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Wachsender Markt Craftbier - Große Brauereien kommen auf den Geschmack

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Kein erprobtes Portfolio

„Uns ist es egal, wem das Unternehmen gehört, wenn die Qualität stimmt und wir spüren, dass unsere Partner das gleiche wollen wie wir“, sagt Alsing. Dazu komme, dass Braufactum Erfahrung mit dem deutschen Pfandsystem habe. Bislang konnte man sich in Deutschland Sorten wie „Spontan Cherry“, das in Eichenfässern reifte und 8,2% Alkohol hat, zuschicken lassen und umging so das Pfandsystem. Bei einer flächendeckenden Verbreitung ist das für eine Biermarke nicht drin – im Gegensatz zu Weinflaschen, denen ein Ende im Altglascontainer genügt. „Wir exportieren in 47 Länder. Wir können in unserer Größe nicht für jedes Land eigene Flaschen produzieren“, sagt Alsing. So kommt Mikkeller in Deutschland zunächst mit einem kleineren Programm in die Supermärkte – mindestens 600 Sorten hat Mikkeller seit seiner Gründung im Jahr 2006 produziert. Nicht ein erprobtes Portfolio sondern der ständige Wandel sind die Idee der Brauerei.

Zehn Fakten über Bier
Das billigste BierAm wenigsten kostet Bier in der Ukraine und Vietnam. Hier muss man jeweils 0,43 Euro für eine 0,5-Liter-Flasche hinlegen. Generell ist das Bier in Südostasien und Osteuropa am günstigsten, besagen die Daten des Lebenserhaltungskosten-Portals "Numbeo". Auf Ukraine und Vietnam folgen Kambodscha (0, 50 Euro), Saudi Arabien (0,51 Euro), Tschechien (0,52 Euro) und China (0,54 Euro). Quelle: dpa
Das teuerste BierIm nahen und Mittleren Osten müssen Biertrinker am tiefsten ins Portemonnaie greifen. Mit 5,67 Euro ist eine 0,5-Liter-Flasche Bier im Iran weltweit am teuersten. In Kuweit sind es 5,21 Euro und in der Vereinigten Arabischen Emiraten 4,56 Euro. Quelle: dpa
Die größten BierbrauerIn China wird weltweit meisten Bier wird gebraut. 490,2 Millionen Hektoliter flossen 2012 hier aus den Brauereien hinaus, schätzt der Hopfenhersteller Barth-Haas. Es folgen die USA (229,3 Millionen Hektoliter), Brasilien (132,8 Millionen Hektolitern), Russland (97,4 Millionen Hektoliter) und Deutschland (94,6 Millionen Hektoliter). Quelle: AP
Europas größte BiertrinkerWir sind Europameister – im Biertrinken. Mit 86 Millionen Hektolitern Bier trank keine andere europäische Nation 2012 so viel Bier wie die Deutschen. Auch in den Vorjahren lag Deutschland an der Spitze, berichtet die Vereinigung „Brewers of Europe“.  Hinter Deutschland kommen das Vereinigte Königreich (43 Millionen Hektoliter), Polen (38 Millionen Hektoliter), Spanien (35 Millionen Hektoliter) und Frankreich (20 Millionen Hektoliter). Quelle: dpa
Europas spendabelste BiertrinkerDie Briten geben am meisten für Bier in Europa aus. 2012 waren es den „Brewers of Europe“ zufolge 20 Milliarden Euro. Dahinter kommen die Deutschen mit 19 Milliarden Euro, die Spanier mit 14,6 Milliarden Euro, und die Italiener mit 9,7 Milliarden Euro. Quelle: REUTERS
Die weltweit größten BierbrauerDie weltweit größte Brauerei ist das belgisch-amerikanische Unternehmen Anheuser Busch InBev. 352,9 Millionen Hektoliter Bier pumpte das Konglomerat 2012 in die Welt. Laut Zahlen des Hopfenherstellers Barth-Haas folgt dahinter die englische Brauer SAB Miller (190 Millionen Hektoliter), sowie die niederländische Konkurrenz von Heineken (171,7 Hektoliter). Quelle: dpa
Die wertvollsten BiermarkenDie Light-Version des US-Biers Budweiser besitzt den weltweit höchsten Markenwert. Bud Light ist mit 12,6 Milliarden US-Dollar die wertvollste Biermarke. Das original Budweiser kommt laut der Werbeagentur Millward Brown erst auf den zweiten Platz. Budweiser wies 2012 einen Markenwert von 11,8 Milliarden US-Dollar auf. In der Rangliste folgen Heineken (8,7 Milliarden US-Dollar), Stella Artois (8,2 Milliarden US-Dollar) und Corona (8 Milliarden US-Dollar). Eine deutsche Biermarke ist unter den Top 10 nicht zu finden. Quelle: AP

