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VW, BMW und Co. Russlands Automarkt rast aus der Krise

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Krise hat nachhaltige Folgen

Die Jahresendrallye wird von der Furcht der Russen getrieben, dass wichtige Stützungsmaßnahmen wegfallen. Da allerdings die Subventionen von Autokrediten als wichtigste Regelung erhalten bleibt, nennt Osegowitsch den jetzigen Andrang einen „etwas künstlichen Rush“, der das Wachstum zu Beginn 2018 etwas schmälern werde.

Dennoch ist der gebürtige Österreicher optimistisch: „Für nächstes und übernächstes Jahr habe ich keine Bedenken.“ Auch 2018 falle das Wachstum zweistellig aus. Zwar hält er die in Moskau einst geäußerten Ambitionen, Deutschland als Europas Automarkt Nummer Eins abzulösen für illusorisch, mit einer Kapazität von bis zu 2,7 Millionen Pkw pro Jahr sei die Bedeutung Russlands für Autobauer trotzdem „gewaltig“, so Osegowitsch.

Die seit 2014 dauernde Krise hat jedoch nachhaltige Folgen. Rubelabwertung und hohe Inflation haben die Realeinkommen der Russen der offiziellen Statistik nach um rund zehn Prozent schmelzen lassen. Und selbst im laufenden Jahr verläuft die Entwicklung nicht konstant: Verkündete das Arbeitsministerium noch im September ein Plus der Reallöhne um 2,5 Prozent, so trübte die Oktoberstatistik mit einem Minus von 1,3 Prozent das Bild. „Wir werden langsamer aus der Krise kommen als in früheren Jahren“, meint Osegowitsch daher.

Der Trend geht zudem angesichts des geringeren Budgets eher zum kleineren Auto als zum Luxuswagen. „Der Bedarf in den geringeren Einkommensklassen ist am höchsten“, sagt Schreiber. Nicht umsonst ist der Hersteller der russischen Billigmarke Lada Avtovaz (inzwischen Teil des Renault-Konzerns) einer der Gewinner des Jahres mit einem Absatzplus von 17,2 Prozent. Die im gleichen Segment beheimatete Kia-Gruppe konnte gar um 25,4 Prozent zulegen. Auch die Marke VW zählt mit 17,5 Prozent zu den Gewinnern, allerdings wird das Gesamtergebnis des Konzerns durch den miesen Verkauf von Audi (-20,2 Prozent) deutlich gedrückt.

Auch andere deutsche Automarken leiden unter der Umorientierung: Während BMW durch ein starkes Finish immerhin noch auf einen zweistelligen Wachstumssprung in diesem Jahr hoffen kann – derzeit liegt das Plus bei 7,5 Prozent – muss Mercedes bislang ein Minus von 0,9 Prozent, Porsche gar ein Minus von 8,5 Prozent verkraften.

Ein Grund dafür ist auch, dass beide bislang ausschließlich importieren: Bei Mercedes soll sich das bald ändern: Für 250 Millionen Euro bauen die Stuttgarter an einer Fabrik im Gebiet Moskau. Ab 2019 sollen dort E-Klasse-Limousinen und später auch die in Russland beliebten Geländewagen (SUV-Modelle) gefertigt werden. Bis dann, so hofft die Mercedes-Führung, springt auch das Luxus-Sortiment in Russland wieder an.

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