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Internet Cisco startet durch

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Im Jahr 2000 waren auch alle so optimistisch. Dann platzte die sogenannte Internet-Blase – auch Cisco traf es hart. Warum sollte es diesmal anders kommen?

Sicher, 2001 war ein sehr schwieriges Jahr für High-Tech-Unternehmen. Aber im Rückblick werden wir dieses Jahr einmal als Ausreißer wahrnehmen. Wir stehen im Internet doch noch ganz am Anfang. Man muss sich das Web 2.0 vorstellen wie das Internet anno 1991 oder 1992 und nicht wie im Jahr 2000, als ein paar High-Tech-Unternehmen dabei waren, Leute ins Internet zu bringen. Das Internet ist nun Alltag – und trotzdem ist es noch eine sehr frühe Phase. Vor allem aber richten wir unser eigenes Unternehmen nach Web 2.0 aus.

Was bedeutet das konkret?

Wir kommunizieren viel effektiver. Für das Einführen von moderner Unternehmenssoftware brauchte man früher fünf Jahre und Tausende Leute. Heute verändern wir unsere Kommunikation binnen zwölf Monaten entscheidend. Ich kann einen Video-Blog über ein Thema veröffentlichen, das mir wichtig ist. Mein Team kann sich das anschauen und dabei Werkzeuge benutzen, die ursprünglich von ein paar Jugendlichen entwickelt wurden. Wir verfeinern diese Werkzeuge nun. Jeder kann sein Wissen publizieren und anderen zugänglich machen. Wenn man mehr über den Autor wissen will, schlägt man nach: Wer ist das? Was ist seine Meinung zu einer bestimmten Sache? Wenn ich mit dem Autor sprechen will, kann ich abfragen, wann er Zeit hat, und mich dann über Telefon, Instant Messaging oder Video-Konferenz mit ihm kurzschließen.

Wie verändert das Ihren Alltag als Vorstandschef?

Ich kommuniziere mit meinen Kunden inzwischen primär virtuell. Und ich werde dabei immer besser. Im November waren wir zum Beispiel in China und Indien unterwegs. In sieben Tagen haben wir 137 Stunden gearbeitet. Wir waren total erschöpft. Das war nicht sehr effektiv. In Zukunft werden wir mehr virtuell machen, was uns nur ein Drittel der Zeit kosten und viel effektiver sein wird.

Cisco hat im Herbst 2006 ein sogenanntes Telepräsenz-System eingeführt, bei dem sich die Teilnehmer in gleich gestalteten Studios aufhalten und gegenübersitzen. So entsteht der Eindruck, dass sich alle in einem Raum befinden. Sie haben erklärt, mit dem System eine Milliarde Dollar umsetzen zu wollen. Haben Sie das schon geschafft?

Noch nicht. Unser Ziel ist es, die eine Milliarde Dollar in drei Jahren zu erreichen. Üblich sind bei derartigen neuen Produkten fünf Jahre.

Wie viele dieser Telepräsenz-Systeme nutzt Cisco selbst?

Wir haben etwa 150 intern. Aber man muss den Netzwerk-Effekt sehen. Die neueste Generation erlaubt das Einbinden von anderen Unternehmen. Wenn Procter& Gamble, General Electric und Wal-Mart sowie deren Zulieferer und Kunden ein Telepräsenz-System haben, dann potenziert sich die Verbreitung schnell. In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir es in heimischen Wohnzimmern sehen.

Dafür muss sich am Preis noch was tun. Ihr Einführungssystem hat doch über eine Viertelmillion Dollar gekostet.

Der Preis wird sinken. Das Moore’sche Gesetz wird auch hier greifen: Der Preis fällt gemeinhin alle 18 Monate um die Hälfte oder die Funktionen verdoppeln sich.

Haben Sie schon ein System zu Hause?

Wurde gerade installiert. Ich habe meine Frau natürlich vorher um Erlaubnis gefragt. Sie sagte: Mal sehen. Wo soll es denn hin? Ich schlug vor: Warum nicht in eins der Kinderzimmer? Unsere Kinder sind aus dem Haus. Worauf sie sehr höflich entgegnete, dass ich in dem Fall dann gleich dort schlafen könne. Okay, ich habe gelernt. Jetzt steht das System in meinem Hobbyraum.

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