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Internethandel Ebay im Umbau

Ebay streicht den Großteil seiner Stellen in Deutschland. Für die Mitarbeiter wurde nun ein Sozialplan vereinbart. Wie sich die Kürzungen auswirken, muss sich zeigen - zumal das Unternehmen wieder einmal mit seinen Regeln herumdoktert.

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Ein Mitarbeiter einer Quelle: dpa/dpaweb

Lange war Ebay ein Liebling der Internetnutzer: Auf der Plattform finden sich Schnäppchen und ob Papstgolf oder schwarze Löcher, immer wieder werden kuriose Auktionen zum Gesprächsthema.

Auch in der deutschen Niederlassung des Auktionshauses am Rande Berlins herrschte ein besonderes Flair. Vor dem Hauptgebäude bekommen auf einem hollywoodesken Walk of Fame die erfolgreichsten Verkäufer einen eigenen Stern, dahinter entspannen sich die Mitarbeiter in der Pause auf dem Beachvolleyballplatz. Und auch in den Büros sorgen Sitzsäcke, nerdige Dekospielzeuge und anderer bunter Schnickschnack für ein bisschen Silicon-Valley-Gefühl im brandenburgischen Dreilinden.

Ebay droht viel know-How zu verlieren

Doch mit der guten Laune ist es lange vorbei. Im vorigen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, den Großteil der Stellen zu streichen. 400 der 630 Ebay-Mitarbeiter müssen gehen, bei den Betroffenen herrscht Unsicherheit über die Zukunft. In der vergangenen Nacht gab es nun eine Einigung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat.

Bis Ende des Monats sollen die Kündigungen ausgesprochen werden und es wurde ein Sozialplan in zweistelliger Millionenhöhe vereinbart. Die gekündigten Beschäftigten erhalten als Abfindung pro Beschäftigungsjahr etwa zwei Monatsgehälter, pro Kind gibt es 2500 Euro extra. Für 100 Mitarbeiter wird eine Transfergesellschaft gegründet, in der ihnen ein Jahr lang 80 Prozent des bisherigen Bezüge gezahlt werden.  

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    Gestrichen wird vor allem der Kundenservice für nichteuropäische Länder, die verbleibenden Mitarbeiter sollen sich vor allem um die besonders umsatzstarken deutschen Powerseller kümmern. Ein Teil des deutschen Kundenservice wird ebenfalls an externe Dienstleister vergeben.

    Die weiterhin von Ebay betreuten Kunden sollen künftig sogar „einen besseren Service“ bekommen, da die Mitarbeiter weniger Kunden betreuen. „Die normalen Kunden erhalten die gleichen Dienstleistungen wie bisher“, verspricht Ebay.

    Ob dies tatsächlich eingelöst werden kann, ist fraglich. Der Betriebsrat fürchtet, dass durch den Stellenabbau über Jahre aufgebautes Know-How verloren geht, dass so schnell nicht zu ersetzen sei. Das gilt insbesondere für die etwa 100 Stellen in der Sicherheitsabteilung, die  größtenteils ebenso wegfallen.

    Einen Teil der Aufgaben will Ebay künftig zentral aus Dublin erledigen, wo neue Stellen geschaffen werden. In welchem Umfang, will das Unternehmen jedoch noch nicht sagen.

    „Der Wanderzirkus geht weiter“

    Ebay hatte zehn Millionen Euro an Subventionen bekommen, die Auflagen für die im Gegenzug zu schaffenden Arbeitsplätze sind 2008 ausgelaufen.

    Im Gegensatz zur Schließung des Nokia-Werkes in Bochum, wo der CDU-Ministerpräsident Rüttgers öffentlich über „Subventions-Heuschrecken“ schimpfte, blieben die Proteste im rot-rot-regierten Brandenburg verhalten.   

    „Ebay hat seinem eigenen Ansehen in unserer Region deutlich geschadet“, erklärt der Brandenburger Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Er hatte sich mit der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat getroffen, konnte an den Stellenkürzungen jedoch nichts ändern.   

