Vor den Beiersdorf-Jahreszahlen Geht Nivea bald die Puste aus?

Beiersdorf, der Hersteller der blau-weißen Kultmarke Nivea, ist im vergangenen Geschäftsjahr langsamer gewachsen und der Aktienkurs entwickelt sich unterdurchschnittlich. Der Turnaround des Dax-Konzerns könnte scheitern.

Nivea-Creme-Dosen Quelle: dpa

Der Hamburger Dax-Konzern und Nivea-Hersteller Beiersdorf hat seinen Wachstumskurs auch 2014 fortgesetzt. Allerdings hat sich das Tempo verlangsamt. Während Beiersdorf 2013 noch mehr als sieben Prozent Umsatz draufpacken konnte, steigerten die Hamburger die Erlöse im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 lediglich um 4,7 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Das Geschäftsjahr sei von  „schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ belastet gewesen, teilte das Unternehmen bereits Mitte Januar bei der Vorlage der nicht testierten Geschäftszahlen mit, die sich allerdings vorrangig auf die Umsätze bezogen. Am Freitag wird der Dax-Konzern sein Jahresabschluss für 2014 bekannt geben.

Im Mittelpunkt stehen bei Vorlage des Geschäftsberichts dann vor allem Aussagen zur weiteren strategischen Entwicklung und zur Gewinnentwicklung. Wie prognostiziert will Beiersdorf im Gesamtjahr vor Sondereffekten eine Umsatzrendite von über 13 Prozent vor Steuern und Zinsen erreichen.

Was die Unternehmen für 2015 erwarten
Automobil-Branche:Wachstum + 2,0%Beschäftigung = 0,0%Positive Einflüsse:+ Starke Nachfrage in China und den USA + Hoffnung auf Ausbau staatlicher Förderung für E-Autos + Stabile Preise für Neuwagen, aber weiter hohe Rabatte Negative Einflüsse: - Europäischer Markt stagniert - Hohe Kosten für Erreichen der CO2-Ziele - Wachsende Konkurrenz beim autonomen Fahren durch IT- und Internet-Konzerne Quellen: Branchenverbände, Moody’s, Zenith Optimedia, eigene Recherchen
Banken:Wachstum - 1,0 %Beschäftigung - 2,0 %Positive Einflüsse:+ Digitaltechnik verbessert den Service und senkt Kosten Negative Einflüsse:- Digitale Angreifer und virtuelles Banking verdrängen klassische Filialen - Neue Aufsicht der Europäischen Zentralbank nimmt weniger Rücksicht auf deutsche Geldhäuser als die Bonner BaFin - Dauerhaft niedrige Zinsen drücken die Erträge - Fusionen werden für Jobabbau und Einsparungen sorgen
Bau-Branche:Wachstum + 2,0%Beschäftigung = 0,0%Positive Einflüsse: + Das anhaltend niedrige Zinsniveau fördert Investitionen + Mehr öffentliches Geld für Brücken- und Straßensanierung + Die Bereitschaft steigt, mehr Projekte in öffentlich-privater Mischfinanzierung (ÖPP) zu realisieren Negative Einflüsse:- Es gibt kaum Anreize zum Bau preiswerter Wohnungen - Internationale Risiken dämpfen die Exportchancen der deutschen Industrie und dadurch die gewerblichen Bauaufträge
Chemie:Wachstum + 1,0%Beschäftigung = 0,0%Positive Einflüsse: + Geschäft in den USA, Asien und Lateinamerika zieht an + Konjunktur in Europa nimmt langsam Fahrt auf Negative Einflüsse:- Insgesamt aber keine rasche Belebung in den kommenden Monaten zu erwarten - Hohe Stromkosten belasten das Geschäft - Der Ölpreis wird wegen zunehmender Nachfrage aus der Industrie wieder steigen Quelle: obs
Energie-Sektor:Wachstum = 0,0%Beschäftigung - 0,5%Positive Einflüsse:+ Beratungs- und Dienstleistungsbedarf von Unternehmen könnte für neue Geschäftsfelder bei Stromkonzernen und Stadtwerken sorgen Negative Einflüsse: - Kaum noch Investitionen in konventionelle Kraftwerke und Stromnetze - Durch Gewinneinbrüche und Konzernumbauten bei den großen Versorgern fallen weitere Arbeitsplätze weg
Handel:Wachstum + 1,6%Beschäftigung = 0,0%Positive Einflüsse: + Stürmisches Wachstum beim Einkauf per Tablet und Smartphone + Niedrigzinsen sorgen für steigende Konsumbereitschaft Negative Einflüsse: - Pleiterisiken im Modehandel durch Wetterkapriolen und Online-Boom - Die Wirtschafts- und Währungskrise in Russland schlägt auf große deutsche Händler wie Otto und Metro durch Quelle: dpa
IT/Telekommunikation:Wachstum + 0,6%Beschäftigung + 0,1%Positive Einflüsse:+ IT bleibt Wachstumstreiber des ITK-Marktes (+2,4 %). Am stärksten legt das Geschäft mit Software und IT-Services zu Negative Einflüsse: - Telekommunikation im dritten Jahr in Folge im Minus (–0,9 %) - Unterhaltungselektronik –3,3 %, aber Talfahrt verlangsamt sich

