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Internet Stadtwerke attackieren die Telekom

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Regionen holen auf

Auch die Deutsche Telekom ist nicht begeistert über den Alleingang des Bürgermeisters. „Die Stadt Villingen-Schwenningen ist nicht auf uns zugekommen“, heißt es aus der Bonner Telekom-Zentrale. Die Regulierungsexperten des Konzerns wollen jetzt prüfen, ob das Projekt überhaupt gesetzeskonform sei. Denn grundsätzlich gelte auch beim Breitbandausbau das Prinzip „privat vor Staat“. Nur wenn keine Breitband-infrastruktur vorhanden sei und sich in absehbarer Zeit auch kein Unternehmen finde, das den weiteren Ausbau übernehme, sei staatliches Handeln angemessen, meint die Telekom.

Das wird in Zukunft häufiger vorkommen: Denn die Telekom könnte den Stadtwerken durchaus den Glasfaserausbau auf den letzten Metern bis zum Kunden ganz überlassen. Erst kürzlich rückte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme vom Führungsanspruch im Infrastrukturgeschäft ab – er sieht den Ex-Monopolisten nur noch als einen von vielen Glasfaseranbietern. „Es wird neue regionale Monopole von Stadtwerken und Regionalanbietern geben“, prophezeite van Damme vor dem kürzlich eingesetzten NGA-Forum, auf dem sich die Chefs der größten Netzbetreiber unter der Regie der Bundesnetzagentur auf neue Regeln beim Glasfaserausbau bis in die Haushalte verständigen sollen. Van Damme sieht bereits die „Gefahr eines Glasfaser-Flickenteppichs“, weil die Telekom in Konkurrenz zu alternativen Anbietern nur noch in Ausnahmefällen eigene Glasfaseranschlüsse verlegen werde.

Telekom bricht Kundenbasis weg

Denn die Deutsche Telekom steht vor einem Riesenproblem: Auf den Fernstrecken ist der Magenta-Riese mit Glasfaserkabeln von insgesamt 256 000 Kilometer Länge der mit Abstand größte Netzbetreiber. Doch auf den letzten Metern zu den 38 Millionen Haushalten in Deutschland liegen häufig noch alte Kupferkabel – zusammengerechnet knapp 1,5 Millionen Kilometer, die die Übertragungsgeschwindigkeit auf inzwischen kaum noch konkurrenzfähige 16 Megabit pro Sekunde drosseln. Nur in 50 Städten bietet die Telekom über das durch mehr Glasfasern beschleunigte VDSL-Netz 50 Megabit pro Sekunde an.

Beim Glasfaserausbau bis in die Haushalte gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Gerade mal 134 000 Anschlüsse sind nach Angaben der Bundesnetzagentur geschaltet. Nur in 0,3 Prozent aller Haushalte gibt es demnach keine Geschwindigkeitsbegrenzung beim Surfen mehr. In anderen Ländern wie Schweden und Norwegen, die den Ausbau mit öffentlichen Mitteln subventionieren, sind schon zehn Prozent aller Haushalte mit Glasfasern versorgt.

Nur in dicht besiedelten Großstädten würde sich das Verbuddeln teurer Glasfasern für den Ex-Monopolisten lohnen, weil sich dort die Gesamtkosten von rund 500 Euro pro Haushalt in wenigen Jahren amortisieren. Doch ausgerechnet dort ist der Telekom die Kundenbasis weggebrochen: Zwei von drei Haushalten hat sie schon an die Konkurrenz verloren. In Köln, wo die Stadtwerke-Tochter Netcologne Marktführer ist und seit zwei Jahren eigene Glasfaserkabel bis in die Haushalte verlegt, ist der Telekom-Marktanteil sogar schon auf 20 Prozent abgesackt.

Noch weniger lohnt sich ein Glasfaserausbau auf dem Land. Weil aus Kostengründen deutlich weniger Konkurrenten bis in die Dörfer vordringen, kommt die Telekom hier mitunter zwar noch auf Marktanteile von über 90 Prozent. Doch durch die dünne Besiedlung explodieren die Baukosten für das Glasfasernetz auf bis zu 5000 Euro pro Haushalt – zu viel für ein börsennotiertes Unternehmen wie die Deutsche Telekom, das jede Investition vor seinen Aktionären verantworten muss.

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