Zahlungsverkehr Unternehmen sind noch nicht fit für SEPA

Deutsche Unternehmen sind bei der Einführung des neuen Standards beim Zahlungsverkehr gegenüber ihren europäischen Konkurrenten im Hintertreffen. Die Bundesbank warnt vor einem Datenstau.

Das europaweit einheitliche Zahlungssystem SEPA tritt am 1. Februar 2014 in Kraft. Quelle: dpa

In Deutschland besteht nach den Worten von Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele bei der Umstellung des Zahlungsverkehrs auf den neuen einheitlichen europäischen SEPA-Standard noch großer Handlungsbedarf.

Er sehe “die Gefahr, dass viele Zahlungen an den Tagen rund um den 1. Februar 2014 nicht abgewickelt werden können”, sagte Thiele. Bis zum genannten Datum müssen Überweisungen und Lastschriften im Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area, SEPA) in einem neuen technischen Datenformat erfolgen. “Ich befürchte, dass sich eine Bugwelle aufbaut, die dann sukzessive Fall für Fall abgebaut werden muss”, sagte Thiele.

Deutsche Unternehmen sind bei der Einführung des neuen Standards gegenüber ihren europäischen Konkurrenten im Hintertreffen. Während im Euroraum insgesamt im Juni 47 Prozent der Überweisungen und 3,7 Prozent der Lastschriften nach SEPA- Standard abgewickelt wurden, nutzten Unternehmen in der größten Volkswirtschaft des Währungsraums im ersten Quartal nur in 8,7 Prozent bzw. 0,1 Prozent der Fälle das neue Verfahren. Im zweiten Quartal änderte sich daran wenig, teilte die Bundesbank mit.

“Jede Bank ist gut beraten, jetzt den Kontakt zum Kunden zu suchen, zu informieren und nachzufragen, ob die Umstellung nach Plan läuft”, sagte Thiele. Die Bundesbank will ab Herbst 3 Mio. Euro für eine Kampagne ausgeben, um SEPA stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben.

Um eine reibungslose Umstellung zu gewährleisten, sollten Unternehmen unter anderem eine Gläubiger-Identifikationsnummer bei der Bundesbank beantragen und ihre Kunden über das neue Verfahren informieren.

Was deutsche Unternehmen über das künftige Überweisungssystem Sepa wissen

Ein knappes Viertel der 213 Billionen Euro, die 2011 innerhalb der Europäischen Union überwiesen wurden, stammte aus Deutschland. Von den 18 Billionen Euro an Lastschriften entfielen fast drei Viertel auf die Bundesrepublik.Die große Bedeutung der Lastschriften im deutschen Zahlungsverkehr macht die Umstellung für Banken und Unternehmen komplizierter und aufwendiger.

SEPA ermöglicht es Kunden, den gesamten Zahlungsverkehr in Euro europaweit von einem einzigen Konto abzuwickeln. Insgesamt 33 Länder beteiligen sich an dem Projekt, das einen europäischen Binnenmarkt für Zahlungsverkehrsleistungen schaffen soll. Die Einhaltung des neuen Standards ist ab 1. Februar verbindlich vorgeschrieben.

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