WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Wachstumstreiber Warum Öko so in Mode ist

Die Massenhersteller der Modebranche entdecken Öko-Textilien als Wachstumstreiber. Biologische Baumwolle wird immer stärker nachgefragt. Auch den Einsatz von Chemie wollen große Produzenten nun senken.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Grün als neue Mode-Farbe: Die Branche reagiert auf den Wunsch der Kunden nach Öko-Textilien. Quelle: Reuters

Düsseldorf Und jetzt auch noch Trigema. Die vielleicht größte Überraschung im Bereich der „ethischen Mode“ ist, dass ausgerechnet die in die Jahre gekommene Marke, die noch immer mit dem Schimpansen wirbt, eine richtig moderne Kollektion anbietet. Basics wie T-Shirts, Longsleeves und Jogginghosen mit klaren Schnitten, unifarben, fast wie von der Trend-Marke American Apparel. Und das auch noch ökologisch korrekt, fair gehandelt und in Deutschland genäht.

Öko-Mode kommt raus aus der Nische. Selbst Massenhersteller bringen Linien für verantwortungsbewusste Kunden heraus. Das soll jedoch erst der Auftakt sein für eine Wende zu mehr Nachhaltigkeit, die die ganze Branche auf allen Produktionsstufen erfasst. Damit reagieren die Firmen auf Kritik der Kunden.

Nach Schätzungen der Lobbygruppe Textile Exchange ist der weltweite Markt für Bio-Baumwolle im Jahr 2011 um 20 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gewachsen, 2012 sollen es schon 7,4 Milliarden Dollar sein. Zudem nimmt der Verbrauch von recycelten Kunstfasern zu. Daneben rückt die Chemie-Belastung in den Blickpunkt.

So haben die Umweltaktivisten von Greenpeace die Sportartikler Adidas, Puma und Nike mit einer Kampagne in China angegriffen, wo sie die Abwässer von Zulieferern analysiert haben. „Wir haben die Firmen ausgesucht, weil sie schon einen guten Nachhaltigkeitsstand haben, auf den sie aufbauen können“, sagt Ulrike Kallee von Greenpeace. Erfolg der Kampagne: Die drei Firmen haben sich auf ein Programm bis 2020 eingelassen, das Greenpeace begleiten will. An der Kampagne „Detox“ nehmen inzwischen auch H&M, C&A und die chinesische Sportmarke Li-Ning teil.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen


    Längst ist H&M der größte Abnehmer von Bio-Baumwolle

    Unter dem Druck der Kunden kommt das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Branche an. Längst ist H&M der größte Abnehmer von Bio-Baumwolle. Mancher Überzeugungstäter sieht das kritisch. „Die Beimischung von Bio-Baumwolle allein ist noch keine Lösung. Aber immerhin verbreitet das unsere Botschaft“, meint Lisa Muhr, Mitgründerin des kleinen Wiener Labels Göttin des Glücks.

    2006 hat die Firma, gegründet von vier Idealisten, ihre Kleider und Shirts auf Bio-Qualität umgestellt. Zugleich hat sie die Produktion von der Slowakei nach Mauritius und Indien verlegt – dank niedrigerer Arbeitskosten blieben so die Preise für die Kleidung stabil. „Wichtig ist, dass die Öko-Kleidung modisch ist, sonst wird das nicht funktionieren. Immerhin haben wir das Jutesack-Image schon abgelegt“, erklärt Muhr.

    Die größeren Hersteller tun sich schwerer. „Es gibt einen Konflikt zwischen dem Design und umweltfreundlicher Herstellung“, räumt Adriano Goldschmied, Chefdesigner der Nobel-Jeansmarke Citizens of Humanity, bei einer Veranstaltung der Zeitschrift „Sportswear International“ ein. Die Jeans-Branche muss heftige Kritik einstecken, weil sie starke Chemikalien einsetzt und so Arbeiter gefährdet, die Jeans sandstrahlen. Künftig soll etwa Laser-Technik die Umwelt weniger belasten. „Der Wettbewerb hat viele problematische Dinge mit sich gebracht“, bestätigt Nish Soneji, Manager beim Londoner Label Pepe Jeans. „Aber heute muss jede Branche grün sein – zumal eine Jeans natürlich ist und Ursprünge in der Arbeiterklasse hat.“

    Der Schwenk zu mehr Nachhaltigkeit ist ernst. Das zeigt sich daran, dass auch die konsumentenfernen Zulieferer mitmachen. So hat etwa der türkische Denim-Zulieferer Orta Anadolu, mit 1 170 Mitarbeitern einer der Branchenriesen, mit einer eigenen Linie für recycelte Baumwolle begonnen. „Mit Bio haben wir im Jahr 2000 angefangen. Jetzt ist das nur noch ein Teil unserer Nachhaltigkeits-Initiativen“, sagt Marketing-Manager Ebru Ozaydin.

    Was jetzt klein beginnt, soll mittelfristig echten Umsatz schaffen. Trigema bringt seine modische Öko-Kollektion ab dem Frühjahr in die 50 eigenen Läden. „Wir haben uns bewusst entschieden, den Preis wie in unserer konventionellen Kollektion zu halten“, erläutert die junge Designerin Mona Ohlendorf. Sie sucht ganz neue Kunden für Trigema.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%