Die deutschen Mitbewerber von Radeberger werden auch diese Entwicklung genau beobachten. Die Brauerei Bitburger hat schon 2009 den Schritt in Richtung Mikro-Brauerei getan und mit Craftwerk eine Marke ins Leben gerufen, die auf der hauseigenen Versuchsanlage gebraut wird. Die Bayreuther Brauerei Maisels, bekannt für ihr Weizen und Weißbier, hat mit „Maisel & Friends“ ein Programm mit in der fränkischen Heimat eher unbekannten Sorten wie „Choco Bock“ gegründet. Vergangene Woche tauchten in Bier-Blogs Bilder von modern gestalteten Becks-Flaschen auf, die mit den Sorten „India Pale Ale“ oder „Amber Lager“ gefüllt sind.

"Losers - Corporate Beer still sucks"

In den USA ist die Entwicklung bereits einen Schritt weiter. Vor einigen Monaten kaufte die größte Braugruppe der Welt, AB-Inbev, 10 Barrel Brewing in Oregon. Während des Superbowls am vergangenen Sonntag lief in einem der eigens für dieses Ereignis produzierten Werbespots ein hämischer Film der Marke Budweiser, der über Biertrinker spottete, die ihr Bier wie Wein degustieren und Sorten wie „Pumpkin Peach Ale“ tränken. Pumpkin Peach Ale ist jedoch keine wirre Erfindung eines Werbers, der Kürbis und Pfirsich als Basis für Bier verhöhnen wollte, sondern eine Sorte Bier, die die Elysian Brewing Company aus Seattle tatsächlich braute – und die seit 23. Januar zur AB-Inbev gehört - und somit Konzernschwester von Budweiser ist. Ebenfalls – und laut Aussage von Elysian Brewing auch weiterhin – im Programm: Das Bier „Losers – Corporate Beer still sucks“.

Die Craft-Biere der großen Brauereien

Mit Bildern von Darth Vader als rücksichtsloser Eroberer illustrierte das amerikanische Blog 'I Think About Beer' diese Akquisition und beschreibt die guten Vertriebswege der Konzerne als den Köder mit dem die kleinen Brauereien gefangen werden um im nächsten Schritt auf Effizienz getrimmt zu werden – bis hin zu umfangreichen Sparprogrammen, um die Profite zu steigern. Der Konsument, so argwöhnt Autor Christopher Barnes, sei der Gekniffene. Denn die Vertriebsmacht nutze AB-Inbev, um Marken, die nicht zum Konzern gehörten, aus den Läden zu entfernen.

Industrie



Dieses Szenario ist eines, das auch durch die deutsche Craft-Bier-Szene geistert. Auch wenn der hiesige gemeine Getränkemarkt noch weit davon entfernt ist, überhaupt die Vielfalt der Craft-Bier-Szene darzustellen, bevor er sie wieder einschränken könnte. Auch Nina Anika Klotz kennt diese Sorgen. „Problematisch wird es aber vor allem dann, wenn die Konzerne den Preiskampf eröffnen und ein India Pale Ale für 1,20 anbieten – da könnten die kleinen handwerklichen Betriebe nicht mithalten.“

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