Beiersdorf hatte sich zuletzt trotz schwieriger Marktbedingungen recht zuversichtlich geäußert. Für das gerade angelaufene Geschäftsjahr zeigten sich die Hamburger Mitte Januar noch zuversichtlich. „Beiersdorf hat einen Grad an Stabilität und Stärke erreicht, der uns auch für 2015 positiv stimmt“, sagte Vorstandsvorsitzender Stefan Heidenreich, der seit knapp drei Jahren im Amt ist und vom Schweizer Marmeladenhersteller Hero (Schwartau) gekommen war.

Mit der Konzentration auf Nivea und Tesa feierte der gebürtige Kieler einen Erfolg nach dem anderen. Nach starken Zahlen für 2013 und nachdem er fast den gesamten Vorstand vor die Tür gesetzt hatte, darf Heidenreich seinen Job bis zum Ende des Jahrzehnts behalten. Sein Vertrag war vor einem Jahr vorzeitig um fünf Jahre bis Ende 2019 verlängert worden.

Andrew Wood, Analyst von Bernstein Research, rät in einer aktuellen Aktienanalyse weiterhin zum Verkauf der Aktie. Der Analyst rechnet zwar mit einer guten Umsatzentwicklung und Verbesserungen bei Margen und Gewinn je Aktie. Dies reiche jedoch nicht, um die derzeitige Bewertung der Beiersdorf AG zu rechtfertigen. Woods ist der Meinung, die Beiersdorf-Aktie habe schon zwei Jahre lang stark zugelegt.

Probleme bei Beiersdorf

Dennoch sei die Hoffnung, dass sich Beiersdorf als die neue Turnaround-Story im europäischen Konsumgüterbereich erweisen könnte, im Sande verlaufen, und trotz der zuletzt unterdurchschnittlichen Kursentwicklung sei die Aktie immer noch teuer. Für „schon sehr teuer“, halten auch die Analysten von Warburg die Beiersdorf-Anteilsscheine. Dennoch stehen sie weiter auf der Kaufliste.

Dass der Kosmetikkonzern sein erklärtes Erlösziel überhaupt noch erreichen konnte, lag ausnahmslos am starken vierten Quartal. Beiersdorf konnte damit sogar die Erwartungen von Analysten übertreffen. Nominal schmälerten 2014 vor allem Währungseffekte die Umsatzzuwächse und drückten das Plus auf 2,3 Prozent. Vor allem die Rubelabwertung in Russland und die schwächelnden Währungen in Argentinien und Venezuela machten den Hamburgern zu schaffen.

Im Geschäftsbereich Haut- und Körperpflege steigerten die Hamburger ihre Erlöse 2014 organisch um 4,8 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Nominal fiel das Plus mit 2,1 Prozent deutlich geringer aus. Zum Wachstum trugen mit Nivea, Eucerin und La Prairie alle drei Kernmarken bei.

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In der Klebstoffsparte Tesa, die ebenfalls zum Beiersdorf-Konzern gehört, legte der Umsatz organisch um 4,4 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro zu. Nominal lag das Plus mit 3,7 Prozent nur leicht darunter.

Der Hamburger Nivea-Hersteller hat schwere Jahre hinter sich. Eine verfehlte Markenstrategie, die globale Wirtschaftsschwäche und der intensive Wettbewerb hatten den Konzern hinter Konkurrenten wie Henkel, Unilever oder L‘Oreal zurückfallen lassen. Ende 2010 startete dann ein Umbau, der Früchte trägt. Etliche Produkte wurden aus den Regalen genommen und das Geschäft auf starke Marken wie Nivea ausgerichtet. Zudem wurde die Präsenz in den Schwellenländern gestärkt.

Beiersdorf gehört zu knapp über 50 Prozent der Hamburger maxingvest AG, zu der auch der Hamburger Kaffeeröster Tchibo gehört. Fast zehn Prozent der Aktien befinden sich zudem im Eigenbesitz der Beiersdorf AG.

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