtnisverlust und Depressionen. Seine Ehefrau berichtete gegenüber der Jury, wie für sie nach der Schock-Diagnose eine Welt zusammenbrach. Sie arbeitet nun 14 Stunden am Tag.

Monsanto kündigte umgehend an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Das US-Unternehmen äußerte sein Mitgefühl gegenüber Johnson und seiner Familie. "Die heutige Entscheidung ändert nichts an der Tatsache, dass mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Bewertungen den Befund unterstützen, dass Glyphosat nicht krebserregend ist", sagte Monsanto-Vzepräsident Scott Partridge. Zu diesem Schluss kommen unter anderem die US-Umweltbehörde EPA und zahlreiche nationale Regulierungsbehörden. Monsanto sei seit 40 Jahren in Gebrauch und für Landwirte ein "notwendiges, effektives und sicheres Werkzeug".

Vor Gericht argumentierten die Monsanto-Anwälte auch damit, dass sich Lymphdrüsenkrebs über viele Jahre entwickele. Da Johnson 2012 mit Glyphosat in Kontakt kam, der Krebs aber bereits 2014 diagnostiziert wurde, könne ausgeschlossen werden, dass ein Zusammenhang bestehe.

Tatsächlich steht der wissenschaftliche Beweis, dass Glyphosat Krebs verursacht, noch aus. Lediglich eine Studie des Internationalen Krebsforschungszentrums IARC in Lyon, einer Untereinheit der Weltgesundheitsorganisation WHO, legt einen solchen Zusammenhang nahe. Auch Johnson und seine Anwälte beriefen sich bei ihrer Argumentation vor Gericht auf diese Studie.

Das Urteil im Fall Johnson ist allerdings erst der Anfang einer großen Klagewelle, die Bayer und Monsanto noch viel Ärger bereiten wird. Hunderte weitere Klagen sind bereits zugelassen, Tausende Amerikaner haben ihre Ansprüche schon mal angemeldet.

Bayer ist seit Juni Eigentümer von Monsanto. Viel Freude haben die Leverkusener an dem umstrittenen US-Konzern, der ihnen mehr als 60 Milliarden Dollar wert war, nicht gehabt. Zeitgleich zu dem Prozess in San Francisco setzte ein Gericht in Brasilien den Einsatz von Glyphosat aus. Zumindest solange, bis die Regierung über die Giftigkeit von Glyphosat entschieden hat. Brasilien ist nach den USA der zweitwichtigste Markt für den Unkratuvernichter.

Die Bayer-Aktionäre stehen der Monsanto-Übernahme gleichfalls skeptisch gegenüber: Der Bayer-Aktienkurs fällt seit Wochen.

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