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Insolvenzen Karstadt: Wie Klaus Hubert Görg um seinen letzten Fall kämpft

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Die größten Karstadt-Gläubigergruppen (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Seit Wochen spekuliert die Branche, wer sich hinter den Decknamen verbirgt. Klar ist: Ein Handelskonzern ist nicht dabei. Stattdessen machen Namen von Finanzinvestoren wie die US-Beteiligungsgesellschaft Apollo die Runde. Zudem hätte sich die britische Investorengruppe Pamplona, hinter der die russische Alfa Group steht, informiert, heißt es in Finanzkreisen. Auch der frühere Karstadt-Manager Klaus Appelhoff wird regelmäßig ins Spiel gebracht, will sich selbst aber nicht äußern. Immerhin: Appelhoff steht seit einigen Monaten der Aktiengesellschaft KaPri Retail vor – ein Name, der sich auch ohne viel Fantasie als Akronym für Karstadt und die Versandsparte Primondo interpretieren lässt.

Befeuert werden die Verkaufsspekulationen zusätzlich von Meldungen, Investoren wie Apollo würden sich nicht nur für Karstadt interessieren, sondern auch für Anteile an dessen Erzrivalen Kaufhof.

Manager des Kaufhof-Mutterkonzerns Metro würden bereits „tastende Vorgespräche“ mit verschiedenen Private-Equity-Unternehmen führen, heißt es im Metro-Umfeld. Das Ziel: eine Allianz der Kaufhaus-Konkurrenten.

Vision der Warenhaus AG vor erheblichen Problemen

Eine Warenhausehe würde indes eher auf die Zerschlagung als die Rettung von Karstadt hinauslaufen. Denn ein Investor müsste nicht nur zahlreiche Doppelstandorte übernehmen, sondern auch zwei IT-Systeme, zwei Hauptverwaltungen und parallele Logistikstrukturen. Die Schließungskosten wären außerhalb der Insolvenz, in der Arbeits- und Mietverträge problemlos gekündigt werden können, immens. Das Kalkül wäre denn auch eher, den Verkaufsprozess für Karstadt als Ganzes platzen zu lassen, danach die rentabelsten Standorte einzusammeln und diese mit Kaufhof zusammenzulegen.

Zugleich stellt sich ohne die Vision einer gemeinsamen Warenhaus AG die Frage, wie ein Investor seinen Einsatz mit Karstadt allein jemals wieder herausholen will. Zahlreiche Filialen müssen dringend modernisiert werden. Den Investitionsbedarf taxieren Experten auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Monat für Monat fallen allein Personalkosten von mehr als 50 Millionen Euro an.

Karstadt wirkt gesünder, als es eigentlich ist

Zwar wird Görg nicht müde zu betonen, dass Karstadt schwarze Zahlen schreibt. Dass sich die Liquiditätslage entspannt hat, ist aber vor allem dem Insolvenzrecht geschuldet. So zahlt die Bundesagentur für Arbeit den Beschäftigten insolventer Unternehmen drei Monate lang Insolvenzgeld. Allein dadurch sparte die Warenhauskette rund 186 Millionen Euro Lohnkosten und Sozialabgaben.

Zudem nutzte Görg die Möglichkeit, im vorläufigen Insolvenzverfahren die eingenommene Umsatzsteuer einzubehalten. Auch dadurch wirkt das Unternehmen finanziell gesünder, als es tatsächlich ist. Nebenbei sind staatliche Behörden zu den größten Karstadt-Gläubigern aufgestiegen. Auf knapp 700 Millionen Euro dürften sich ihre Forderungen summieren. Insgesamt geht Görg von rund zwei Milliarden Euro Verbindlichkeiten aus.

Läuft alles nach Plan, fließen zum ersten Rückzahlungstermin im Mai drei Prozent der Schuldsumme an die Gläubiger zurück. Doch selbst die geringe Quote steht unter dem Vorbehalt, dass ein Käufer Karstadt komplett übernimmt. Im Fall einer Zerschlagung sei nicht mehr als ein Prozent drin, geht aus einer internen Präsentation der Verwalter hervor. „Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht“, stöhnte Görg im vergangenen Jahr, „aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden.“ Die Aufgabe, den Konzern zu retten, hatte er sich offenkundig leichter vorgestellt.

Eigentlich sei seine Lebensplanung bereits auf Rasenmähen ausgerichtet gewesen, kokettiert Görg gern. Keine Kleinigkeit bei einem 150 Hektar großen Gelände am Stadtrand Kölns. Die Handhabung einer Motorsäge sei ihm ebenfalls durchaus vertraut. Jedenfalls hatte er seiner Frau gerade versprochen, langsam in den Ruhestand zu gleiten, als der Arcandor-Fall kam.

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