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Volkswagen-Tochter Traton will US-Lkw-Hersteller Navistar ganz

Für den Traton-Chef ist die Transaktion der „logische nächste Schritt“. Der Konzern bietet 45 Prozent mehr für die Navistar-Aktie als der Schlusskurs vom Donnerstag.

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Traton will 2,9 Milliarden Dollar für die restlichen Anteile an Navistar zahlen. Quelle: Reuters

Die Volkswagen-Nutzfahrzeug-Tochter Traton greift nach ihrem amerikanischen Partner Navistar. Die Holding für die Marken MAN und Scania will 2,9 Milliarden Dollar für die restlichen Anteile an dem Lkw-Hersteller aus den USA zahlen, an dem sie schon mit 16,8 Prozent beteiligt ist, wie das Unternehmen am späten Donnerstagabend mitteilte.

Traton bietet 35 Dollar je Navistar-Aktie, das sind 45 Prozent mehr als der Schlusskurs an der New Yorker Börse vom Donnerstag. Es wäre die erste große Übernahme für Traton seit dem Börsengang im Juni vergangenen Jahres. Auf dem nordamerikanischen Nutzfahrzeug-Markt ist der Münchner Lkw- und Bus-Hersteller – anders als die Rivalen Daimler und Volvo – bisher schwach vertreten.

Volkswagen war vor mehr als drei Jahren bei Navistar für 256 Millionen Dollar eingestiegen. Damals mussten die Wolfsburger nur 15,76 Dollar für jede Aktie des angeschlagenen Unternehmens zahlen.

Schnell kamen aber Spekulationen über eine Aufstockung der Beteiligung auf, die vom Börsengang der ausgegliederten Nutzfahrzeug-Sparte Traton noch befeuert wurden. Vorstandschef Andreas Renschler und Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch hatten die Erwartungen aber gedämpft. „Die Dinge müssen reifen“, sagte Pötsch beim Börsendebüt von Traton.

Navistar und die Traton-Marken MAN und Scania arbeiten seit 2017 zusammen, nun will Vorstandschef Renschler jedoch nicht länger warten: „Im Lichte der weiteren Entwicklung der weltweiten Nutzfahrzeugbranche ist Traton der Auffassung, dass die vorgeschlagene Transaktion den logischen nächsten Schritt darstellt und weitere Vorteile schaffen wird“, erklärte das Unternehmen. „Die Transaktion würde einen Marktführer im Bereich Nutzfahrzeuge mit globaler Reichweite und einem starken Portfolio führender Marken und innovativer Produkte, Technologien und Dienstleistungen schaffen“, sagte Renschler.

Die Führung von Navistar hat Renschler in die Fusionspläne bisher nicht eingebunden. Der Navistar-Verwaltungsrat sprach in einer ersten Stellungnahme von einem „unaufgeforderten Angebot“, das sorgfältig daraufhin geprüft werden müsste, ob es zur eigenen Strategie passe. Einen Verkauf von Navistar an einen Dritten würde Traton als Aktionär nicht gutheißen, betonte die Volkswagen-Tochter vorsichtshalber.

Aus Wolfsburg kam bereits Unterstützung: Der Großaktionär Volkswagen, der immer noch knapp 90 Prozent an Traton hält, erklärte umgehend seine „grundsätzliche Bereitschaft“, den Kauf von Navistar mitzufinanzieren. Vorher müssten aber die Bücher geprüft und die Vorstände sich einig werden.

Navistar-Aktien schossen nachbörslich um 52 Prozent auf 36,50 Dollar nach oben - über den Angebotspreis hinaus. Das ist der höchste Kurs seit März 2019.

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