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Innovationen Warnung vor Chinas Patentpolitik

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Der britische Designer und Quelle: dpa

Neue Ideen sind entscheidend, denn im 21. Jahrhundert geht es beim Handel nicht darum, wer was macht, sondern wer es besser macht. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich die USA von China aufs Abstellgleis schieben lassen, ist der amerikanische Flugzeughersteller Boeing. Erst jüngst hat der Konzern erneut die Auslieferung des neuen 787 Dreamliner verschoben. Gleichzeitig verkündete China eine Kooperationsvereinbarung mit General Electric, durch das es Zugang zu modernster Flugzeugtechnik erhält, unter anderem zu Komponenten, die auch in Boeings Dreamliner verbaut werden. Die USA müssen geschickter und konsequenter agieren, wenn sie Erfolg haben wollen.

Mit einem Anteil von 40 Prozent an den weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen die USA international an der Spitze, belegen Daten der US-Denkfabrik Rand Corporation. Doch der Abstand schrumpft: Nach Angaben des chinesischen Statistikamts und der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua gab China 2009 rund 87 Milliarden Dollar für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung aus. Damit belegte das Land weltweit den vierten Platz nach den USA, Japan und Deutschland. In China arbeiten 1,4 Millionen Forscher, ebenso viele wie in den USA. Im Jahr 2011 steigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung weltweit 3,6 Prozent auf 1,2 Billionen Dollar, prognostiziert der jüngste Global R&D Report von Batelle-R&D Magazine. Deshalb muss auch Amerika die Investitionen in Forschung und Entwicklung weiter erhöhen. Zudem muss durch Anreize und Steuervorteile gefördert werden, dass Unternehmen im Land entwickeln und fertigen und dabei Erfindungen machen.

Druck der USA

Mit einer Großserienfertigung in seinem Heimatland Großbritannien wäre Dyson wahrscheinlich nicht wettbewerbsfähig, das Unternehmen punktet vielmehr mit seinen Stärken in Forschung und Entwicklung. Dasselbe gilt für die USA, die Wiege der Automobil-Massenproduktion. Hier hat die Finanzkrise den Autoherstellern Innovationen und zukunftsfähige Technik aufgezwungen – Ultrakondensatoren, Kohlefaser und Substitute für Öl. Vielleicht ist dies nicht mit Fords Vision des Fließbands zu vergleichen, aber die ingenieurtechnischen Neuerungen, die in amerikanischen Hybrid- und Elektroautos einfließen, machen die USA wieder wettbewerbsfähiger. Dieselben Herausforderungen gelten übrigens auch für Europa. Hier fallen Länder wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Belgien im Geschäft mit den Ideen zurück.

Erfindungen und Innovationen sind vergebens, wenn Produkte kopiert werden und Plagiate den Markt überschwemmen. China investiert mit Nachdruck in die Entwicklung neuer Technik, verschließt jedoch gleichzeitig die Augen vor dem Diebstahl geistigen Eigentums. US-Unternehmen geben mehr als zweimal so viel Geld für Rechtsstreitigkeiten aus wie für Forschung. Washington muss mehr unternehmen, um Nachahmern das Handwerk zu legen. Als größte Wirtschaftsnation müssen die USA China dazu drängen, Patentverletzungen zu unterbinden und den Handel auszuweiten.

China hört durchaus zu. In seiner Rolle als Supermacht hat es zugesagt, in Behörden keine Software-Raubkopien zu verwenden. Es erkennt das Problem also an, doch damit ist nur der erste Schritt getan und keineswegs das Ziel erreicht.

In seiner Rede zur Lage der Nation sprach auch US-Präsident Barack Obama das Thema gleicher Rechte für in- und ausländische Unternehmen in China an. Es herrschten keine fairen Wettbewerbsbedingungen, wie er es ausdrückte. Chinas Bestreben, überall den eigenen Nutzen zu maximieren, gefährdet dabei nicht nur die amerikanische Industrie, sondern auch den eigenen Ruf und die Zukunft als Weltmacht. Zur Lösung des Problems sind allerdings nicht Abschottung und Zölle gefragt, sondern Diplomatie und gesunder Wettbewerb.

Letztlich dürfte es in Chinas eigenem Interesse sein, Handelsbeschränkungen zu lockern und den Markt für amerikanische Importe zu öffnen. Die USA haben für diesen Fall eine versöhnlichere Handelspolitik in Aussicht gestellt, und ein wenig Wettbewerb kann viel dazu beitragen, dass für beide Länder neue Ideen entstehen.

Die USA sind seit langem eine Drehscheibe für Innovationen: unternehmerisch eingestellt, risikobereit, umsetzungsstark. Wenn das Land bei Erfindungen und Patenten nicht wettbewerbsfähig bleibt, sind ein paar Prozentpunkte Inflation das geringste Problem.

James Dyson ist Gründer und Entwicklungschef von Dyson Ltd.

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