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Volkswagen Ärger um Clean-Diesel-Werbung

VW hatte die Diesel-Autos in den USA aggressiv beworben. Jetzt werden sie dafür von der Wettbewerbsbehörde verklagt. Denn nach dem Abgas-Skandal ist klar: Die Autos waren nicht so sauber, wie in der Werbung angepriesen.

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Auch wenn VW in einer US-Kampagne mit „Clean Diesel“ warb - seit dem Abgas-Skandal ist bekannt, dass nicht alles so richtig „clean“ ablief. Quelle: AP

Eine Seniorin hält ihren weißen Schal an den Auspuff ihres neuen VW-Diesel. Sie will ihren zwei Freundinnen beweisen, dass ihr neuer Golf nichts mehr mit den dreckigen Abgasen von früher zu tun hat. „Seht ihr, wie sauber der ist“, sagt sie zufrieden, und schon wird der Slogan „Clean Diesel – wirklich saubere Diesel“ eingeblendet.
Aus heutiger Sicht ist der Werbespot bestenfalls ein Treppenwitz. Längst ist klar, dass die „Clean Diesel“ doch nicht so sauber waren, wie die Werbung suggeriert. Die Stickstoff-Emissionen lagen bis zu 40 Mal über den erlaubten Grenzwerten, wie Volkswagen bereits im September eingeräumt hatte. Nun hat die US-Wettbewerbsbehörde eine Klage wegen irreführender Werbung eingereicht und sorgt damit im Diesel-Skandal für neue Unruhe.

In millionenschweren Werbekampagnen habe VW die Vorteile in Sachen Umweltfreundlichkeit und Sparsamkeit beworben, um „amerikanische Verbraucher dazu zu bewegen, Fahrzeuge zu kaufen, die mit einer Schummel-Software ausgestattet waren“, heißt es in der Klageschrift, die am Dienstag in San Francisco eingereicht wurde. Bereits im Oktober hatte die Behörde angekündigt, die Abgasmanipulationen bei VW zu untersuchen.

So könnte VW die "Dieselgate"-Kosten schultern

Es ist ein einfacher Fall. Schließlich hat VW offensiv mit seiner vermeintlich umweltfreundlichen Dieseltechnologie geworben, die zum Teil auch von den Luxus-Töchtern Audi und Porsche verwendet wurde. 2010 etwa schaltete Audi einen Werbespot beim Superbowl-Finale, dem größten Sportereignis in den USA. Die Werbung zeigt, wie alle Amerikaner Ärger mit einer neuartigen Umweltpolizei bekommen nur der Mann im Audi-Diesel problemlos durch die Kontrolle kommt.

Analysten hatten mit der Klage gerechnet. „Jede Behörde, die auch nur am Rande mit der Situation zu tun hat, wird eine Klage einreichen, und Entschädigungen für die Betroffenen fordern“, sagte Rebecca Lindland von Kelley Blue Book.

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    In den USA sind knapp 600.000 Autos der Marken VW, Audi und Porsche von den Abgasmanipulationen betroffen. Insgesamt seien den Verbrauchern Schäden in Milliardenhöhe entstanden, bemängelt die FTC. Die Behörde hat nicht die Befugnis eigene Strafen zu verhängen, will mit der Klage jedoch sicherstellen, dass die Verbraucher angemessen entschädigt werden.

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    Die Klage soll noch mit in die umfassende Sammelklage aufgenommen werden, die gerade in San Francisco verhandelt wird. Der zuständige Richter hatte VW erst vergangene Woche ein neues Ultimatum gesetzt, um sich mit den Behörden und den betroffenen Autobesitzern zu einigen. VW hat nun bis zum 21. April Zeit, um detailliert festzulegen, wie die Autos repariert werden und die Besitzer und die Umweltbehörden EPA und Carb entschädigt werden sollen.

    Die FTC fordert in ihrer Klage, dass Kunden ihre Kaufverträge auflösen und ihre Autos zurückgeben können. Der Konzern soll außerdem zu Unrecht gemachte Gewinne zurückzahlen.

    Auch will die FTC eine einstweilige Verfügung durchsetzen, um zu verhindern, dass der Konzern noch einmal mit irreführender Werbung auf Kundenfang geht. VW hat jedoch längst die Werbekampagnen gestoppt und verkauft bereits seit Monaten keine Diesel-Autos mehr in den USA.

    VW arbeite weiter mit der FTC und allen weiteren wichtigen Regulierungsbehörden zusammen, teilte eine Sprecherin mit. „Unsere Priorität ist, eine Lösung für die Diesel-Thematik zu finden und das Vertrauen unserer Kunden und Händler zurückzugewinnen.“

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      Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. VWs Autoverkäufe sind im Februar in den USA um fast 14 Prozent zurückgegangen, während der Automarkt insgesamt immer weiter wächst. Die Händler sind nervös und fordern eine neue Preis- und Modellstrategie von Hinrich Woebcken, dem designierten Nordamerika-Chef, der Anfang April offiziell sein Amt antritt.

      Audi ist vom Diesel-Skandal in den USA deutlich weniger getroffen als VW. Doch auch hier waren Änderungen in der Werbe-Strategie nötig: Die Marke musste sich von ihrem Slogan trennen, der lange Zeit in den USA verwendet wurde. Er lautete „Truth in Engineering“ – frei übersetzt etwa „wahre Ingenieurskunst“.



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