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Werner Müller "Ich halte nichts von Handelskriegen"

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Energiekonzerne haben sich verrechnet

Diese Unternehmen produzieren ihren Strom selbst
VolkswagenVolkswagen betreibt inzwischen eigene Kraftwerke unterschiedlicher Art an fast allen Standorten. Im Werk Emden läuft zum Beispiel eine Biomasseanlage. Dabei sind die Anlagen nicht alle umweltfreundlich. Viele werden von Dieselmotoren der Konzerntochter MAN angetrieben. Aber der Wille von Konzernchef Martin Winterkorn zur dezentralen Eigenversorgung mithilfe erneuerbarer Energien ist da. So will VW 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 für den Ausbau erneuerbarer Energien an den Unternehmensstandorten ausgeben Quelle: dpa
Aldi SüdStromerzeuger in besonders großem Stil ist der Discountgigant Aldi Süd geworden. Auf rund 300 Dächern seiner Filialen hat der Billigriese aus Mülheim an der Ruhr Solaranlagen schrauben lassen. Hinzu kommen riesige Panelflächen auf den Dächern von 30 Logistikzentren. Damit ist Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, immerhin ein Zehntel eines kleinen Kernkraftwerks. Die prognostizierte Stromproduktion aller Anlagen pro Jahr liegt bei 71 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht laut Aldi-Angaben dem Stromverbrauch von rund 24.000 Vier-Personen-Haushalten. Gerechnet auf zwölf Monate werde Aldi Süd fast die Hälfte der produzierten Menge für den Eigenverbrauch nutzen, heißt es aus dem Discount-Imperium Quelle: dpa
Metro-GroupDer Düsseldorf Handelskonzern Metro hat Anfang des Sommers 2013 für seine Großverbrauchermärkte am Konzernsitz sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Künftig können die beiden Standorte sich selbst mit Strom und Wärme aus Erdgas versorgen. Die beiden Kraftwerke wurden in Kooperation mit dem ebenfalls in Düsseldorf beheimateten E.On-Konzern errichtet, der für den Gaseinkauf verantwortlich ist. „Dank der Blockheizkraftwerke können wir die Energieversorgung für die beiden Standorte langfristig sichern und zugleich die Kosten beträchtlich senken“, sagt Olaf Schulze, Geschäftsführer der Metro Properties Energy Management. „Mit einer Eigenproduktion können alle Kosten, die mit dem Netzbezug verbunden sind, wie zum Beispiel EEG-Umlage und Nutzungsentgelte, vermieden werden.“ Quelle: dpa
ReweDer Kölner Lebensmittel-Filialist Rewe schickte vor wenigen Wochen für ihr Logistikzentrum in Eitting bei München ein Biogas-Blockheizkraftwerk an den Start. Die Anlage versorgt den mehr als 60.000 Quadratmeter großen Büro- und Lagerkomplex dezentral und bedarfsgerecht mit umweltfreundlicher Energie. In den Sommermonaten wird mit der Heizenergie Kälte produziert, was die Großkälteanlagen für das Tiefkühl- und Kühllager des Logistikzentrums entlastet. Die rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom, die pro Jahr produziert werden, werden in das Stromnetz eingespeist. Quelle: dpa
Molkerei GropperNeben Joghurts, Kaffeespezialitäten und Säften produziert die bayrische Molkerei Gropper seit Beginn des Jahres auch Energie. Die durch das gasbetriebene Blockheizkraftwerk gewonnene Energie kommt dabei in erster Linie der Stromversorgung zugute, die zu 65 Prozent den Eigenbedarf deckt. Auch Gropper erzeugt aus einem Teil der Abwärme Kälte, um damit seine Produkte zu kühlen. Mit dem anderen Teil wird Wasserdampf erzeugt, der der Herstellung von Joghurt, Pudding oder haltbarer Sahne dient. „Die steigenden Kosten der vergangenen Jahre, auch im Energiebereich, haben diesen Schritt für uns notwendig und auch sinnvoll gemacht“, sagt Gropper-Inhaber Heinrich Gropper. Er geht davon aus, dass er sein Blockheizkraftwerk bald ausbauen wird, um den Energiebedarf langfristig nur noch aus Eigenproduktion zu decken. Quelle: dpa
StuteAls Vorreiter der Eigenversorgung in der Lebensmittelindustrie gilt der Handelsmarkenproduzent Stute in Paderborn, der Säfte und Konfitüre für Handelsunternehmen wie Aldi herstellt. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen Jahren fast 15 Millionen Euro investiert: 9,5 Millionen Euro flossen in mehrere Fotovoltaik-Anlagen, die sich am Firmensitz auf Dächern und Freiflächen mittlerweile auf 95.000 Quadratmetern erstrecken. 4,5 Millionen Euro steckte Stute in drei Windräder, die pro Jahr 7,2 Millionen Kilowattstunden liefern. Den Energiemix komplettiert eine Biogasanlage, die mit Abfällen aus der Fruchtverarbeitung arbeitet. Die Investitionen in die Autarkie zeigen Wirkung. Stute liegt bei der Eigenversorgung mit Strom schon bei rund 50-Prozent. Und das zu günstigen Tarifen. Weil keine Abgaben für den selbst produzierten und verbrauchten Strom anfallen, rechnet Stute mit Stromkosten von weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde – fast so wenig, als würde sich das Unternehmen jeden Tag preiswert auf dem Spotmarkt an der Leipziger Strombörse bedienen. Quelle: dpa
BMWVier knapp 180 Meter hohe Windmühlen stehen am Westrand des BMW-Werksgeländes in Leipzig. Im Herbst dieses Jahres startet dort die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs BMW i3, im Frühjahr 2014 soll die Sportwagenvariante BMW i8 folgen. Die vier Mühlen schaffen eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern, so viel, wie 8000 Haushalte verbrauchen. Weht kein Wind, muss BMW seinen i3 mit ganz ordinärem Strom aus dem öffentlich zugänglichen Netz produzieren. Der Strom der Windräder allerdings ist komplett dem Verbrauch im Werk vorbehalten und geht nicht ins Netz. Realisiert hat das Projekt der Entwickler wpd aus Bremen. Er betreibt den Miniwindpark und verkauft den Strom an BMW. Quelle: dpa

