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Weltmarktführer Krones füllt sie alle ab

Ohne Krones läuft im Getränkegeschäft nicht viel. Das Familienunternehmen ist Weltmarktführer für Abfüllanlagen. Ob in Sydney, Stockholm oder San Francisco, ob Bier oder Limo: Jede vierte Getränkeflasche weltweit wird von einer Krones-Anlage befüllt – in Europa sogar jede zweite.

Ob in Sydney, Stockholm oder San Francisco, ob Bier oder Limo: Jede vierte Getränkeflasche weltweit wird von einer Krones-Anlage befüllt. Quelle: dpa/dpaweb

Neutraubling ist nicht der Nabel der Welt. Die Stadt mit 13.000 Einwohnern wurde nach dem Krieg als Flüchtlingsstadt aus dem Boden gestampft. Von der kleinen Stadt in der Nähe von Regensburg würde kaum jemand reden, hätte Krones Gründer Hermann Kronseder nicht 1951 hier mit zwei Lehrlingen begonnen, seine Abfüllanlagen zu bauen.

Er legte damit den Grundstein für den heutigen Maschinenbaukonzern Krones mit rund 12 000 Mitarbeitern, der immer noch in Neutraubling seinen Sitz hat. Der börsennotierte Familienkonzern gehört zu jenen typisch deutschen Unternehmen, die außerhalb ihrer Branche nur wenige kennen, aber als sogenannte Hidden Champions in ihrer Marktnische den Weltmarkt prägen.

Bei seinem ersten Auftrag für die legendäre Abfüllanlage ST 1500 musste der Gründer noch auf einen Vorschuss bestehen, weil er kein Benzingeld für die etwa 50 Kilometer weite Fahrt nach Hause mehr hatte.  Heute spielen die umliegende Region und Deutschland keine bedeutende Rolle mehr für Krones. Etwa 90 Prozent der Anlagen gehen ins Ausland. Fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 2480 Millionen Euro kommen aus den Schwellenländern.

Mangel an Benzingeld gehört längst nicht mehr zu den Problemen, mit denen sich die Gründersohn und Krones-Chef Volker Kronseder herumschlägt. Das Unternehmen hat keinerlei Bankschulden. Die Eigenkapitalquote liegt bei 40  Prozent. Heute stellte der Vorstandsvorsitzende wieder einmal glänzende Zahlen vor. Im Jahr 2012 konnte der Maschinenbauer  seinen Umsatz um 7,4 Prozent steigern. Der Auftragseingang wuchs um 8,2 Prozent. Noch erfreulicher sieht die Ertragslage aus. Das Ergebnis vor Steuern stieg um rund ein Drittel auf 98 Millionen Euro.

Dabei hatte ein Rechtsstreit in den USA das Ergebnis mit rund 38 Millionen Euro belastet. Krones musste dort einem Vergleich im Zusammenhang mit einem betrügerischen Bankrott eines Kunden, dem Krones vor acht Jahren Anlagen geliefert hatte, zustimmen. Die Kläger, ein Hedgefonds und andere amerikanische Finanzdienstleister, hatten behauptet, dass Krones und der Pleitekunde, den Wert der gelieferten Anlagen zu hoch angesetzt hatten.

