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Wearables, Fitnessbänder, Sportuhren Wie sich Polar gegen Apple & Co. wehrt

Quelle: Presse

Polar produzierte das erste Produkt, das Sportlern erlaubte, die Herzfrequenz im Training oder Wettkampf zu kontrollieren. Mit dem Siegeszug der Smartwatches muss sich das Privatunternehmen neu erfinden. Einmal mehr.

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Der Puls steigt, sobald man aufsteht. Jede Art von Anstrengung schlägt sich nieder. Sitzen, Stehen, Gehen – alles beschleunigt die Frequenz des Herzschlags. Erst recht Laufen, Schwimmen oder Langlaufski. Der Puls gehört für Sportler zum Indiz, wie es um ihre Leistung steht. Ende der Siebzigerjahre machte sich der Finne Seppo Säynäjäkangas daran, ein Gerät zu entwickeln, das es dem Sportler erlaubt, den Puls zu messen und dessen Verlauf aufzuzeichnen. Um darüber Auskunft zu bekommen, blieb zuvor nur die Möglichkeit, mit Uhr und Finger an der Halsschlagader die Pulsschläge zu zählen und den Puls zu berechnen.

1982 bracht Säynäjäkangas Unternehmen Polar den Sport Tester PE 2000 auf den Markt. Es gab damit Sportlern das erste tragbare, kabellose Messgerät an die Hand, um ihr Training zu überwachen und zu steuern. In den folgenden Jahrzehnten nutzten nach den zu Beginn sehr ambitionierten Sportlern auch immer mehr Breitensportler die immer kleineren, leichteren und leistungsfähigeren Geräte. Spätestens als mittels GPS sowohl Strecke – und damit Geschwindigkeit – als auch Puls gemeinsam gemessen werden konnten, fanden Polars Geräte viele Fans unter den zahllosen Läufern und Radfahrern, die in ihrer Freizeit ihren Sport engagiert ausüben.

Es gab wenig Grund zur Unruhe in der Nische, Polar galt und gilt noch heute vielen als der Inbegriff der Sportuhren. Aber keine Welt bleibt ewig heile. Mit dem Siegeszug mobiler GPS-Geräte betraten plötzlich neue Spieler den Markt. 2006 stellte das Unternehmen Garmin, bis dato Spezialist für GPS-Geräte für Autos und Yachten, eine Sportuhr vor.

Der Wettbewerb um die Kunden für Sportuhren war entfacht. GPS-Spezialisten wie TomTom oder Magellan traten mit eigenen Modellen an, es folgten die Smartwatches von Apple oder Samsung, die in erster Linie gar nicht Sportler als Zielgruppe hatten, aber deren Anforderungen an eine Sportuhr gleich mit erfüllten. Fitbit, Jawbone, preiswerte Modelle beim Discounter: immer mehr Unternehmen führten nun Sportuhren. Der Siegeszug der kleinen, unauffälligen Fitnessarmbänder, die Menschen zwecks Selbstoptimierung im Alltag trugen, wurde von neuen Marken vorangetrieben.

Polar mischte mit. Leicht fiel das dem Unternehmen mit seinen 1200 Mitarbeitern nicht. „Es gab sehr viele neue Anbieter. 2018 war ein hartes Jahr für uns“, sagt Laurens van den Berg, Marketing Director für Deutschland, Schweiz und Österreich. Waren die Bedürfnisse und Anforderungen von Sportlern für die Finnen noch gut zu überschauen, änderten sich mit dem Vormarsch der Fitnesstracker auch die Zielgruppen. Neue Spieler wie Fitbit oder Computerkonzerne wie Apple konnten die neuen Ansprüche rasch und erfolgreich bedienen.

Ende 2017 war in Deutschland Fitbit mit Abstand Marktführer, noch vor den Spezialisten wie Garmin oder Polar folgten Samsung und Apple. „Der Bereich mit Fitnesstrackern war für uns nicht nachhaltig“, sagt van den Berg, „und ehrlicherweise hatten wir auch nicht das richtige Produkt.“

Die Giganten wie Samsung und Apple integrierten Fitnessfunktionen oder Schlafmessungen in ihre Smartwatches. Wer heute seine sportlichen Aktivitäten aufzeichnen will, braucht dafür bis zu einem bestimmten Leistungsstand keine Spezialuhren mehr. Polar hat das erkannt. „Wir möchten uns über den Sport definieren“, umschreibt van den Berg den Strategiewandel.

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