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Wincor Nixdorf Der erbitterte Kampf gegen die Übernahme

Der Geldautomatenhersteller Wincor-Nixdorf will eine Übernahme abwenden, indem er sich bei der Fertigung mit anderen Unternehmen zusammentut. Im Gegenzug soll ein margenstärkerer Geschäftszweig ausgebaut werden.

Der Geldautomatenhersteller Wincor-Nixdorf wird wohl übernommen. Quelle: dpa/Montage

Nein, ein Sommerloch gab es für Eckard Heidloff in diesem Jahr wahrlich nicht: Seit Anfang Juni muss der Vorstandschef des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf beinahe im Wochentakt zu Übernahmegerüchten Stellung beziehen. Mal hieß es, der US-Rivale Diebold wolle das Unternehmen im westfälischen Paderborn schlucken. Dann wieder verlautete, Wincor Nixdorf habe sich selbst zum Verkauf gestellt und bereits Investmentbanken damit beauftragt.

Immer wieder hielt Heidloff dagegen und beteuerte, Wincor Nixdorf wolle eigenständig bleiben. „Das Thema Industriekonsolidierung wird nun schon seit Jahren diskutiert. Ich werde es mit Stellungnahmen von unserer Seite nicht mehr anheizen“, sagte er zuletzt bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli genervt.

Weltweite Software-Umsätze der führenden deutschen Software-Hersteller im Jahr 2013

Umso mehr verstärkt der Wincor-Nixdorf-Chef nun offenbar die Anstrengungen, die Eigenständigkeit zu sichern. Mit einem Umbauprogramm bis 2018, das den Abbau von 1100 Stellen einschließt, will Heidloff die Abhängigkeit von der Gerätefertigung senken und das margenstärkere Software- und Dienstleistungsgeschäft ausbauen.

Dabei helfen sollen Wettbewerber in den verschiedenen Märkten. „Es gibt Gespräche mit nahezu allen Anbietern über bestimmte Formen von Partnerschaften, das ist unser erklärtes Interesse“, sagte Heidloff der WirtschaftsWoche.

Vorbild ist die angekündigte Kooperation in Brasilien mit dem dortigen IT-Hersteller Perto. Der übernimmt künftig die Endfertigung der Wincor-Nixdorf-Geldautomaten. „Die Fertigungs-Partnerschaft in Brasilien ist eine Blaupause, die wir uns auch für andere Regionen vorstellen können“, sagt Heidloff. „Wir müssen im Hardwaregeschäft nicht weltweit alles anbieten und alles aus eigener Kraft herstellen.“

Fertigung in China auf dem Prüfstand

Der nächste Markt, auf dem Wincor Nixdorf eine eigene Fertigung aufgeben könnte, dürfte das Reich der Mitte sein, wo die Paderborner ebenfalls Geldautomaten produzieren. „In China gibt es gesetzliche Bestimmungen, die lokale Anbieter zulasten westlicher IT-Player begünstigen. Das beeinträchtigt unser Geschäft dort“, sagt Heidloff. „Aus diesem Grund prüfen wir aktuell auch verschiedene Optionen für unser dortiges Geschäft.“

Das Problem mit den Bankautomaten

Bei den Anlegern kommen die Schritte gut an. „Im Gegensatz zu dem Restrukturierungsprogramm vor drei Jahren geht das Management die Probleme nun an und reduziert seine Kapazitäten“, sagt Björn Voss, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg in Hamburg. Dies seien die richtigen Maßnahmen, um die Kosten wieder in den Griff zu bekommen. Seit dem Tiefstand im Juni hat sich auch die Aktie leicht erholt.

Wincor-Nixdorf und Diebold im Vergleich

Klar ist: Der Markt für Bankautomaten und elektronische Registrierkassen stagniert seit geraumer Zeit. Alle drei großen Anbieter, zu denen neben Wincor Nixdorf und Diebold der ebenfalls aus den USA stammende Marktführer NCR gehört, kämpfen gegen die andauernd schwache Nachfrage insbesondere bei den Banken. Das drückt auf die Preise und die Profitabilität.

Diebold und NCR

NCR hat darauf mit teuren Übernahmen von Softwareanbietern reagiert und sich dabei möglicherweise verzettelt. Mitte Juli kündigte eine Investorengruppe um die US-Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo in Chicago an, NCR für rund neun Milliarden Dollar inklusive Schulden übernehmen und zerlegen zu wollen.

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Rivale Diebold dagegen hat sich ebenfalls ein Umbauprogramm verordnet, jedoch früher als Wincor Nixdorf damit begonnen. Deshalb bewertet die Börse die Amerikaner trotz vergleichbarer Größe rund doppelt so hoch wie die Westfalen. Daher rührt die Überlegung der Anleger, Diebold könnte einen Kauf des deutschen Rivalen stemmen.

Ob das wirklich sinnvoll wäre, scheint allerdings fraglich. Zwar ergänzen sich Diebold und Wincor Nixdorf bei der regionalen Präsenz. Die Amerikaner sind stark auf ihrem Heimatmarkt und haben sich aus Europa zurückgezogen. Dort wiederum haben die Deutschen ihren Kernmarkt. Doch beide Unternehmen stehen vor dem Problem, dass sie zu viel selbst herstellen und damit zu sehr dem Preisdruck bei den Geldautomaten ausgesetzt sind.

Eine Übernahme würde dieses Problem nicht lösen, sondern sogar vergrößern. „Ein Zusammenschluss“, sagt Commerzbank-Analystin Yasmin Moschitz, „bedeutete letztlich eine Restrukturierung auf noch höherem Niveau.“

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