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Insolvenzverwalter Was zahlungsunfähige Unternehmer erleiden

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Machtlosigkeit bei Kämpfen zwischen Verwalter und Schuldner

Insolvenzmasse: So viel Geld erhalten Insolvenzverwalter Quelle: Grafik: WirtschaftsWoche

Eine der schmerzhaftesten Erfahrungen ist die Machtlosigkeit. So ließ sich Asmass’ Verwalter erst drei Tage nach dem Antrag blicken, nahm keine einzige Akte in die Hand und verschwand nach 20 Minuten. Anfragen wurden mit dem Hinweis abgeschmettert, der Verwalter betreue 160 Verfahren und habe keine Zeit.

Häufig gibt es Kämpfe zwischen Verwalter und Schuldner: Schlösser werden ausgetauscht, Wertgegenstände verkauft, die nicht zur Insolvenzmasse gehören. Anders als in den USA haben Unternehmer nicht die Möglichkeit, bei der Auswahl des Verwalters und der Fortführung oder Auflösung mitzuwirken. Im Falle des ehemaligen Hoteliers Heinrich Schwär aus Freiburg ließ der Insolvenzverwalter Schwärs Hotel für 1,8 Millionen Euro versteigern, obwohl der Hotelier einen Interessenten vorgestellt hatte, der mehr geboten hatte.

Doch auch eine Mitauswahl garantiert keine optimale Zusammenarbeit. So musste der rheinische EDV-Unternehmer Arthur Marx* mit ansehen, wie sein Unternehmen in wenigen Tagen so zerfleddert wurde, dass an eine Fortführung nicht zu denken war – obgleich er sich den Verwalter in Absprache mit dem Gericht ausgesucht hatte und eine Weiterführung geplant war. „Nach vier Tagen schon hatte ich keinen Einblick mehr in die Konten.“

Der Verwalter tauchte nach zwei Gesprächen vollends ab. Bei der Ausbeinung der Büroeinrichtung kamen unter anderem Computer mit sensiblen militärischen Daten unter den Hammer: Sie gingen gegen den Protest von Marx für je 50 Euro weg. Abwicklung statt Fortführung: Insolvenzen sind für die Verwalter ein lukratives Geschäft und oft ist es lohnender die Unternehmenswerte schnell zu verkaufen, als das Geschäft risikoreich fortzuführen.

Der EDV-Unternehmer ist heute, sieben Jahre nach der Zerschlagung seiner Firma, als Softwareberater tätig. Dazwischen erlebte er alle Tiefen der Insolvenzopfer. Das Privathaus wurde versteigert, Freunde distanzierten sich, die Familie zerbrach. Insolvenzler sind einsam: Nur die Hälfte der betroffenen Ehen übersteht die Insolvenz, stellte das IfM fest. Etwa 60 Prozent ihrer Ratsuchenden seien suizidgefährdet, berichtet Insolvenzberaterin Koark.

Wenige Mittelständler erhalten zweite Chance

Anders als bei Großunternehmen wie dem Anlagenbauer Babcock oder dem Bürobedarfsanbieter Herlitz erhalten wenige Mittelständler die zweite Chance. Dass eine Insolvenz nicht nur für Konzerne ein Neuanfang sein kann, beweist die Sanierung des Krefelder Speziallogistikers Kahl. Kahl erledigt Schwertransporte mit Sperrungen von Autobahnen oder unter Einsatz von Antonow-Transportflugzeugen. Nach der Babcock-Pleite und den Folgeinsolvenzen geriet Kahl wegen Zahlungsausfällen in Schieflage.

Dennoch: Von Anfang an ging der Krefelder Insolvenzverwalter Thomas Schmitz von einer Fortführung aus. Die beiden Gründer schieden aus. Die Söhne eines der Unternehmer übernahmen das Ruder.

Die Jungen stellten das Unternehmen in wenigen Monaten um. „Die ersten 100.000 Euro, die wir ausgaben, gingen in die EDV, ein klassischer Spediteur hätte sich einen Laster dafür gekauft“, erzählt Andreas Kahl. Anders als Vater und Onkel schufen die Kahl-Brüder ein Controlling mit Drei-Jahres-Planung, statt nach Kassenlage zu entscheiden. Es gelang ihnen, profitablere Aufträge hereinzuholen. In den vergangenen fünf Jahren hat der 85-Personen-Betrieb seinen Umsatz auf rund 20 Millionen Euro mehr als verdreifacht. „Wir stehen heute besser da als vor der Insolvenz“, sagt Kahl.

Ein Ausnahmefall. Deutschland ist weit von US-Verhältnissen entfernt, wo etwa ein Viertel der Insolvenzen nach Chapter 11 abläuft, das die Mitwirkung des Schuldners und die Weiterführung des Unternehmens vorsieht. Nur drei Prozent der Verfahren dürften 2009 nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform als rettende Planinsolvenz ablaufen. Tröstlich: Im Vergleich zu 2004 ist das eine Verzehnfachung. Die Hoffnung stirbt zuletzt – das gilt auch für die Insolvenzkultur in Deutschland.

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