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Zolgensma-Start in Deutschland Macht die Preise endlich transparent!

Das Medikament Zolgensma. Quelle: AP

Das teuerste Medikament der Welt ist ab dem 1. Juli auch in Deutschland erhältlich – es kostet 1,9 Millionen Euro. In jüngster Zeit schießen die Preise für Medikamente in die Höhe. Die Pharmaindustrie muss nun endlich handeln.

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Vor Jahren verlangte ein Medikamenten-Hersteller zeitweise 1000 Dollar für ein Mittel gegen Hepatitis C – pro Tablette! Krebsmedikamente kosten mittlerweile fünf- bis sechsstellige Summen pro Jahr. Und nun bringt die Novartis-Tochter Avexis das Mittel Zolgensma gegen eine seltene Muskelerkrankung bei Kleinkindern auf den Markt – zum Preis von 1,9 Millionen Dollar. Wenn das so weitergeht, könnten Krankenkassen unter der Last der steigenden Preise kollabieren.

1,9 Millionen Euro für ein Medikament? Um es klar zu sagen: Arzneimittel, die heilen oder das Leben von Patienten entscheidend verbessern, müssen gut bezahlt werden. Bei Zolgensma gegen spinale Muskelatrophie (SMA) scheint dies der Fall zu sein: Die Einmal-Spritze kann das Fortschreiten der Erkrankung stoppen, die häufig tödlich endet. Motorik und Atmung der Kleinkinder verbessern sich. In Deutschland kommen pro Jahr etwa 80 Neugeborene mit einem SMA-Defekt zur Welt. Bei der Zolgensma-Gentherapie wird das defekte Gen durch eine funktionsfähige Kopie ersetzt. Eine spannende, innovative Technologie.

Aber 1,9 Millionen Euro? Noch ist überhaupt nicht klar, wie Zolgensma langfristig wirkt. Die Ärzte haben erst seit wenigen Jahren Erfahrung mit dem Medikament. Avexis argumentiert, dass alternative SMA-Behandlungen in Europa zwischen 2,5 und vier Millionen Euro kosten – pro Kind und auf zehn Jahre gerechnet. Das ist ja schon mal eine ziemliche Spannbreite. Wie sich solche Zahlen errechnen, bleibt intransparent.

Mit Zahlen lässt sich ja auch schön spielen. Etwa bei den Kosten: Ein bis zwei Milliarden Dollar soll angeblich grundsätzlich die Entwicklung eines neuen Medikaments kosten. Sagt die Pharmaindustrie. Meist sind darin auch die Kosten für zahlreiche, gescheiterte Medikamente enthalten, die es nicht auf den Markt geschafft haben. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass die Entwicklung einer neuen Arznei einige hundert Millionen Dollar kostet.

Im Detail fällt auch häufig unter den Tisch, dass die Erforschung von vielen Arzneien öffentlich gefördert oder von staatlichen Forschungseinrichtungen oder Universitäten betrieben wurde. Dies trifft etwa auch auf SMA-Präparate zu. Bei den Preiskalkulationen der Hersteller ist davon dann keine Rede mehr.

Hohe Preise wie die 1,9 Millionen-Euro-Spritze werden immer wieder für gesellschaftliche Diskussionen sorgen. Avexis will den Krankenkassen anbieten, bis zu hundert Prozent der Kosten zurückzuzahlen, falls Zolgensma wider Erwarten nicht wirkt. Gute Idee. Aber die Pharmaindustrie muss noch mehr tun, wenn sie auch weiterhin Akzeptanz gewinnen will: Sie muss endlich für Transparenz sorgen und besser erklären, wie sie auf solche Preise kommt.

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