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Zukunft der Industrie Wie deutsche Konzerne an der Zukunft tüfteln

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Neue Kerndisziplin der Konzernführung

Welche Branchen optimistisch in die Zukunft blicken
Branchenausblick Logistik 2014 Quelle: dpa
Branchenausblick Maschinenbau 2014 Quelle: dpa
Branchenausblick IT 2014 Quelle: dpa
Branchenausblick Medien 2014 Quelle: dpa
Branchenausblick Luftfahrt 2014 Quelle: dpa
Branchenausblick Chemie 2014 Quelle: dpa
Branchenausblick Gesundheitswirtschaft 2014 Quelle: dpa

„Früher waren Zukunftsforscher so etwas wie die Hofnarren in den Unternehmen“, sagt Klaus Burmeister, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter bei Z-Punkt in Köln, einer Unternehmensberatung für Zukunftsforschung, „sie durften sich auf ihrer Spielwiese austoben, wurden aber von den Chefs nicht sonderlich ernst genommen.“ Heute gehöre die Zukunftsforschung zum Unternehmen wie Rechnungslegung oder Marktanalyse, sagt sein Geschäftsführerkollege Andreas Neef.

Der Weg dorthin war kurvenreich, Zukunftsforschung in Deutschland war lange Zeit vor allem Gesellschaftskritik. 1952 veröffentlichte der Journalist und spätere Kernkraftgegner Robert Jungk sein Standardwerk „Die Zukunft hat schon begonnen“ über die negativen Folgen des technischen Fortschritts, in den Siebzigerjahren warnte er gar vor dem „Atomstaat“.

In den Achtzigerjahren entstanden dann sogenannte Trendbüros, in denen selbst ernannte Fortschrittsdenker wie etwa Matthias Horx über die Zukunft schwadronierten.

Prominente Kunden

Erst schleppend, seit etwa zehn Jahren aber mit zunehmender Geschwindigkeit etabliert sich schließlich der Versuch, die Zukunft abzugreifen, als neue Kerndisziplin der Konzernführung. Netzwerke und Lehrstühle zur Zukunftsforschung, etwa an der RWTH Aachen oder der FU Berlin, sowie Dutzende Beratungen buhlen inzwischen darum, für Unternehmen Zukunftsanalysen erstellen zu dürfen.

Die Kundenliste von Z-Punkt etwa liest sich wie ein „Who’s who“ der deutschen Wirtschaft: Allianz, Bayer, BMW, Bosch, Deutsche Bahn, Metro, Rewe, SAP und etliche mehr.

Für BASF analysierten die Kölner etwa die Folgen des Anstiegs der Meeresspiegel. Am Ende entwickelte der Chemiekonzern daraus ein neues Küstenschutzsystem, das mithilfe eines speziellen Kunststoffs Bausteine dauerhaft verfestigt. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, woran deutsche Unternehmen arbeiten.

Mai 2025, es ist so weit. Thomas Haas hält bunte Plexiglasscheiben in der Hand; etwa 20 Jahre lang hat der Biotechniker von Evonik daran geforscht. Der Clou: Ein Vorprodukt des Kunststoffes wurde nicht wie üblich auf Basis von Erdöl hergestellt, sondern biologisch – mithilfe von Bakterien.

Noch ist es nicht so weit, aber der Weg dorthin ist vorgezeichnet, im Labor hat das Verfahren bereits geklappt. „Mit biotechnologisch hergestellten Spezialchemikalien werden wir unabhängiger von fossilen Rohstoffen“, sagt Haas. Entwickelt hat das Bioplexiglas Creavis. So heißt das Zukunftslabor von Evonik.

Die Märkte von morgen

Untergebracht ist die Konzerntochter in einem zweistöckigen Glasgebäude etwas abseits vom Chemiepark Marl im nördlichen Ruhrgebiet, wo Evonik sonst unter anderem Lacke und Hochleistungskunststoffe herstellt. 150 Mitarbeiter sinnen hier über die Märkte von morgen und experimentieren in Laboren an Verfahren und Produkten.

„Wir agieren auf Zukunftsfeldern, die teilweise völlig neu für Evonik sind“, sagt Peter Nagler, Chemiker und Chief Innovation Officer des Unternehmens: „Allein in den vergangenen drei Jahren hat Creavis 20 Projekte in die Geschäftsbereiche von Evonik überführt, wo sie nun marktreif gemacht werden.“

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