Wintershall BASF-Tochter und Gazprom besiegeln „Deal mit Signalwirkung“

Wintershall-Chef Mehren setzt mit einem milliardenschweren Asset-Tausch mit Gazprom ein Zeichen in frostigen Zeiten. Kritiker fürchten, dass sich die Abhängigkeit Europas vom russischen Gas dadurch vergrößert.

Die Russen werden bis Ende 2015 den 50-Prozent Anteil von Wintershall am bisherigen Joint-Venture Wingas übernehmen. Quelle: dpa

Die BASF-Tochter Wintershall und der weltgrößte Gasproduzent Gazprom arbeiten seit einem Vierteljahrhundert eng zusammen. Deshalb hatte es eine große Signalwirkung als selbst diese beiden Partner Ende vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise ein lange geplantes Geschäft kurz vor dem Abschluss noch aussetzten.

Jetzt wird die Transaktion, ein umfangreicher Asset-Tausch aber doch noch besiegelt - und nach den Worten von Wintershall-Chef Mario Mehren soll auch dieser Schritt eine politische Stahlkraft haben: „Wir setzen ein Zeichen für Kontinuität in der Zusammenarbeit. Gerade in politisch schwierigen Zeiten müssen wir Brücken bauen – nicht noch mehr Brücken abreißen“, sagte er am Wochenende dem Handelsblatt: „Wir gehen davon aus, dass diese Entscheidung als Zeichen des gegenseitigen Vertrauens und der Kooperation eine Signalwirkung entfalten kann.“

Die Russen werden bis Ende des Jahres den 50-Prozent Anteil von Wintershall am bisherigen Joint-Venture Wingas übernehmen. Der Gasgroßhändler vertreibt russisches Gas in Westeuropa und betreibt Gasspeicher. Im Gegenzug bekommt Wintershall stärken Zugang zur Gasförderung in Sibirien. Das Joint-Venture Achimgaz, das die beiden Partner in Westsibirien betreiben, wird ausgeweitet.

Gazprom und Wintershall hatten das Geschäft 2013 beschlossen. Ende 2014 als alle Genehmigungen vorlagen und der Abschluss unmittelbar bevor stand, wurde das Geschäft aber kurzfristig und überraschend wieder abgesagt. Damals war die Ukraine-Krise auf dem Höhepunkt. Gazprom-Chef Alexei Miller hatte vom Kreml offenbar eine härtere Gangart gegenüber dem Westen diktiert bekommen und sah ein noch größeres Engagement im europäischen Gashandel als nicht opportun an.

Nur kurz zuvor hatte er schon die geplante Pipeline South Stream, die durch das Schwarze Meer führen sollte, überraschend abgesagt und damit seine westlichen Partner, darunter BASF, brüskiert. Gleichzeitig verkündete Miller sogar eine Strategiewechsel. Europa habe keine Priorität mehr, sagte er. Gazprom wolle sich verstärkt anderen Märkten zu wenden. Beim Partner BASF und seiner Tochter Wintershall war man sichtlich irritiert.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

Von diesem Strategiewechsel rückt Gazprom, das rund ein Viertel des europäischen Gases liefert, aber nun offenbar wieder ab. Zunächst beschlossen die Russen die Ostseepipeline auszubauen und die Kapazitäten zu verdoppeln. Am Freitag wurden die Verträge offiziell unterzeichnet. Und nun wird der Assettausch mit BASF nun doch noch überraschend vollzogen.

Der Deal war zwar schon in der Vergangenheit auf Kritik gestoßen. Er vergrößere die Abhängigkeit Europas vom russischen Gas, hieß es. Die Bundesregierung bekräftigte aber, dass sie keine Einwände hat: „Einer erneuten Prüfung bedarf es nicht, wenn der Asset-Tausch in gleicher Form vollzogen wird“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium.

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Wintershall-Chef Mehren kann die Kritik ohnehin nicht verstehen: „Eine sichere Energieversorgung Europas geht nur mit Russland“, sagte er. Und mit der Transaktion werde in diesen Zeiten eben ein Zeichen gesetzt: „Denn trotz der politischen Spannungen erhält ein deutsches Unternehmen direkten Zugang zu russischen Erdgasquellen und ein russisches Unternehmen investiert in der EU weiter in Erdgashandel und Gasspeicher und damit in Versorgungssicherheit.“

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