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Windenergie Vestas schwebt über allen

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15 Entlassungen wegen Compliance-Verstößen


Von dieser Entwicklung dürfte sich Vestas nicht ganz abkoppeln können, wenngleich Runevad etwaige Einbußen über Markanteilszugewinne wettmachen will. Den so wichtigen US-Markt, indem Vestas fast die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet, sieht Runevad als „stabil“ an. Der neue Präsident der Vereinigten Staaten ist allerdings alles andere als ein Freund von mehr als 200 Meter hoch in den Himmel ragenden Windmühlen.

So wütete Donald Trump bereits 2012 auf Twitter gegen Windräder, die seiner Ansicht nach ein „ökologisches und ästhetisches Desaster“ seien. Bei einem Besuch der amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ kurz nach seiner Wahl legte Trump noch einmal nach: „Windmühlen töten Vögel, und Windmühlen benötigen massive Subventionen“. Es störe ihn zudem, dass nicht alle Windräder, die in Amerika installiert werden, auch in den USA hergestellt werden. Inwieweit Trumps Abneigung gegen Windkraftanlagen aus Europa tatsächlich in eine nachteilige Politik für Konzerne wie Vestas münden könnte, ist offen.

Vestas-Chef Runevad geht jedenfalls davon aus, dass die 30-prozentigen Steuervergünstigungen, die in den USA für Windenergieanlagen gelten, bis 2020 Bestand haben werden. Während der neue US-Präsident Runevad also kaum Sorgen bereitet, kämpft der Manager im eigenen Unternehmen weiterhin gegen mutmaßlich korrupte Mitarbeiter.

2016 wurden bei Vestas 111 mögliche Verstöße gegen Compliance- oder Ethikregeln gemeldet. Substanziell nachweisbares Fehlverhalten lag laut Geschäftsbericht in 19 Fällen vor, 16 weitere Fälle werden noch untersucht. In der Folge hat Vestas wie bereits 2015 insgesamt 15 Mitarbeiter entlassen und mehrere Beschäftigte verwarnt.

Der deutsche Vestas-Standort im nordfriesischen Husum könnte womöglich ein Knotenpunkt für unlautere Praktiken gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelte bis zuletzt gegen drei Ex-Manager wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen mit Hilfe überhöhter Rechnungen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Der vermutete Schaden beträgt rund 18 Millionen Euro.

Ende 2015 erklärte Vestas-Chef Runevad im Handelsblatt-Interview, dass er „null Toleranz“ zeige, wenn es um Korruption gehe. Er habe den Ethikkodex überarbeitet, Überprüfungen ausgeweitet und stelle in Schulungen sicher, dass seine Mitarbeiter die Regeln kennen. Im vergangenen Jahr hatten aber offenbar noch nicht alle Beschäftigten die Vorgaben ihres Chefs völlig verinnerlicht.

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