    „Der Wanderzirkus geht weiter“, klagte Detlev Bär, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD in Brandenburg. Der Politiker kritisiert vor allem die Verlagerung der Arbeitsplätze an externe Dienstleister. So arbeiten nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Sascha Korschofski bereits einige Ebay-Mitarbeiter für die Berliner Competence Call Center GmbH (CCC). Dort sollen sie pro Stunde 8,50 Euro statt bislang 13 Euro erhalten.

    Ebay: Wer handelt, muss Quelle: dpa/dpaweb

    Doch auch die deutschen Ebay-Führung hat kaum noch Einfluss auf die Entscheidungen aus den USA. Schon Ende 2008 waren die Zuständigkeit für Marketing und technische Gestaltung aus Deutschland abgezogen worden. Die Bedeutung von Ebay-Deutschland – eigentlich der zweitwichtigste Markt – wurde immer stärker zurückgefahren.

    Nach der Entscheidung wechselte der damalige Ebay-Chef Groß-Selbeck zu Xing, sein Nachfolger Frerk-Malte-Feller wurde schon nach kurzer Zeit durch Stephan Zoll ersetzt. 

    Beschwerden über den Paypal-Zwang

    Vom einstigen Glanz und Erfolg ist wenig geblieben: Nach Jahren des Wachstums musste Ebay in den vergangenen zwei Jahren sogar sinkende Umsätze vermelden. In der Beliebtheit vieler Nutzer hat Amazon dem Unternehmen den Rang abgelaufen.  

    Im vorigen Quartal konnte Ebay den Trend zwar stoppen, die besseren Zahlen basierten jedoch vor allem auf dem Verkauf der Internettelefonie-Tochter Skype und dem immer wichtiger werdenden Paypal.

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      Ebay forciert die Nutzung von Paypal immer stärker. So müssen ab dem 25. Februar in Deutschland alle Verkäufer, die weniger als 50 Bewertungspunkte haben, Paypal als Bezahloption anbieten. Das trifft vor allem Gelegenheitsanbieter und Neulinge.

      In diversen Foren und Kommentaren beschweren sich seit der Ankündigung zahlreiche Nutzer über den „Paypalzwang“. „Ich bin raus“ oder „Ebay adieu“, lauten die empörten Einträge. Der Grund: Bei einer Bezahlung über Paypal wird für den Verkäufer eine Gebühr von 1,9 Prozent des Auktionspreises plus 0,35 Cent fällig.   

      Zudem gab es in der Vergangenheit immer wider Sicherheitslücken oder Ärger mit gesperrten Konten. Erst Ende Januar wurde vorübergehend ein Paypal-Konto gesperrt, über das Spenden für das Internetprojekt Wikileaks gesammelt wurden. Auch wenn die Probleme mit Paypal nach Einschätzung von Experten deutlich weniger geworden sind, sitzt das Misstrauen vieler Nutzer tief.

      Ebay in der Zwickmühle

      Nun muss sich zeigen, wie sie auf die erneuten Änderungen der Ebay-Geschäftsbedingungen reagieren. Das Unternehmen hatte schon im letzten Jahr seine Regeln mehrfach geändert, für besondere Aufregung hatte bei Verkäufern vor allem die Vorschrift gesorgt, viele Artikel kostenlos zu verschicken. Nach massiven Beschwerden wurde der Zwang zum Gratisversand seit Montag wieder abgeschafft. Ab April gelten weiterhin geänderte Vorschriften für die Powerseller.

      Ebay befindet sich derzeit in mehreren Zwickmühlen: Es muss Kosten senken, ohne dass darunter Servicequalität und Sicherheit spürbar leiden. Die Interessen von Käufern – von denen Paypal beispielsweise gerne genutzt wird – und Verkäufern müssen austariert werden und vor allem muss die Plattform sowohl für gewerbliche Anbieter, die ihre Waren oft zu Festpreisen statt wie früher in Auktionen anbieten, als auch die ursprüngliche Kernkundschaft der Privatanbieter attraktiv bleiben. Wie das Unternehmen diesen Spagat bewältigt, werden die nächsten Monate zeigen. 

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