Die spektakulärsten Spezialisten
1,97 Milliarden Euro Umsatz, 12 320 Mitarbeiter, in 160 Länder aktiv: Der Motorsägen-Weltmarktführer Stihl trotzt den Rückschlägen in Südeuropa und setzt seinen Wachstumskurs weiter fort. In den ersten acht Monaten dieses Jahres steigerte Stihl seine Erlöse gleich um 7,9 Prozent. Ein Drittel aller Motorsägen weltweit vertreibt Stihl nach eigenen Angaben und diese weltweite Präsenz hat dabei geholfen, die regionalen Einbußen in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland abzufedern. Im vergangenem Jahr ging es dem Weltmarktführer aus Waiblingen auch sehr gut: Er machte ein sattes Rekordumsatzplus von 10,8 Prozent. Für 2012 rechnet Stihl mit einem etwas schwächeren Wachstum von "nur" 5 bis 10 Prozent. Quelle: dpa
Pisten plätten und Halfpipes formen, eine Pistenraupe muss für alles gerüstet sein. In der Umgangssprache heißen die Maschinen "Pistenbully". So, wie das Produkt der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Mit den unverkennbar roten Pistenraupen ist das Unternehmen zum Weltmarktführer aufgestiegen. Vorher stellte es Reisbusse und LKW-Anhänger her. Quelle: Presse
Nicht nur bei Kindern beliebt, auch auf Musikfestivals ein Renner: die "Pustefix"-Seifenblasen der Firma Hein aus Tübingen. In mehr als 50 Ländern gibt es das Produkt zu kaufen. Besonders Amerikaner und Japaner stehen auf die bunten Blasen aus Deutschland. Quelle: REUTERS
Roll-Leinen für Hunde kommen von Flexi. 1972 entwarf die Firma den Prototyp aus Holz. Heute gibt es auch Luxusmodelle mit Swarovski-Kristallen. Produziert wird nach Unternehmensangaben ausschließlich in Deutschland, verkauft in 90 Ländern weltweit. Quelle: dpa
Blick in die Tiefe: In einer Übung seilen sich Feuerwehrmänner am Hochhaus "Taipei 101" ab. Die Fassade für das 508 Meter hohe Gebäude in Taiwans Hauptstadt Taipeh hat der deutsche Spezialist Gartner gefertigt. Nur eines von vielen Großprojekten; auch in Dubai, London, New York und München stehen Glasfassaden von Gartner. Quelle: AP
Edles Ambiente im Bundeskanzleramt. Gespeist wird hier mit feinstem Silber. Das Besteck liefert die Silbermanufaktur Robbe und Berking aus Flensburg. 1874 gegründet, hat die Firma international einen Marktanteil von 40 Prozent erreicht. Ein Viererset (Gabel, Messer, Ess- und Kaffeelöffel) ihres Besteck Modells "Dante" aus dem Bundeskanzleramt kostet 575 Euro in 925er Sterling Silber oder 283 Euro mit 150 Gramm Massiv-Versilberung. Quelle: dpa
Der Prothesenhersteller Otto Bock Healthcare ist offizieller Ausrüster der Paralympics in London. Für Rollstühle, Arm- und Fußprothese und viele weitere Hilfsmittel gibt es technische Unterstützung. Als Weltmarktführer fördert Otto Bock auch die Athleten des Deutschen Behindertensportverbands. 400-Meter-Sprinter Oscar Pistorius, der schon bei den Olympischen Spielen gestartet war, setzt dagegen auf Prothesen vom isländischen Konkurrenten Össur. Quelle: dapd

Kronseder hält die Vorwürfe für unbegründet, hatte sicher aber wegen der „besonderen Risiken des amerikanischen Rechtssystems“ wie er es vorsichtig formulierte, zu einem Vergleich bereit erklärt. Das Verfahren sollte an ein Geschworenengericht gehen. Die Krones-Juristen befürchteten, dass die Geschworenen, in der Regel Laien, nicht in der Lage seien, die von Krones eingereichten Dokumente mit über einer Million Seiten zu verstehen. Insgesamt beliefen sich die Kosten für den Vergleich und andere Rechtskosten für Krones auf rund 100 Millionen Euro.

Tröstlich für die Bayern: Mit der Belastung auf das Ergebnis 2012 ist das US-Drama ausgestanden. Im kommenden Jahr fallen keine Negativeffekte aus dem Rechtsstreit mehr an. Dann könnte sich wie in diesem Jahr – die Sonderlast ausgerechnet – Krones wieder dem Profitprofil der goldenen Jahre 2007 und 2008 annähern mit Vorsteuerergebnissen von rund 150 Millionen Euro.

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