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Weiter rote Zahlen Leoni macht im ersten Halbjahr 176 Millionen Euro Verlust

Leoni tief in den roten Zahlen: 44 Millionen Euro Quartalsverlust Quelle: Leoni

Die Flaute in der Autoindustrie hinterlässt tiefe Kratzer: Der angeschlagene Autozulieferer Leoni rutscht noch tiefer in die roten Zahlen. Im zweiten Quartal müssen die Nürnberger erneut einen Verlust vermelden.

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Der Nürnberger Autozulieferer Leoni rutscht tiefer in die roten Zahlen. Allein im zweiten Quartal stand ein Verlust von 44 Millionen Euro zu Buche, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte Leoni noch 41 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr lief damit ein Minus von 176 (Vorjahr: plus 84) Millionen Euro auf.

Der misslungene Anlauf eines neuen Werks im mexikanischen Merida und die Kosten des Sparprogramms „Value 21“ belasteten das Unternehmen. Der Umsatz schrumpfte im Halbjahr wegen der geringeren Nachfrage nach Bordnetzen und Kabeln aus der Autoindustrie um 5,5 Prozent auf 2,65 Milliarden Euro.

Immerhin habe Leoni die Mittelabflüsse aus dem operativen Geschäft bremsen können, hieß es im Zwischenbericht: Im zweiten Quartal flossen nur noch 72 Millionen Euro ab, im ersten waren es mehr als 300 Millionen Euro. Die Liquidität schrumpfte damit auf 649 Millionen Euro, davon sind nur 110 Millionen Euro Barmittel.

Management-Fehler und operative Probleme haben den Kabel- und Bordnetzspezialisten in finanzielle Engpässe gebracht. Das Kabel-Segment, das für knapp 40 Prozent des Umsatzes steht und auch Geschäfte mit der Elektroindustrie, der Medizintechnik und dem Anlagenbau macht, soll verkauft oder an die Börse gebracht werden. Leoni will sich ganz auf die Produktion von Bordnetzen (Kabelbäumen) für die Autoindustrie konzentrieren.

Der neue Leoni-Chef Aldo Kamper will das Unternehmen mit dem Komplett- oder Teilverkauf der Kabel- und Draht-Sparte oder deren Börsengang sanieren. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, die Umsetzung sei erst im nächsten Jahr zu erwarten. Kamper äußerte sich am Mittwoch zuversichtlich: „Wir erwarten, dass die bis Ende Juni implementierten Maßnahmen in den kommenden Jahren zu nachhaltigen Bruttokosteneinsparungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich führen werden“.

Wie die WirtschaftsWoche berichtete, hat Leoni kürzlich den Sanierungsspezialisten Hans-Joachim Ziems als Berater an Bord geholt. Der Kölner Unternehmensberater Ziems gilt als Mann für schwierige Fälle. Er hat in den vergangenen Jahren bereits die Werkstattkette A.T.U, den Immobilieninvestor IVG, den Holzverarbeiter Pfleiderer und den Antennen-Konzern Kathrein saniert, zum Teil auch als Restrukturierungsvorstand. Seit dem 1. August ist zudem eine neue Finanzvorständin an Bord: Ingrid Jägering übernahm das Amt als Chief Financial Officer (CFO) des angeschlagenen Zulieferers. Zuletzt war Jägering bei Osram Opto Semiconductors tätig.

Wissenswertes zu Leoni

Nach WirtschaftsWoche-Informationen haben sich vergangene Woche Montag rund 60 Vertreter von Banken, Kreditversicherern und des Unternehmens zu einer Krisensitzung in Frankfurt getroffen, weil die Liquiditätsrechnung eines Wirtschaftsprüfers auf eine angespannte Finanzlage Leonis hingedeutet habe, wie mehrere Teilnehmer berichteten. Die Gespräche des Treffens konnten die Befürchtungen jedoch zunächst ausräumen. Zwei Tage vor Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal war der Aktienkurs von Leoni bereits auf den tiefsten Stand seit Juli 2009 gefallen. Analysten verwiesen auf die prekäre Liquiditätslage des SDax-Unternehmens.

Auch für das Gesamtjahr rechnet Leoni mit roten Zahlen. Der operative Verlust vor Zinsen vor Steuern (Ebit) werde bei bis zu 50 Millionen Euro liegen, die Kosten für „Value 21“ und andere Sondereffekte kommen noch oben drauf. Im zweiten Halbjahr sollen aber kaum noch Mittel abfließen, der Free Cash-flow werde etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres von minus 385 Millionen Euro liegen.

Das Traditionsunternehmen Leoni hat seine historischen Wurzeln bereits im 16. Jahrhundert. Eine kleine mittelfränkische Drahtwerkstatt legte den Grundstein mit feinsten Gold- und Silberlitzen. Diese feinen Metallfäden werden für Stickereien benötigt, etwa für Trachten, Uniformen oder Gewänder von Geistlichen. Diese dekorativen Drahtgeflechte nennt man „Leonische Waren“ – daher auch der Name des Unternehmens.

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