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Internet/Telekommunikation Europas IT-Branche wird abgehängt

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Rückstand im Internet

Ein Bündel Glasfaserkabel Quelle: PR Deutsche Telekom

Der Rückstand verhindert künftiges Wachstum. Die Unternehmensberatung McKinsey sieht erste Anzeichen für eine Abwärtsspirale, die zu einem „Kollaps“ führen könnte, heißt es in der Exklusiv-Studie im Auftrag der WirtschaftsWoche. Ausgerechnet die Telekommunikation, die Wachstumsimpulse durch den Bau superschneller Glasfaseranschlüsse geben könnte, zählt mit drastischen Einbußen zu den größten Verlierern in den nächsten zehn Jahren, wenn die Bundesnetzagentur und die EU-Kommission an ihrer auf Preissenkungen zielenden Regulierungspolitik festhalten.

Fast die Hälfte des Wachstums aus den Boomjahren nach dem Fall des Telekom-Monopols am 1. Januar 1998 geht der Branche in den nächsten Jahren wieder verloren. Bis 2020, prophezeit McKinsey, bricht der Gesamtumsatz um knapp ein Drittel ein. Statt 52 Milliarden Euro wie im vergangenen Jahr bringen Festnetz, Mobilfunk und Internet den Unternehmen dann nur noch 36 Milliarden Euro ein. Pro Jahr wäre das ein Minus von 3,8 Prozent. „Niedrige Konsumentenpreise sind immer noch wichtiger als ein zügiger Infrastrukturausbau“, resümiert Alexander Dahlke, Telekommunikationsexperte bei McKinsey. „In solch einem Umfeld lohnen sich keine flächendeckenden Investitionen in moderne Glasfasernetze.“

Prognose korrigiert

Der Absturz der Telekommunikationsbranche hat sich in den vergangenen vier Jahren sogar noch beschleunigt. In Modellrechnungen war McKinsey bereits im Jahr 2007 zu dem Ergebnis gekommen, dass im schlimmsten Fall ein Rückgang auf 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 drohe. Wegen deutlich höherer Einbußen im Mobilfunk- und Festnetzgeschäft korrigierten jetzt die Berater ihre düsteren Prognosen um weitere vier Milliarden nach unten. Statt mit 40 Milliarden Euro können die Telkos 2020 nur noch mit 36 Milliarden rechnen.

Für den IT-Standort Deutschland hat das dramatische Folgen: In wichtigen Innovationsfeldern, die unmittelbar von einer leistungsfähigen Infrastruktur abhängen, würde Deutschland den Anschluss verlieren. Gleichzeitig drohen der gesamten deutschen Industrie erhebliche Wettbewerbsnachteile. Denn die Entwicklung des Telekommunikationssektors hat großen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft, meint McKinsey. „Produktivitätsverbesserungen aufgrund von Informations- und Kommunikationstechnologien werden nicht im gleichen Ausmaß möglich sein wie in anderen Industrienationen.“

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    Eine grundlegend erneuerte Glasfaserinfrastruktur würde dagegen außergewöhnlich hohe Wachstumschancen eröffnen. Statt eines Absturzes auf 36 Milliarden Euro würde in Deutschland eine neue Boombranche mit einem Marktvolumen von 93 Milliarden Euro entstehen. Gegenüber 2010 wäre das ein Plus von 36 Prozent, gegenüber dem Absturzszenario würde sich das Umsatzpotenzial sogar mehr als verdoppeln.

    Bislang vertraute die Bundesregierung darauf, dass intensiver Infrastrukturwettbewerb den Glasfaserausbau beschleunigt. Doch jetzt fordern Experten wie Bitkom-Präsident Scheer einen Politikwechsel, damit „Staat und Wirtschaft die Aufgabe gemeinsam stemmen“. Auch die Deutsche Telekom drängt die Bundesregierung, ihre auf Wettbewerb fokussierte Politik umzubiegen auf die Förderung von Rahmenbedingungen, die vor allem der Modernisierung der Infrastruktur dienen. Im Klartext: Die Bundesnetzagentur soll sich bei der Preisregulierung zurücknehmen. Denn die für den Ausbau erforderlichen 30 bis 40 Milliarden Euro wollen Telekom & Co. nur investieren, wenn sie Gewinn erwarten können. Eine so gelockerte Regulierung müsste am Ende der Verbraucher bezahlen – mit höheren Gebühren.

    Vorbild Südkorea

    In Südkorea hat der Staat gleich ganz das Kommando im Telekomsektor übernommen. Gezielt hat die Regierung in Seoul eine neue Glasfaserinfrastruktur im gesamten Land ausgerollt, um die Unternehmen auf das Internet-Zeitalter einzustimmen und andere Industrienationen zu überholen.

    Mit Samsung entstand zumindest ein Weltkonzern, der die Konkurrenz heute in vielen Bereichen düpiert. Ob Chips, Displays, Smartphones oder hochauflösendes Fernsehen – überall spielt der IT-Mischkonzern an vorderster Front mit. 

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