Was wollen Sie uns damit sagen?

Dass die Energieversorgungsunternehmen von dieser Möglichkeit in den ersten Jahren leider sehr wenig Gebrauch gemacht haben. Stattdessen haben sie immer darauf spekuliert, wenn Rot-Grün mal nicht mehr die Bundesregierung stellt, dass der Vertrag aus meiner Zeit geändert und die Laufzeit der KKWs verlängert wird...

...ein harter Vorwurf.

Die Unternehmen hätten ja den Aufbau von regenerativen Energien frühzeitig selbst in die Hand nehmen können. Heute leiden sie darunter, dass sie sich nicht schon damals ausreichend daran beteiligt haben.

Ist die Reform des EEG von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nicht zu zaghaft?

Man kann nicht alles von einem Tag auf den anderen ändern. Nehmen Sie die Befreiung der Unternehmen, die ihren Strom selbst erzeugen, von der EEG-Umlage. Sie können einer BASF oder einer Bayer nicht sagen, so, jetzt zahlst du die vollen 6,24 Cent pro selbst erzeugter Kilowattstunde. Man könnte sich durchaus vorstellen, zum Beispiel den Zubau erneuerbarer Energien zu kontingentieren oder ihn am Markt auszuschreiben. Nur, das System zu revolutionieren halte ich für nicht machbar.

Das klingt defätistisch.

Tatsache ist: Wir werden uns wohl darauf einstellen müssen, dass die Ökostromumlagen steigen. Wenn die Logik der Energiewende aber greift, dass wir uns in der Zukunft im Wesentlichen von regenerativem Strom versorgen und dies auch noch wirtschaftlich tun werden, dann wäre zu überlegen, ob man die Subventionen dafür streckt, sprich: einen Kredit dafür aufnimmt und damit die Lasten auch auf die künftigen Nutznießer verteilt. So wie dies zuletzt die ehemalige Verbraucherministerin Ilse Aigner von der CSU vorgeschlagen hat.

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Wie würden Sie das Problem lösen, dass der viele Ökostrom immer mehr fossile Kraftwerke zur Unwirtschaftlichkeit und zur Schließung verdammt, obwohl sie für den Fall gebraucht werden, dass einmal zu wenig Wind weht und die Sonne kaum scheint?

Ich wüsste nicht, wer in diesem Fall ansonsten einspringen könnte als die vorhandenen fossilen Kraftwerke. Dafür müssten sie allerdings die übrige Zeit bezahlt werden, in der sie keinen Strom liefern. Ich stimme dem Vergleich zu, dass wir die Feuerwehr ja auch nicht nur bezahlen, wenn sie löscht. Dann wäre es billiger, ein Haus abbrennen zu lassen, als pro Liter Löschwasser, sagen wir mal 2000 Euro, bezahlen zu müssen.

Was heißt das auf die Versorgungssicherheit mit Strom übertragen?

Dass wir die Verantwortung für die Versorgungssicherheit klar jemandem zuweisen müssen. Denn versorgungssicherer Strom wird am Markt gehandelt. Wir haben also die Situation, dass jeder Stromlieferant für längere Zeit im Voraus eine gesicherte Stromerzeugung kaufen kann. Insofern könnte man sagen, überlassen wir alles dem Markt. Doch dies unterschlägt einen bisher sträflich vernachlässigten Punkt.

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