WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Wirtschaftliche Aussichten Wie tief der Ölpreis noch fällt

Für Autofahrer und Besitzer von Ölheizungen ist die Lage derzeit erfreulich: Der Ölpreis ist dramatisch gesunken – Resultat des weltweit stark gestiegenen Angebots. Wie tief der Preis noch fallen wird.

Welchen Staaten der niedrige Ölpreis besonders schadet
Erdölförderung Quelle: dpa
Ölförderung in Saudi-Arabien Quelle: REUTERS
Ölförderung in Russland Quelle: REUTERS
Oman Ölpreis Quelle: Richard Bartz - eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons
Öl-Leitung im Niger-Delta Quelle: dpa
Ölförderpumpe in Bahrain Quelle: AP
Venezuela Ölförderung Quelle: REUTERS

Der Ölpreis ist dramatisch gesunken. Das Barrel Rohöl kostete am Handelsplatz London zu Jahresanfang und auch noch Anfang Juli etwa 110 US-Dollar. Inzwischen sind es nur noch 85 Dollar, Benzin- und Dieselpreise fielen zeitweise auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Das Geld, das die Konsumenten beim Tanken sparen, können sie jetzt für andere Güter ausgegeben.

Trotzdem ist der aktuelle Preisverfall nicht unbedingt eine gute Nachricht für die Weltwirtschaft. Denn fallende Ölpreise sind oft die Folge einer stockenden Konjunktur und dementsprechend flauen Nachfrage. Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, stürzte der Ölpreis in weniger als einem halben Jahr um 75 Prozent ab. Und auch in diesem Jahr reagierten die Erdölmärkte in London und New York immer wieder auf schlechte Konjunkturdaten aus Europa oder Ostasien mit überdurchschnittlichen Tagesverlusten.

Der Verfall des Ölpreises kommt beim Verbraucher an

Trübe wirtschaftliche Aussichten allein können den Abwärtstrend der vergangenen Wochen indes nicht erklären. „Es gibt ein steigendes Angebot an den Ölmärkten, das beeinflusst die Preise derzeit stärker als die Entwicklung der Nachfrage“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank in Frankfurt.
Allen politischen Krisen zum Trotz wird weltweit immer mehr Öl produziert. So hat etwa der irakische Ölexport unter dem Vormarsch der islamistischen Terrormilizen kaum gelitten.

Noch wichtiger für das Marktgeschehen im Oktober waren die Ereignisse in Libyen. Das nordafrikanische Land förderte und exportierte 2013 noch durchschnittlich fast eine Million Barrel Öl pro Tag. Dann versank Libyen im Bürgerkrieg, die Förderung sank auf etwa 200.000 Barrel am Tag.

Die Unruhen seitdem dauern zwar an, doch die wichtigsten Pipelines und Ölhäfen funktionieren seit September trotzdem wieder: Auch Milizenführer wollen eben am Erdöl verdienen. Mit 900.000 Barrel pro Tag ist das Land mittlerweile an die Märkte zurückgekehrt.

Folgen des Fracking

Das sind die sparsamsten Autos
Mercedes SL 63 AMGLeistung: 537 PS Hubraum: 5,5 Liter Verbrauch: 9,9 Liter Benzin/100 Kilometer Preis: ab 160.000 Euro Besonderheit: Weniger Hubraum, mehr Leistung, vier Liter weniger Verbrauch als Vorgänger
Ford Focus 1.0 EcoboostLeistung: 100/125 PS Hubraum: 1,0 Liter Verbrauch: 4,8/5,1 Liter Benzin/100 Kilometer Preis: ab 18.050 Euro Besonderheit: Der erste Drei-Zylinder-Motor in der Golf-Klasse Quelle: Ford
VW Polo BlueGTLeistung: 140 PS Hubraum: 1,4 Liter Verbrauch: 4,7/ Liter Benzin/100 Kilometer Preis: k.A. Besonderheit: Zylinderabschaltung Quelle: Volkswagen
BMW M 550dLeistung: 381 PS Hubraum: 3,0 Liter Verbrauch: 6 Liter Benzin/100 Kilometer Preis: ab 80.000 Euro Besonderheit: drei Turbolader, mehr Power, spontaneres Ansprechen bei niedrigen Drehzahlen Quelle: BMW
Audi A3 1.8 TLeistung: 160 PS Hubraum: 1,8 Liter Verbrauch: 5,6–5,2 l/100 km Preis: ab 26.000 Euro Besonderheit: 50 Kilo leichter, 20 Prozent weniger Verbrauch Quelle: Audi

Hinzu kommt der Fracking-Boom in den USA, der die globalen Ölmärkte durcheinanderwürfelt. 2008 haben die Amerikaner pro Tag durchschnittlich 6,8 Millionen Barrel gefördert und 19,5 Millionen verbraucht. Fünf Jahre später ist der Verbrauch leicht auf 18,9 Millionen Barrel gesunken – die Produktion aber dank neuer Fördermethoden vom Fracking bis zur Querbohrung auf scheinbar erschöpften Ölfeldern auf zehn Millionen Barrel gestiegen.

Die Folge: Öl aus Angola und Nigeria, das bislang in die USA floss, wird jetzt in Europa angeboten, beobachtet Commerzbank-Analyst Fritsch. Auch dies hat den für Deutschland wichtigen Marktpreis in London so stark einbrechen lassen.

Weil die amerikanische Ölproduktion immer noch ungebrochen zunimmt, könnte der Preis in den kommenden Monaten weiter sinken. Es sei denn, Saudi-Arabien und seine Partner im Produzentenkartell Opec würden diese Rechnung durchkreuzen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%