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Wirbel um Instagram-Post Dalai Lama beschert Mercedes einen Shitstorm

Dalai Lama beschert Mercedes einen Shitstorm in China Quelle: dpa

"Betrachte eine Situation von allen Seiten und du wirst offener": Mercedes erregt mit diesem Spruch des Dalai Lama in China die Gemüter. Der Autobauer muss sich öffentlich entschuldigen.

Eigentlich ist es ein banaler Glückskeks-Spruch: „Betrachte eine Situation von allen Seiten und du wirst offener.“ Geadelt wird seine Aussagekraft wohl nur deshalb, weil er vom Dalai Lama kommt. Das wird sich auch jemand aus dem Social-Media-Team von Mercedes-Benz gedacht haben, als er ihn am Montag mit dem Bild eines Autos und dem Hashtag „Monday Motivation“ auf Instagram postete.

Der gemeine Nutzer wird über so viel Banalität vermutlich gegähnt haben. Fast Hunderttausend drückten auf „Like“. Aber zahlreiche chinesische Instagram-User zeigten sich empört. Ihnen gilt der Friedensnobelpreisträger als Unruhestifter. 1959 musste das geistige Oberhaupt der Tibeter ins Exil nach Indien gehen. Seitdem wirbt er dafür, dass Tibet „echte Autonomie“ von Peking bekommt.

Am heutigen Dienstag war das Bild gelöscht, stattdessen erschien eine Entschuldigung auf dem offiziellen Weibo-Konto des Autoherstellers. Der konkrete Anlass wurde nicht beim Namen genannt, aber man entschuldigte sich für „falsche Informationen“, die „die Gefühle des chinesisches Volkes verletzet“ hätten. Man werde „sofort Schritte unternommen, um unser Verständnis für die chinesische Kultur und Werte zu vertiefen.“ Daimler-Sprecherin Simonette Illi erklärte, chinesische Behörden hätten keinen Druck ausgeübt. Man habe aus eigenem Antrieb gehandelt.

Doch auch dieser Schritt blieb nicht ohne Kritik: Die NGO International Campaign for Tibet sprach in einer Mitteilung von einem „beschämenden Kotau vor der Diktatur“. Ohne Not passe sich Mercedes den Sprachregelungen der Kommunistischen Partei an.

China ist für Daimler der größte Absatzmarkt. Allein 2017 konnte der Stuttgarter Autobauer 587.868 Autos in das Land verkaufen. Der Zuwachs von 26 Prozent zum Vorjahr liegt weit über dem globalen Durchschnitt von 10 Prozent.

Der Vorfall bei Daimler ist kein Novum: Erst letzten Monat zogen Delta Air Lines und Zara den Zorn von Nutzern und Behörden auf sich. Die Unternehmen hatten auf ihren Webseiten Taiwan und Tibet als Länder bezeichnet –China beansprucht jedoch Souveränität über beide Gebiete. Die Webseite der Hotelkette Marriott International wurde sogar kurzfristig von staatlicher Seite geblockt, weil sie einen ähnlichen geographisch-politischen Fauxpas begangen hatte.

Apropos Internetverbote: Wenn man die Situation lange genug betrachtet, ergeben sich tatsächlich noch offene Fragen. Denn eigentlich ist Instagram in China geblockt. Chinesische Nutzer dürften das Bild also eigentlich gar nicht gesehen haben, geschweige denn davon „verletzt“ worden sein. Wie es nun dazu kommen konnte, kann Mercedes nicht beantworten. Vielleicht hilft eine Weisheit des Dalai Lama. Der hat mal gesagt: „Denk daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.“

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