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Internet Cisco startet durch

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Ihre Frau muss begeistert sein. Sie können nun rund um die Uhr arbeiten.

Nein. Im Gegenteil. Ich bekomme die Kontrolle über meine Zeit zurück. Anstatt meiner Familie mitzuteilen, ich bin jetzt die nächsten zwei Wochen in China und Indien, sage ich: Ich bin heute morgen in China und Indien, und wir sehen uns heute Abend. Zeit und Entfernung diktieren nicht mehr den Alltag. Das wird die Natur der Arbeit verändern. Ein Team kann sich über verschiedene Regionen und Zeitzonen hinweg um den Kunden kümmern, viel direkter, als das heute geht.

Was sparen Sie an Reisekosten?

20 Prozent Ersparnis pro Mitarbeiter sind mein Ziel, das sind etwa 150 Millionen Dollar pro Jahr. Aber darum geht es eigentlich nicht. Wir verkaufen diese Technologie nicht, um Reisekosten zu sparen, sondern um Geschäftsmodelle zu verändern. A.G. Lafley, der Chef von Procter & Gamble, denkt darüber nach, wie er die Zusammenarbeit mit seinen Zulieferern verändern kann. Wal-Mart-Chef Lee Scott sieht es als einen Weg, um mit seinen Märkten zu kommunizieren oder sich von Procter & Gamble neue Produkte vorführen zu lassen. Jeff Immelt, CEO von General Electric, sieht es als neuen Weg, um die Nutzer seiner Flugzeugturbinen besser zu betreuen. Es ist das erste Mal in meiner Karriere in der High-Tech-Industrie, dass ich eine Technologie sehe, die direkt an das Top-Management verkauft wird.

Cisco hat in den vergangenen 20 Jahren 130 Unternehmen übernommen. Schon nach den ersten 50 waren Beobachter skeptisch. Wie viel kann Cisco noch verdauen?

Manche Käufer werden schon nach einer Übernahme todkrank. In der High-Tech-Industrie scheitern 90 Prozent aller Akquisitionen. Anders bei uns: 70 Prozent unserer Übernahmen haben das erreicht oder übertroffen, was wir unserem Aufsichtsrat prognostiziert hatten. Viele davon wurden von unseren Kunden initiiert. Ich kannte beispielsweise Webex gar nicht...

...das Unternehmen kaufte Cisco im März 2007 für 3,2 Milliarden Dollar.

Dann fragte mich ein Kunde am Telefon danach. Am nächsten Tag wusste ich Bescheid. Übers Wochenende hatten wir per Handschlag einen Deal. Das Ganze hat acht Tage gedauert. Dank moderner Technologien können wir statt zwei Unternehmen 20 im Jahr übernehmen, wenn wir das wollten. Es erlaubt uns, gleich mehrere Teams zusammenzuschalten. So etwas gab es vorher nicht.

Worauf achten Sie bei Übernahmekandidaten?

Wir kaufen nie Unternehmen, die eine drastisch andere Unternehmenskultur haben. Nicht, dass die schlecht wäre. Aber sie müssen zu uns passen. Wenn ich einen Vorstandschef treffe, der nichts oder nur wenig über seine Kunden weiß, werden wir sein Unternehmen aller Wahrscheinlichkeit nicht erwerben. Ebenso wenig eines, bei dem das ganze Wissen bei den obersten fünf Leuten konzentriert ist, die es nicht an ihre Mitarbeiter weitergeben. Wir sind sehr gut beim Auswählen unserer Übernahmeziele. Und wir haben den Vorteil, dass wir eines der wenigen Unternehmen sind, von dem fast alle Wettbewerber gern gekauft werden wollen. Können Sie sich vorstellen, dass die Konkurrenz von Microsoft das genauso sieht? Oder AMD gern von Intel gekauft werden will?

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