WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Insolvenzen Bis zu 20 Prozent mehr Pleiten in 2010

Seite 2/2

Völlig unterschiedlich schätzen die Experten das Insolvenzrisiko in Bezug auf die Unternehmensgröße ein. Während Großunternehmen und Konzerne nach Ansicht der Befragten wenig Grund zur Sorge haben, tragen mittelständische Unternehmen mit Umsätzen zwischen zehn und 500 Millionen Euro im Jahr ein besonders hohes Insolvenzrisiko. Die Gründe liegen zum einen im beschränkten Zugang zum Kapitalmarkt und zum anderen in der Gesellschafterstruktur. Allerdings muss eine Pleite nicht das endgültige Aus für ein Unternehmen bedeuten, zumal sich die Insolvenzverwalter mehr als noch vor ein paar Jahren um Rettung und Weiterführung bemühen. Damit kann der Gang zum Konkursverwalter auch der erste Schritt zum Neuanfang sein. „Die Insolvenz kann unter gewissen Umständen die Chance bieten, sich schneller als unter normalen Umständen von Altlasten zu befreien“, sagt Berger-Berater Sievers, „die operativen Kapazitäten lassen sich zum Beispiel oft wesentlich schneller und einfacher anpassen.“  

Insolvenz als Chance

Der Grund: Insolvenzverwalter haben ein außerordentliches Kündigungsrecht bei Miet- und Lieferverträgen, die Finanzstruktur lässt sich schneller anpassen und auch die Belegschaftsstärke kann kurzfristig verringert werden. Ein Bremsklotz kann allerdings die Gesellschafterstruktur sein. Sievers: „Bei Unternehmen mit privater Eigentümerstruktur versucht das Management oft so lange wie möglich, die Insolvenz zu vermeiden. Dadurch kann es im schlimmsten Fall passieren, dass das Unternehmen die Chance auf eine Sanierung verpasst.“ Der Vorteil schnellerer Kapazitätsanpassung kann auch für strategische Investoren interessant sein, zumal im Kern gesunde aber durch die Finanzkrise in Not geratene Unternehmen meist billig und unter Substanzwert zu haben sind. Allerdings müssen die Käufer insolventer Unternehmen heute mehr Geld mitbringen als früher: „Fremdfinanzierungen für den Kauf oder die Übernahme insolventer Unternehmen sind schwieriger zu bekommen als in den Vorjahren“, sagt Sievers. „Sehr häufig wird ohne eine Eigenkapitalquote von mindestens 60 Prozent nichts laufen.“ Finanzinvestoren spielen darum als Käufer kaum noch eine Rolle.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%